Offener Corona-Diskurs: "Der Kurs der Regierung ist zu einseitig"

Unmut in Buchenberg

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Umgeben von Absperrband und einigen Polizeiwagen äußerten die Demonstranten ihre Sorgen und kritischen Meinungen zum Umgang mit dem Corona-Virus. Im Vordergrund Wolfgang May (li.) und Georg Sedlmaier.

Buchenberg – Zum Glück typisch für die Corona-Zeit spielte das Wetter seine Rolle wieder perfekt. Am Samstagabend trafen sich bei herrlicher Sonnenuntergangsstimmung circa 30 Menschen auf dem Buchenberger Marktplatz. Gemütlich und friedlich „eingesperrt“ im rotweißen Band vertraten sie alle die gleiche Meinung: Der Umgang mit dem Virus muss offener und vielseitiger werden.

Dass wir es nicht gewohnt sind, eingesperrt zu sein, zeigte der zunächst leere Raum zwischen dem Absperrband auf dem Marktplatz. Erst nachdem Organisator Raimund Koch zum Start der Veranstaltung die Anwesenden aufforderte, wechselten sie die Seite von außerhalb nach innerhalb des Bandes.

Hier war der Mundschutz Pflicht, der nur ein Teilnehmer mit Attest aus gesundheitlichen Gründen nicht nachkam. Koch hatte zur Demo aufgerufen, um Offenheit und Kontroverse in der Corona-Debatte zu fordern. „Es gibt zahlreiche begründete Expertenstandpunkte, die die Bewertung und Maßnahmen der Regierung sehr fraglich sehen“, sagte er.

Für sie sei die Verhältnismäßigkeit von Lockdown und weiteren Einschränkungen gegenüber der real existierenden Viren-Gefahr in Deutschland unstimmig. In den Medien fehle Koch ebenso die kritische Diskussion. Das Schild einer Demo-Teilnehmerin titelte in diesem Sinne: „Ohne kritischen Diskurs ist Wissenschaft Propaganda.“ Die nötige Haltung für eine wertvolle Debatte sei laut Koch, offen zu sein für die Erfahrungen und das Wissen anderer, bereit zu sein, seine Meinung zu ändern und andere Positionen zu respektieren.

Dass Erfahrungen und Wissen anderer zu wenig respektiert und genutzt würden, mahnten im Anschluss an Kochs Worte zwei weitere Redner. Wolfgang May (Internist für Physikalische Medizin, Rehabilitation, Homöopathie, Naturheilverfahren und Arzt für Humedica) informierte darüber, dass es durchaus Programme für derartige Krisensituationen gebe, die aber unzureichend beachtet worden seien.

Gut sei, dass alles getan wurde, um Verhältnisse wie in Italien oder New York zu verhindern. Dafür dankte er der anwesenden Polizei, die er nicht als Gegner sieht. „Es gibt aber zwei Dinge, die mir gar nicht gefallen“, sagte May anschließend. Für ihn sei es ein No Go, dass auf Anweisung des Robert-Koch-Instituts lange keine Obduktionen von Corona-Fällen gemacht werden durften.

„Die medizinische Wissenschaft ist auf der Pathologie aufgebaut.“ Er kritisierte außerdem, dass eine Impfung als einziges Allheilmittel angepriesen werde und dies sei gleichzeitig Angstmache. Eine Impfung garantiere nicht die Ausmerzung eines Virus, wie bei der „normalen“ Grippe zu sehen sei.

Dass sich die Bevölkerung nicht mit dem hochansteckenden Corona-Virus infiziere, sei eine Illusion. „Deswegen muss es unser Ziel sein, trotz Infektion nicht krank zu werden“, betonte May. Die Politik müsse zur Krankheitsprävention motivieren. Dazu gehöre die Naturheilkunde, die zahlreiche antivirale Stoffe im Petto habe.

Statt im Naturheilmittelbereich speziell zu COVID-19 zu forschen, gingen die Forschungsgelder allein in die Pharmaindustrie. Einseitige Bemühungen, die nur darauf abzielen, Infektionen zu verhindern, sind für May der falsche Weg.

„Wir müssen mit Viren auch in Zukunft leben, jedes Jahr einen Lockdown zu machen, ist kaum möglich.“ Es gelte, die Immunfeinde zu betrachten. Dazu gehöre Angst und eine stetig zunehmende technisierte sowie künstliche Lebensumwelt. Georg Sedlmaier (Gründer einer Interessensgemeinschaft für gesunde Lebensmittel) sprach in diesem Zusammenhang die Bedeutung einer natürlichen Ernährung an.

Die Zulassung von 330 künstlichen Zusatzstoffen für Lebensmittel durch die EU sei der falsche Weg, um sich gegen Krankheiten zu wappnen.

Nach den mit Applaus befürworteten Worten der Redner entwickelte sich nach anfänglichem Zögern der angestrebte offene Diskurs. Ein Demonstrant äußerte seine Sorge darüber, wie leicht es für Politiker sei, die Grundrechte so massiv einzuschränken. Eine Teilnehmerin beschwerte sich aufgebracht über die Berichterstattung der Allgäuer Zeitung zur Demo für die Grundrechte auf dem Hildegardplatz am 25. April.

Der Artikel habe nichts mit Pressefreiheit zu tun. Im Vorfeld habe sie Kontakt mit dem Redakteur gehabt, dabei habe er sie informiert, dass der Tenor des Artikels bereits vor der Veranstaltung abgesprochen worden sei.

Als beruhigender Schlichter trat zweimal Stadtrat Josef Natterer-Babych auf. So einfach sei es nicht, die Grundrechte auszuhebeln. Man sei ja schließlich heute Abend versammelt. Niemand habe gewusst, was wirklich auf uns zukomme. Er unterstützte die Pflicht zum Mund- und Nasenschutz und bat die Demonstranten, umsichtig zu sein und der aktuellen Situation Zeit zu lassen, damit wir gut aus der Krise herauskommen.

Auch nahm er die Journalisten in Schutz, für die es nicht einfach sei, immer alles hundertprozentig richtig darzustellen. Wichtige Worte kamen zum Abschluss von einer Hebamme. Der Shutdown durch das Corona-Virus habe uns eine Pause und Zeit zum Nachdenken darüber gegeben, was in unserer Lebensführung nicht mehr stimmt. „Wenn wir das für den Schutz von Klima und Umwelt und damit von unseren Enkeln aus der Krise mitnehmen, dann hat die Pandemie auch etwas Positives.“

Annette Mayr

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