"Ungeheuer schwierig"

Die Expertenrunde auf der Bühne: Harald Wiggenhausen (v.l.), Winfried Franke, Bürgermeister Rainer Magenreuter, Pitt Hummel und Dr. Reiner Huba. Foto: Schubert

Über die emotionalen Befindlichkeiten im Ortsteil Beuren im Zusammenhang mit Windkraftanlagen wurde schon mehrmals berichtet und das die neue Informationsveranstaltung zum Thema dorthin gelegt wurde, ist daher ein logischer Schritt der Stadtverwaltung. Nichts geht ohne genaue Information und deshalb hatten sich die Experten und die Stadtverwaltung dort den Fragen und Einwänden der Bürger stellen wollen.

Der Saal des Dorfgemeinschaftshauses in Beuren war – wie sollte es anders sein – wieder voll besetzt und die Experten zur Beantwortung der Fragen waren auch geschlossen angetreten. Die Tagesordnung war mit verschiedenen Referaten klar gegliedert. Zunächst kam der Verbandsdirektor des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben, Wilfried Franke, zu Wort. Ausgangslage war dabei, dass in 24 Vorranggebieten 130 Windkraftanlagen entstehen sollen und der Regionalverband diesen Auftrag abgearbeitet hat. Dabei, so Franke, wurde niemand bevorzugt und niemand benachteiligt. Die Ausweisung der unterschiedlichen Standorte war dabei einfach Fakt. Hier ist die Rechtslage ab 1. Januar 2013 recht eindeutig. Ging es bisher um die Abwägung der verschiedensten Einwände und Auflagen, ändert sich das im nächsten Jahr gravierend: Dann kann durch die Privilegierung der Windkraft jeder den Bau einer Windkraftanlage beantragen, der sich an die Bestimmungen für den Bau einer solchen hält. Dann wird über den Bau einer solchen Anlage über das Landratsamt entschieden, wo bereits vier Anträge vorliegen. Winfried Franke fasste zusammen: „An diesem Tage ändert sich die Welt für uns”, sagte er. „Durch die Novelle des Landungsplanungsgesetzes vom Mai 2012. bleibt nur noch die Steuerung der Planung durch einen Flächennutzungsplan der Gemeinde, die dann aber andere Flächen für die Nutzung ausweisen muss.“ Kaum verständlich Harald Wiggenhausen als stellvertretender Verbandsdirektor des Regionalverbandes erläuterte vor allem die technischen Zusammenhänge und hatte dafür das neueste Kartenmaterial mitgebracht. Ob Schutzgut Mensch, Landschaft- und Artenschutz, Schutz von Kulturgut oder andere Einwände: „Das Gesamtkonzept erweist sich als ungeheuer schwierig und für den Laien kaum noch zu verstehen.“ Dr. Reiner Huba, Experte für die Erstellung von Windkraftanlagen und am Windkraftprojekt im Schwarzwald deutlich mitbeteiligt, ist ein ausgewiesener Befürworter solcher Projekte und bemühte sich ebenfalls um eine allgemeine Beruhigung der Gemüter, wenn er damit bei den Gegnern auch nicht gerade auf Gegenliebe stieß. Ihm sei jedenfalls kein Fall bekannt, bei dem mit Sicherheit nachzuweisen wäre, dass der Bau von Windkraftanlagen zu einem Rückgang des Tourismus führte. „Im Gegenteil: Technologische Bewunderung und Einsicht in die Notwendigkeit des Umdenkens sind positive Aspekte.“ Dann hatte Markus Nessler vom Verein „Natürlich fürs Allgäu e.V.“ das Wort und die rund 650 Mitglieder des Vereins bildeten für seine Rede den nötigen Hintergrund. Der über den Beurener Berg führende Wildkorridor, bisher nicht berücksichtigte Populationen seltener Tiere, Vogelfluglinien und Befürchtungen für den Wasserhaushalt im eventuell betroffenen Gebiet waren seine Aspekte. Er gebärdete sich, dem Anliegen entsprechend relativ militant, und nach seiner Meinung ist der Gemeindefrieden in Beuren durch die zwei Lager in Gefahr. Dann war auch Franz Prinz von der Energiegenossenschaft Beurener Berg GmbH mit seinen Argumenten dran. In der GmbH hat man es mit einem Zusammenschluss der Grundbesitzer am Beurener Berg zu tun. „Wir wollen keinen Großinvestor in diesem Gebiet, der uns dann die Anlagen vor die Nase stellt. Lieber wollen wir mit der Isnyer Energiegenossenschaft zusammen dieses Projekt in Angriff nehmen”, betonte er. „Der Wandel wird auf jeden Fall kommen.” Wenn der Wind des Wandels wehe, bauten die einen Schutzmauern und die anderen Windmühlen, so Prinz weiter. „Die Sorgen und Ängste der Bürger werden wir auf jeden Fall ernst nehmen. Allerdings, wer einen Krieg plant, der braucht auch einen Gegner und wir wollen vor allem das Gespräch über unsere Belange.“ Die anschließende Fragerunde an die Experten war Teil des an diesem abend geplanten Informationsprogramms und die gestellten Fragen – auch an Bürgermeister Rainer Magenreuter und den städtischen Bauexperten Pitt Hummel – wurden möglichst ausführlich beantwortet.

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