Neue Strukturen

Verein wird zur Stiftung

Isny – Der evangelische Waisenhausverein Siloah wird in eine gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts umgewandelt. Diese Entscheidung fiel mehrheitlich bei der jüngsten Mitgliederversammlung.

Für das Kinderdorf Siloah hat dies aber keine Auswirkungen, da der Waisenhausverein das Kinderdorf aus finanziellen Gründen vor einigen Jahren an die „Zieglerschen“ verkauft hat.Um die Zusammenhänge und Unterschiede zu verstehen, ist ein Rückblick auf die mehr als 100-jährige Geschichte des Waisenhauses Siloah notwendig. 1910 wurde in Neu Pasua im Donauschwäbischen Siedlungsgebiet das Waisenhaus Siloah gegründet. Zwei Kriege hat es erlebt und zum Ende des Zweiten Weltkrieges sind die Betreuer des Waisenhauses mit den Kindern in Richtung Westen geflohen, erreichten amerikanisch besetzte Gebiete und Betreuer und Kinder sollten an die nachrückenden russischen Truppen ausgeliefert werden. Innerhalb weniger Stunden wurde mit Hilfe der Kirche und der Amerikaner der Waisenhausverein Siloah gegründet und Kinder wie Erwachsene vor der Auslieferung bewahrt.Weiter ging die Odyssee bis nach Wangen und Eglofstal. Die Leitung des Evangelischen Waisenhausvereins Siloah hatte den damals kühnen Plan gefasst, in Isny auf einem von der Evangelischen Spitalpflege gepachteten Gelände ein Kinderdorf zu bauen. Wohl gemerkt: Es war der Waisenhausverein der das Kinderdorf dann auch errichtete. Die Mittel wurden beschafft, das Dorf gebaut und der Waisenhausverein war der Träger des Ganzen.Im Januar 1968 begann der Umzug und bis zum Sommer waren dort 160 Kinder und Jugendliche zusammen gekommen. Immer hatte der Waisen- hausverein die Fäden in der Hand und seine Diakonische Ausrichtung war prägend für das Leben im Dorf. Um die Jahrtausendwende änderte sich einiges in der Führung und Siloah kam finanziell ins Schlingern und war eigentlich insolvent. Da bot es sich an, das Kinderdorf Siloah an, die „Zieglerschen Anstalten“ zu verkaufen, einem Verbund von sozialen und pädagogischen Einrichtungen. Das Geschäft kam zustande, das Kinderdorf wechselte den Besitzer und der Waisenhausverein als bisheriger Besitzer hatte nun das Geld aus diesem Geschäft.Noch gilt das alte Gebot, dass soziale gemeinnützige Einrichtungen nur bedingt Gewinn machen dürfen und daran muss sich natürlich auch der Waisenhausverein halten. Geld war vorhanden, die Grundlage des Vereins aber bestand nicht mehr. Da bietet es sich an, eine Stiftung ins Leben zu rufen, die aus dem Kapitalerlös Einzelpersonen, Institutionen und Aktionen unterstützen kann. Die Loslösung von der Baden-Württembergischen Diakonie ergibt sich auf dem Weg zur Eigenständigkeit.Nach der letzten Mitgliederversammlung wurde der Vorstand beauftragt bei einem Abstimmungsergebnis von 19 zu sieben Stimmen die Stiftungsgründung und das Einbringen des Kapital in die Stiftung in die Wege zu leiten und gleichzeitig zeitnah die Auflösung des Evangelischen Waisenhausverein Siloah zu veranlassen. Manfred Schubert

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