Ungebrochene Leidenschaft

Was ihn schon als Kind faszinierte, machte er später zum Beruf, der gleichwohl Berufung war. Auch nach seiner Pensionierung verbindet den ehemaligen Forstdirektor Hubert Rößner eine ungebrochene Leidenschaft zu den erhabenen Naturdenkmälern, wie seine aktuelle Ausstellung im Haus der Senioren in Kempten beweist.

Die Ausstellung „Weißt du nicht, dass Bäume das Leben eines Landes sind?“ zeigt Fotografien von Baumgestalten in und um Kempten. Darunter auch die bekannte, über 100 Jahre alte Multzer-Kiefer auf dem Mariaberg, mit ihren zwei Metern Umfang. Oder die älteste und stärkste Weißtanne Deutschlands auf der Ziehen-Alpe bei Steibis. Auf etwa 400 Jahre wird das Alter des 23 Meter hohen Baumes mit einem Umfang von knapp sechseinhalb Metern geschätzt. Er fotografiere vor allem zur Dokumentation, weniger aus künstlerischem Anspruch heraus, erklärte er sein Anliegen bei der Ausstellungseröffnung. Bäume seien „Wunderwerke“, schwärmte der 77-Jährige, der auch mehrere Jahre im Entwicklungsdienst in Indonesien und der Südsee verbracht hat, über die erstaunliche Anpassungsfähigkeit, mit der Bäume sich ihren jeweiligen Lebenssituationen anpassen. Aber auch von seiner kämpferischen Seite zeigte er sich und sparte nicht mit Kritik an der Stadt, da „die Zeiten in Kempten für Bäume schlecht sind“. Er könne leicht zehn alte, schöne Bäume nennen, „die in Kempten ohne vernünftigen Grund beseitigt wurden“ – zum Beispiel um Platz für ein Festwochenzelt zu schaffen, wie er anmerkte. Jedes Jahr würden welche verschwinden, da würde es schon reichen, „wenn ein Ast auf ein Auto fallen könnte“, bemängelte Rößner die insgesamt in Bayern herrschende Mentalität „möglichst viele abzusägen“. Kritik an Forstreform Weniger dramatisch sah er die klimatischen Veränderungen, denn „Wärmezeiten waren immer gut für das Wachstum“, und „das CO2 tut den Bäumen gut“, meinte er. Der Punkt sei eher, dass die Leute hier glaubten, es dürfe nur wachsen „was auf den Postkarten von anno 1800 zu sehen ist“, aber das Klima habe sich schon immer gewandelt. „Wohl thematisch bedingt“, konstatierte Lothar Köster vom Haus der Senioren, „ein ganz anderes Publikum als sonst“. Darunter auch der ehemalige Forstdirektor in Immenstadt, Hermann Rüth, der im Gespräch mit dem KREISBOTE unter anderem die Forstreform kritisch bewertete. Das Abholzen der „Altbestände, die noch keine Verjüngung haben“ sei nicht günstig, da die Jungbäume nicht mehr im Schatten der alten nachwachsen könnten, äußerte auch er Bedenken zur schon von Rößner erwähnten Abholz-Mentalität. Als Nachteil sah er die Integration der Forst- in die Landwirtschaftsämter, was „von anderen Ländern belächelt“ werde. Aber auch in seinen Augen positive Entwicklungen blieben nicht unerwähnt, wie die Vegetationsverlängerung um circa zwei Wochen im Frühjahr und rund drei Wochen im Herbst, die seit der Reduktion von Braunkohle zu beobachten sei. Die Ausstellung kann noch bis zum 5. Februar im Haus der Senioren besichtigt werden. Geöffnet ist die Präsentation montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr sowie freitags von 8 bis 12 Uhr.

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