Ortsbegehung Eschacher Weiher

Ungeklärter Wasseraustritt am Eschacher Weiher erfordert schnelles Handeln

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Am beliebten Badesee Eschacher Weiher fließt im östlich gelegenen Damm in einem Ablaufrohr Wasser, dass leer sein sollte.

Buchenberg – Durch den östlich gelegenen Damm des Eschacher Weihers verläuft ein Ablaufrohr, in dem neuerdings Wasser fließt, obwohl es leer sein sollte.

Drei bis fünf Liter pro Sekunde, vermutet Ingenieur Claudius King vom schwäbischen Ingenieurbüro Jellen & Co., Ursache könnte eine undichte Stelle sein, so sein Fazit. 

Dem Gewässerwart Stefan Klaus vom Eschacher Fischereiverein e.V. Kempten war aufgefallen, dass der Wasserspiegel des Weihers nicht mehr anstieg. Es fehlen etwa 30 Zentimeter, so Klaus. Schnell stellte er fest, dass in der Rohrleitung des „kleinen Mönchs“, so die Bezeichnung für das regulierbare Ablaufwerk eines Teiches, Wasser abläuft, obwohl das Mönchbauwerk im Weiher verschlossen ist. 

In einer Ortsbegehung mit Indra Baier-Müller, Landrätin des Landkreises Oberallgäu, Toni Barth, Bürgermeister Markt Buchenberg, Vertretern des Landratsamtes (LRA), des Wasserwirtschaftsamtes (WWA Kempten) und des Eschacher Fischereivereins e.V. bestätigten sich die Beobachtungen. Wasseraustritte in dieser Menge im Ablauf müssten schnell aufgeklärt werden, denn die Sicherheit habe höchste Priorität, betonte Karl Schindele, Leiter WWA Kempten. 

Eine langsame Absenkung des Wasserspiegels um einen Meter sei eine der ersten Maßnahmen, um den Staudruck des Wassers auf den Damm zu verringern, erklärte Claudius King. Ein weiterer Schritt sei die Lokalisierung des Wasseraustritts. Das Wasser reiße Feinstoffe mit, dadurch entstünden Hohlräume, mit der Folge von Einsackungen, Rissen und weiteren Abgängen, was letztendlich zu massiven Schäden und einem Dammbruch führen könnte. Hochwasser im Tal wäre dann nicht auszuschließen, so der Ingenieur. 

Eine kleine undichte Stelle könne schnell repariert werden, doch sollte die Ursache diffus bleiben, müsse der Wasserspiegel weiter abgesenkt werden. Doch eine Schließung des Erholungsgebietes für Ausflugs- und Badegäste sei vorerst nicht vorgesehen, erklärte Toni Barth schmunzelnd. „Es wird halt etwas stupflig werden.“ Walter Stockinger, erster Vorsitzender des Eschacher Fischereivereins e.V. Kempten, ist nicht glücklich über die Absenkung des Wasserspiegels. Ein Meter wäre seiner Meinung nach noch unbedenklich, aber drei Meter wären für das Leben in und um den Weiher nicht mehr vertretbar. 

Denn der Eschacher Weiher ist nicht nur ein beliebter Badesee, sondern auch ein wichtiges Gewässer für die Fischzucht. Zahlreiche Fische, wie Forellen, Karpfen, Barsche und Schleien sind in dem Weiher heimisch. Durch einen niedrigen Wasserstand erwärme sich der Weiher schneller, der für die Fische lebensnotwendige Sauerstoff verringere sich und die angrenzenden Feuchtgebiete trocknen aus, erklärte er den Teilnehmern. Die Fische könnten sterben und der Lebensraum von Insekten und Fröschen würde zerstört werden. Zudem seien die beiden Quellen, die den Weiher mit frischem Wasser versorgen, so gut wie versiegt. 

Die Sanierung des Dammbauwerkes war für die nächsten Jahre geplant. Bereits 2017 wurde ein geologisches Gutachten erstellt, das der Zweckverband auf Initiative des Landratsamtes Oberallgäu in Auftrag gegeben hatte. Die Sachverständigen bestätigten eine uneingeschränkte Standsicherheit des Dammes und entdeckten einen kleinen Schaden am Grundablass mit geringfügigem Wasseraustritt außerhalb des Rohres. Um negative Veränderungen frühzeitig zu erkennen, wurde die ausgetretene Menge regelmäßig gemessen. „Es zeigten sich bisher keine Auffälligkeiten“, beschrieb King die Situation. Auch Landrätin Indra Baier-Müller unterstrich die besondere Bedeutung des Eschacher Weihers. 

Bis ins Jahr 1677 oder 1693 reicht seine Entstehungsgeschichte zurück. Als künstlich angelegter Stauweiher nutzte ihn der Kemptener Fürstabt Rupert von Bodman als Mühl- und Löschwasserteich, sowie als Fischweiher für die Hofküche. Daneben diente der Weiher zur Wasserversorgung des Stifts Kempten. Im Jahr 2014 erwarb der Zweckverband Erholungsgebiete Kempten und Oberallgäu den auf einer Höhe von 1000 Metern auf der Rhein-Donau-Wasserscheide gelegenen Weiher mit einer Gesamtfläche von sieben Hektar. „Es entstand ein beliebter Badesee und wichtiger Baustein des Tourismus der Marktgemeinde Buchenberg“, betonte Baier-Müller. 

Christine Reder

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