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Ukrainische Flüchtlinge: Von Schule bis Eigenengagement tut sich einiges in Kempten

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Von: Susanne Lüderitz

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831 aus der Ukraine Geflüchtete sind derzeit in Kempten. © Symbolfoto: Panthermedia/Volurol

Kempten – Ukrainische Schutzsuchende: Unterbringung, Sprachkurse, Sozialleistungen, Schule und KiTa: Seit März hat Kempten zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie den Blaulichtorganisationen viel gewuppt.

Der Krieg in der Ukraine dauert an. Zehn Schutzsuchende kamen in den letzten Wochen durchschnittlich pro Woche in Kempten an. Derzeit sind 831 Personen in Kempten erfasst.

Ausdrücklich dankte Philipp Wagner, Leiter des Kemptener Amtes für Integration, im Ausschuss für soziale Fragen Anfang August den Menschen, die privaten Wohnraum zur Verfügung gestellt haben. Das Amt für Gebäudewirtschaft war aber nicht untätig; 650 zusätzliche städtische Plätze konnten seither geschaffen werden. Insgesamt handelt es sich um 45 „Objekte“ in verschiedener Größe. Die Ertüchtigung läuft bei manchen von ihnen noch.

„Etwa 350 Menschen wurden bisher aus den privaten Wohnraumangeboten in die entstandenen städtischen Objekte übernommen“, so Wagner. 60 Personen aus der Ukraine fanden in bestehenden staatlichen Unterkünften Platz. „Die Unterkünfte sind immer noch Thema“, sagte der Integrationsamtsleiter, „es handelt sich um Notunterkünfte und nichts Langfristiges.“

„Aktuell sehen wir von der Vorhaltung von Turnhallen zur Unterbringung ab“, erläuterte Thomas Baier-Regnery. Der Sozialreferent dankte den Schulen für ihre Unterstützung.

Ukrainische Kinder im neuen Schuljahr in Grundschulklassen und Brückenklassen

Über die „Ukraine-Hilfe“ habe die Stadt einen hohen Spendenbetrag von 85.000 Euro erhalten. Dieses Geld werde für die Kinder verwendet, für die Ausbildung ukrainischer, pädagogischer Kräfte, unter anderem in der Traumatherapie.

Während in diesem Schuljahr einige „Willkommensgruppen“ an Schulen entstanden sind, kommen die Grundschulkinder im neuen Schuljahr in Regelklassen unter. An den weiterführenden Schulen werde es sogenannte „Brückenklassen“ geben. An den Mittelschulen lernen dann 95 Kinder, 16 Schülerinnen und Schüler am Hildegardis-Gymnasium und 20 an der Staatlichen Realschule. „Die Versorgung mit Lehrern für die Brückenklassen stellt eine Herausforderung dar für den Freistaat“, so Baier-Regnery, das bereite ihm „Sorge“.

WillkommensKiTas

Während alle ukrainischen Kindergartenkinder untergebracht seien, sei für 70 bis 80 KiTa-Kinder noch keine Lösung gefunden. Der KiTa-Bereich ist auch durch Corona-Ausfälle gebeutelt. „Wir halten Rücksprache mit den Eltern, ob der Platz wirklich benötigt werde.“ Entstanden sind „Willkommens-KiTas“ im Kloster Lenzfried und in der Mariaberger Straße. Hier sei der Fachkräfteschlüssel „nicht so eng“. Und es könnten ukrainische Fachkräfte eingesetzt werden. Wenn der Ersatzneubau steht, wird das Gebäude von St. Michael übernommen. Baier-Regnery sprach auch von Mini-KiTas im Stadtgebiet mit jeweils zwölf Kindern.

Kosten stehen noch nicht fest

Eine Herausforderung sei auch der unklare Rechtsrahmen zu Beginn in Sachen Zuständigkeit für ukrainische Geflüchtete gewesen. Bis 1. Juni war das Amt für Integration zuständig für Sozialleistungen. Danach das Amt für soziale Leistungen und Hilfen sowie das Jobcenter Kempten. Wie Sozialamtsleiter Amtsleiter Florian Höld erklärte, wollten alle Beteiligten versuchen, den Wechsel bis zum 1. Juni hinzubekommen. Mit einem „großen Engagement der Dolmetscher“ sei dies für die 700 Anspruchsberechtigten auch gelungen.

Bis zum 1. Juni werden die entstandenen Kosten vom Freistaat übernommen. Der Städtetag fordere einen kompletten Ausgleich, dies werde jedoch auf Bundes- und Landesebene diskutiert. Es könnte sein, dass die Stadt in Einzelfällen die Krankenkosten oder Sozialleistungsfälle übernehmen müsse. Die Summen laufen unter „Gesamtausgaben Asyl“ und könnten im Herbst genau beziffert werden, so die beiden Amtsleiter Höld und Wagner.

Stadtrat Lajos Fischer (Grüne), Geschäftsführer des Haus International, fand es „toll, was die ukrainischen Flüchtlinge in so kurzer Zeit selbst auf die Beine stellen“. Sie fangen an, sich zivilgesellschaftlich zu organisieren und gründen einen ukrainischen Verein, unterstützt von den Integrationslotsinnen und von Elvira Schmid vom Koordinationszentrum Bürgerschaftliches Engagement.

Lesen Sie zu diesem Thema auch: Ukrainische Flüchtlinge im Interview: „Wir wollen unser Land nicht aufgeben“

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