Unangenehme Wahrheiten

Undercover-Film beleuchtet die rechte Szene

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Regisseur Peter Ohlendorf (r.) und Journalist Sebastian Lipp (l.) beantworten die Fragen der Zuschauer.

Kempten – Verbotene Liedzeilen, hasserfüllte Sprechchöre, der Hitlergruß im Kollektiv – das alles bekamen die ca. 150 Besucher der Filmvorführung „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“ kürzlich im Thomas-Dachser-Auditorium der Hochschule Kempten zu sehen.

Ermöglicht wurde die Veranstaltung durch eine Zusammenarbeit der Hochschul-Arbeitskreise Politik, Students4refugees und Kino. Als besondere Gäste konnten die Veranstalter den Regisseur des Films, Peter Ohlendorf, und den Journalisten und Blogger Sebastian Lipp, der als Chefredakteur des Blogs „Allgäu rechtsaußen“ arbeitet, begrüßen.

Der im Jahr 2012 erschienene Dokumentarfilm zeigt den unter dem Pseudonym Thomas Kuban auftretenden Journalisten, der nahezu ein Jahrzehnt mit versteckter Kamera die Rechtsrock-Konzerte in Deutschland und vielen weiteren europäischen Ländern verfolgte und dabei beunruhigendes Filmmaterial aufzeichnete. Die Angst dabei aufzufliegen, war ein ständiger Begleiter seiner Arbeit. „Erst wenn Sie versuchen, sich in die Lage von Thomas Kuban hineinzuversetzen, wird Ihnen klar, was dieser Beeindruckendes geleistet hat. Um so viele Jahre in der Rechtsrock-Szene nicht enttarnt zu werden, bedarf es nicht nur einer Veränderung seines Aussehens. Er hat selbst sein Sprachmuster angepasst“, erklärt Peter Ohlendorf.

Aus dem Film geht die Gefahr von Rechtsrock-Konzerten hervor. Diese bieten einen niedrigschwelligen Zugang zur Szene. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen hören die Musik anfangs oft nicht aufgrund der rassistischen und volksverhetzenden Texte, sondern weil sie das Genre Rock anspricht. Die sukzessive Beeinflussung durch die Neonazis in diesem Umfeld ist unvermeidbar. Die Dokumentation kritisiert das häufig zu harmlose Auftreten der Polizei, wenn es um das rechtzeitige Verhindern solcher Veranstaltungen oder das Ahnden von Straftaten während der Konzerte geht. Als Positivbeispiel wird die Berliner Polizei erwähnt, die bereits die Auszubildenden umfangreich zur Thematik schult und rigoros gegen die rechte Szene vorgeht.

Als der Abspann läuft, ist es lange still im großen Vorlesungssaal, dann folgt der Applaus. Peter Ohlendorf und Sebastian Lipp laden zur Diskussionsrunde ein, denn Fragen gibt es viele im Plenum. Lipp stellt dabei den regionalen Bezug zum Film her und erwähnt im Zuge dessen die mittlerweile aufgelöste Rechtsrock-Band „Faustrecht“ aus Mindelheim, die Skinhead-Band „Kodex frei“ aus dem Raum Kempten und den aus dem Allgäu stammenden Betreiber des Rechtsrock-Labels „Oldschool Records“, Benjamin Einsiedler. Auf die Frage, was jeder einzelne dagegen tun könne, antwortete Ohlendorf: „Jeder kennt Menschen im direkten Umfeld, die dumme Sprüche von sich geben. Auch wenn es oft anstrengend ist: Lasst die Aussagen nicht so stehen und sucht die Diskussion. Macht Lust auf Demokratie, nehmt diese nicht als selbstverständlich hin. Es ist eine Ehre, diese verteidigen zu dürfen“.

Dominik Baum

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