1.700 Quadratmeter für die Forschung rund um Elektromobilität

"Dynamische Entwicklung"

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Glücklich über die Räume für das Technologiezentrum Elektromobilität der Hochschule Kempten auf dem Saurer-Allma-Gelände der Sozialbau: (v.li.) Prof. Dr. Andreas Rupp, Sozialbau-Chef Herbert Singer, Hochschul-Präsident Prof. Dr. Robert F. Schmidt und OB Thomas Kiechle.

Kempten – Nun ist es also auch ganz offiziell: das Technologienetzwerk Allgäu (TNA) ist auf 1.700 Quadratmeter Gewerbeflächen auf das Saurer-Allma-Areal umgezogen. Vergangenen Mittwoch wurde die Übergabe der Flächen am neuen Standort durch Sozialbau-Chef Herbert Singer an Hochschul-Präsident Prof. Dr. Robert F. Schmidt und Kemptens OB Thomas Kiechle feierlich begangen.

Faktisch wurden die Schlüssel für die Räume bereits im August an das Technologiezentrum Elektromobilität – das TNA ist ein Verbund aus drei solcher Zentren mit den Schwerpunkten Leistungselektronik für erneuerbare Energien in Memmingen, Fahrzeugmesstechnik, Datenanalyse und Funktionale Sicherheit in Kaufbeuren und Elektromobilität in Kempten – übergeben. Dort haben neun Labore und Flächen für die Verwaltung Platz gefunden, wo „die gewonnen Erkenntnisse weiter verarbeitet werden können“, wie Singer meinte. Besonders freute den Hausherrn, dass sich im Schlepptau des Projekts auch schon zwei Start-up Unternehmen im Gewerbepark angesiedelt haben. Wie berichtet, hatte die Sozialbau das Saurer-Allma-Areal im vergangenen Jahr vom Oerlikon-Konzern erworben und wie Singer verkünden konnte, habe man die Flächen – 51.000 Quadratmeter Grundstücksflächen und rund 23.000 Quadratmeter Hallen- sowie 5000 Quadratmeter Büroflächen – bereits „nahezu vollständig vermieten können“.

Als „Ausdruck des Wachstums“ bezeichnete Kiechle die Eröffnung dieses neuen Bausteins und hob das Zusammenwirken von Hochschule und Wirtschaft – Förderer und zugleich Profiteur von den Forschungsergebnissen – hervor. Die Stadt Kempten könne nach seiner Überzeugung „nur mit einer leistungsfähigen Hochschule erfolgreich bleiben“. Durch sie entstehe ein „Mehrwert“, den man „heute noch gar nicht richtig überblicken kann“, nannte er unter anderem das Entstehen neuer Arbeitsplätze – ein Grund, warum der Stadtrat diese Investition „gerne bewilligt“ habe.

Laut Schmidt leistet der Freistaat die Anschubfinanzierung, die Hochschule gibt ihr Know-how, die Wirtschaft fördert und die Kommune stellt die Räumlichkeiten. Nachdem sich das ursprünglich angedachte Seitz-Gebäude als sanierungsbedürftig entpuppt habe, sei er froh, hier einen idealen Standort gefunden zu haben. Zwar lägen die Räume hier „jetzt nicht direkt am Campus“, aber für manches sei das vielleicht ja auch ganz gut. Etwas verärgert zeigte er sich darüber, dass die Hochschule für den Bereich Forschung „null Ressourcen“ vom Freistaat bekomme – kein eigenes Personal für die Forschung, keine eigenen Räume, weshalb die Forschungsarbeit bislang in den normalen Lehrräumen stattgefunden habe – und die Finanzierung über Projekte laufen müsse. Kein Verständnis hatte er dafür, dass Bad Neustadt a.d. Saale aufgenommen worden, E-Wald (Bayerischer Wald) und Garmisch-Partenkirchen zur Modellregion Elektromobilität Bayern erkoren worden seien und Fördergelder bekämen, obwohl Kempten schon 2009 mit dem ersten Projekt zur E-Mobilität „ziemlich führend“ gewesen sei. Dennoch, so Schmidt, hat sich der Forschungsbereich „an unserer Hochschule äußerst dynamisch entwickelt“. Obwohl nur rund 15 Prozent der beantragten Forschungsprojekte auch bewilligt würden, nannte er aktuell „Projekte in einer Größenordnung von 4,5 Millionen Euro“. „Preisgünstige, zuverlässige sowie umwelt- und sozialverträgliche Mobilität bilden die Grundlage unseres modernen Gesellschafts- und Wirtschaftssystems. Ziele unserer Forschung für die Mobilität von morgen sind daher nicht nur technische Innovationen für energieeffiziente Fahrzeuge sondern vor allem Entwicklungen zu neuen Mobilitätsmodellen“, so Schmidt, der dem Bereich Elektromobilität bescheinigte, dass er „hier sehr sehr gut läuft“.

Leichtbaukonstruktion, Vernetzte Mobilität und Intelligente Ladestationen sind die großen Themen, an denen laut Prof. Dipl.-Ing. Andreas Rupp vom Bereich Forschung und Entwicklung in den neun Laboren getüftelt wird. Dazu sind „acht verschiedene Elektro-Fahrzeuge“ im Einsatz, unter anderem als Taxi, beim Car-Sharing, als Post-Caddy oder beim Pflegediensteinsatz, wie seine beiden Mitarbeiter Michaela Amberger und Maximilian Stahl erklärten.

Und das Seitz-Gelände? 

Aus dem Rennen für die Nutzung durch die Hochschule Kempen ist das Gelände, beziehungsweise das Gebäude darauf, noch nicht, wie Dr. Richard Schießl, Referent für Wirtschaft, Kultur und Verwaltung, auf Nachfrage des Kreisboten angab. Aktuell laufen demnach Planungen, wie und ob das Gebäude für „Ausgründungen, die die Nähe zu den Laboren der Hochschule brauchen“, nutzbar gemacht werden kann.

Christine Tröger

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