Schwierig, aber nicht hoffnungslos

"Mdantsane e.V." lädt ein zum Ukraine Forum

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Bischof Stanislav Szyrokoradiuk (l.) und Oleg Gelemej (M.), Leiter des ersten Kinderdorfes Jablunitsa der Caritas-Spes, waren Mitorganisatoren des „Ukraine-Forums“ in der Hochschule Kempten. Im Vordergrund (r.) der Vorsitzende der Deutsch-Ukrainischen-Parlamentarierer-Gruppe, MdB Stephan Thomae (FDP).

Kempten – Nach wie vor bleibt die Ukraine ein Land in der Metamorphose. Damit aus der Raupe einmal ein Schmetterling wird, dafür gibt es Organisationen wie „Mdantsane e.V.“.

Der Verein unter dem Vorsitz von Brigitte Römpp möchte vor Ort mit der Unterstützung karitativer Einrichtungen insbesondere die Situation von benachteiligten Kindern unterstützen. 

So kommen vornehmlich Waisenkinder, die „Kinder von Tschernobyl“, Kinder aus prekären Verhältnissen und Kinder aus den Kriegsgebieten in den Genuss eines Aufenthaltes in einem der fünf vom Mdantsane e.V. geförderten Kinderdörfer. Nun hatte der Verein zu einem „Ukraine-Forum“ in die Hochschule Kempten geladen, um u.a. einen Blick auf die Lage ukrainischer Kinderkrankenhäuser zu werfen. Im Rahmen des Forums sollten neue Netzwerke und Kooperationen zwischen deutschen und ukrainischen Krankenhäusern gebildet werden. 

Bekannte Namen 
Als Ehrengast erschien Bischof Stanislav Szyrokoradiuk in Begleitung von Oleg Gelemej, dem Leiter des ersten Kinderdorfes der Caritas-Spes in Jablunitsa. Vor Ort in der Ukraine arbeitet „Mdantsane e.V.“ eng mit der Caritas-Spes zusammen. Zudem war der mit einer Ukrainerin verheiratete freie Journalist Christoph Brumme eingeladen. 

Aber auch der Bundestagsabgeordnete und Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP im Deutschen Bundestag Stephan Thomae war der Einladung in die Hochschule gefolgt. Interesse am Thema hat der FDP-Politiker auch deshalb, weil er der Deutsch-Ukrainischen Parlamentariergruppe voransteht. „Korruption ist das gravierendste Problem in der Ukraine“, sagte Thomae, den es bald wieder zu einem Besuch ins Land zieht. „Es gibt weiterhin negative Entwicklungen in der Ukraine, aber Deutschland versucht durch das Einsetzen von Antikorruptionsbüros und der Begleitung eines Wandels der Ukraine weg vom Zentralstaat hin zum Förderalstaat zu helfen. 

Brot und Bekenntnis
Szyrokoradiuk zeigte den Anwesenden einen professionell gestalteten Film über die Angebote und die Arbeit der fünf Kinderdörfer der Caritas-Spes in der Ukraine. Diese liegen verteilt über das gesamte Land, das in etwa so groß ist wie Deutschland und Frankreich zusammen. 

Einen „Ort der Ruhe“ finden dort Kinder aus prekären Verhältnissen, wie „Bettelkinder“ aus Kiew, Waisenkinder, Kinder, die unter den Spätfolgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl leiden und zunehmend Kinder aus frontnahen Gebieten und Flüchtlingsfamilien aus dem Donbass. In den Kinderdörfern werden die Schützlinge rund um die Uhr betreut, sie können spielen, Sport treiben, sich entspannen und neue Freunde finden. Wichtig ist der katholischen Kirche als Betreiber, dass die Kinder nicht nur „Brot“ bekommen, sondern auch Angebote zum Glauben. „Es ist uns sehr wichtig, dass unsere Schützlinge auch etwas über den christlichen Glauben erfahren“, sagte der Bischof, der sich stellvertretend für alle Kinder der Kinderdörfer bei den großzügigen Spendern bedankte, mit denen u.a. der Bau, die Einrichtung und deren laufender Betrieb finanziert wird. 

Krankenhaus Poltawa 
Der Journalist Christoph Brumme lebt selbst in der 300.000- Einwohner-Stadt Poltawa und ist mit einer Ukrainerin verheiratet. Der passionierte Radfahrer, der rund 20.000 Kilometer in der Ukraine auf dem Rad zurückgelegt hat, möchte das lokale Krankenhaus von Poltawa mit seiner NGO „Europäische Initiative Poltawa“ unterstützen. In dem Krankenhaus arbeitet das Pflegepersonal für nicht mehr als 200 Euro monatlich und häufig genug müssen sie sich die medizinischen Verbrauchsgüter wie Handtücher, Kittel und Handschuhe selbst kaufen. Ein besonderer Mangel herrscht in der Frühchenstation der Klinik. Das von Christoph Brumme gezeigte Video bestätigt seine Beschreibungen der prekären Verhältnisse vor Ort. Deshalb nutzt der freie Journalist die Gelegenheit, auch im Rahmen des „Ukraine-Forums“ um Spenden für seine Initiative zu werben. 

Lage vor Ort
Das „Ukraine Forum“ bot beispielhaft an der Beschreibung karitativer Einrichtungen ein Lagebild der Situation in der Ukraine. Am 31. März wird in einem ersten Wahlgang neu über das Präsidentenamt entschieden. Neben dem regierenden Präsidenten Petro Poroschenko wird sich auch Julia Tymoschenko zur Wahl stellen. Eine Neubesetzung wird zwangsläufig zu einer Neubewertung des ungelösten Konflikts mit Russland führen. Durch die Besetzung der Krim und dem Bau der Brücke über die Meerenge von Kertsch am Zugang zum Asowschen Meeres verliert die Ukraine de facto ihre zwei wichtigsten Häfen im Osten und bleibt erpressbar. Zentrales Thema aber bleibt die Bekämpfung der Korruption. Das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine (NABU) und die Antikorruptions-Staatsanwaltschaft

(SAP) verzeichnen zwar Erfolge, aber immer wieder schlagen die einflussreichen Eliten zurück, deren Privat-Armeen weitaus besser bewaffnet sind als die jungen Rekruten der Ukrainischen Armee im Donbass. Weitergehende Informationen zur Ukraine gibt es u.a. unter www.ukraineverstehen.de. 

jsp

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