Unerwarteter Fund im Keller

Ein Blick ins Erdgeschoss des Gebäudes Klostersteige 4 lässt zwar derzeit noch eher anderes vermuten. Aber der Stand der Sanierungs- und Umbaumaßnahmen in den beiden oberen Stockwerken machen das Zieldatum der Fertigstellung realistisch. Im Frühsommer sollen hier Gasthaus und Hotel Sonne ihre Pforten öffnen.

Immer wieder waren historische Bauteile in dem urkundlich erstmals 1567 erwähnten Haus ans Licht gekommen. Aktuell: Ein zweites Gewölbe im Keller, der vermutlich einst als Lagerraum für die benachbarte Brauerei diente. Auch wenn man schon ein geübtes Auge braucht, um die Reste inmitten der Baustelle zu erkennen, ist es ein weiteres Puzzleteilchen zur Hausgeschichte. Die Gewölbe seien später hier eingezogen worden, „um den heute noch nassen Untergrund zu überspannen“, wie die Historikerin und Mitarbeiterin des Kemptener Stadtarchivs, Birgt Kata, erklärt. Hier sei nämlich ein Uferbereich des alten Illerarms – bis etwa 1300 ein richtiger Fluss – überbaut worden, den man schließlich zu einem Kanal verkleinerte. Erst ab dem 15. Jahrhundert seien Steinhäuser auf dem Gelände errichtet worden. Der Bauforscher Benno Willburger vermutet die Entstehung der Gewölbe in der Barockzeit. So auch den Dachstuhl des „damals möglicherweise aufgestockten“ Hauses und „Teile der Außenwand“. Einen eindeutigen Beweis gebe es allerdings nicht, „da es nicht ausreichend untersucht worden ist“, erklärte er seine hartnäckig im Konjunktiv gehaltenen Antworten. Münze gefunden? Ein Indiz für seine Vermutung sieht er darin, dass „der Keller direkt an den Dreck gemauert worden ist“. Einig sind sich Kata und Willburger auch bezüglich der endgültigen Bauschutt-Verfüllung des Kellers im 19. Jahrhundert. Angeblich habe ein Bauarbeiter dort auch eine Münze aus dem frühen 19. Jahrhundert gefunden. Gesehen hat sie von den Experten allerdings noch keiner. Der Finder sei nämlich im Urlaub, hieß es. Und wie sieht die Zukunft des fast immer gastronomisch genutzten Gebäudes aus? Die Pächter für die getrennten Bereiche Stadthotel und Gastronomie seien schon gefunden, doch wollte Bauherr Josef Kurz, Geschäftsführer von Thanner-Kurz in Memmingen, noch keine Namen nennen. Nur dass es sich jeweils um Kemptener handle, die dann „auch selber drin stehen“. Einen „höheren sechsstelligen Betrag“ werde der Umbau kosten, meinte der auf denkmalgeschützte Objekte spezialisierte Kurz. Insgesamt 30 Betten sollen sich in den zwei oberen Etagen auf zwölf Doppelzimmer und vier Einzelzimmer verteilen, die teilweise als Familienzimmer zusammenlegbar seien. „Es wird ein pfiffiges Hotel“, freute sich Kurz über die durchgestylte Planung der Pächterin. Im Gasthaus sollen die Gäste Frühstücken und Bayerische Speisen genießen können – je nach Wetter auch in der Klostersteige und Brandstatt, so Bauleiter Andreas Prestel. Eine Besonderheit beim Hotel-Treppenaufgang über der kleinen Gasse am Rückgebäude wusste Kata noch: Darunter liege „der letzte kanalisierte Rest des Illerarms auf dieser Trasse“, der bis 1827 die Grenze zwischen den Bistümern Augsburg und Konstanz bildete.

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