Unfallstatistik 2015: 13,5 Prozent mehr Verkehrsunfälle allein in Kempten

Mehr Verletzte, weniger Tote

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2015 kamen fast doppelt so viele Motorradfahrer bei Unfällen in Südschwaben ums Leben als 2014.

Kempten/Landkreis – Die Gesamtzahl der regis­trierten Verkehrsunfälle stieg im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West im vergangenen Jahr um 5,7 Prozent auf 26.372 an. Dies geht aus der kürzlich veröffentlichten Verkehrsunfallstatistik für 2015 hervor. Die Zahl der bei Unfällen getöteten Personen blieb im Vergleich zu 2014 insgesamt gleich (50), allerdings kamen mehr „schwache Verkehrsteilnehmer” – Fußgänger, Rad- und Motorradfahrer – ums Leben.

„Die Entwicklung in der Gruppe der weniger geschützten Verkehrsteilnehmer ist besorgniserregend, insbesondere bei den Motorradfahrern. Auch die Anzahl verstorbener Radfahrer und Fußgänger ist hoch. Diese Verkehrsteilnehmer haben weder Knautschzonen noch andere passive Sicherungen, weshalb sie im Straßenverkehr besonders gefährdet sind”, sagt Polizeipräsident Werner Strößner.

Bei Verkehrsunfällen im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West kamen 14 Autofahrer ums Leben – der niedrigste Wert seit Bestehen der Unfallaufzeichnungen vor über 60 Jahren. Auch die Zahl der getöteten Radfahrer war rückläufig. Der Verkehrsunfallstatistik zufolge ist bei dieser Gruppe der ­Altersdurchschnitt mit knapp 68 Jahren am höchsten. Zudem trugen acht der neun Verstorbenen zum Unfallzeitpunkt keinen Fahrradhelm. Bei den Motorradfahrern (17 Tote im Vergleich zu neun im Jahr 2014) und den Fußgängern (9, 2014: 6) verzeichnete die Polizei einen signifikanten Anstieg der getöteten Personen.

Regionale Vergleiche 

Im Landkreis Oberallgäu wurden 2015 deutlich mehr Unfälle verzeichnet als im Vorjahr: Insgesamt registrierte die Polizei 3636 Unfälle (2014: 3416, + 6,4 Prozent) mit 947 verletzten und acht getöteten Personen. Auch in den umliegenden Landkreisen lässt sich derselbe Trend beobachten. So wurden in Kempten 2686 Unfälle mit 489 Verletzten und einem Toten verzeichnet – hier war die Steigerung der Unfallzahlen besonders auffällig: 320 Unfälle mehr als 2014, eine Steigerung um 13,5 Prozent. Im Ostallgäu stiegen die Unfallzahlen „nur“ um 1,7 Prozent an. Mit 3405 Unfällen gab es 59 mehr als 2014, 750 Menschen wurden hier verletzt, zwölf kamen ums Leben.

Die meisten Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang fanden auch 2015 wieder außerhalb geschlossener Ortschaften statt, hier starben im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West 38 Menschen.

Die Anzahl der durch Unfälle verletzten Verkehrsteilnehmern lag mit 5706 Personen 3,8 Prozent über der Zahl des Vorjahres. Hier zeigt sich gerade bei den Fahrradfahrern ein enormer Anstieg: 1302 Verletzte, der höchste Wert seit Bestehen der Unfallstatistik.

Unfallursachen 

Strößner appelliert an alle Verkehrsteilnehmer, vorausschauend zu fahren und nicht auf ihrem Recht zu beharren. „Auch ein scheinbar geringer Regelverstoß kann zu Unfällen führen. Wer ist sich denn bewusst, dass eine Geschwindigkeitsüberschreitung von nur wenigen Kilometern pro Stunde zu einem deutlich längeren Anhalteweg und somit zu einer erheblich größeren Aufprallenergie führt?” Auch vermeintlich kleine Ablenkungen wie ein Blick aufs Smartphone oder das Bedienen des Radios könnten zu dramatischen Unfällen führen – ein Radfahrer oder Fußgänger ist schnell übersehen. Auch, so Strößner, solle man immer Fehler anderer in seiner Fahrweise mit einkalkulieren.

Weiterhin ist nicht angepasste Geschwindigkeit eine der Hauptunfallursachen. Deshalb wird die Polizei weiter den Schwerpunkt auf Geschwindigkeitsüberwachungen legen. Fehler beim Abbiegen, Wenden, Ein- und Anfahren liegen an erster Stelle der Unfallursachen, gefolgt von Nichtbeachtung des Rechtsfahrgebotes, Vorfahrtsverletzungen oder Missachtung des Sicherheitsabstandes.

Bayerntrend 

Bayernweit sank die Zahl der Verkehrstoten im vergangenen Jahr auf 614 (2014: 617), der niedrigste Stand seit Beginn der Unfallaufzeichnungen. Gleichzeitig stieg aber die Zahl der Verkehrsunfällle um 5,9 Prozent auf 391.125, die Zahl der Verletzten um 2,3 Prozent auf 71.161. Auch hier ereigneten sich die meisten tödlichen Verkehrsunfälle auf den Landstraßen und Autobahnen. „Wir werden mit unserem Verkehrssicherheitsprogramm 2020 ‚Bayern mobil – sicher ans Ziel’ weiterhin hart daran arbeiten, Bayerns Straßen noch sicherer zu machen”, sagte Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann. Angesichts der Hauptunfallursachen kündigte er auch für 2016 verstärkte Geschwindigkeitskontrollen sowie Alkohol- und Gurtkontrollen an.

Eva Veit

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