"Unser Hospiz ist fertig"

Das neue Gebäude des Allgäu-Hospiz bietet einen würdevollen Rahmen für den letzten Weg

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Eine symbolische Schlüsselübergabe mit Mehrwert: (v.l.) Architekt Stefan Walter, Hospiz-Geschäftsführer Alexander Schwägerl, Sozialbau-Chef Herbert Singer und Hospizvereinsvorsitzender Josef Mayr.

Kempten – „Unser Hospiz ist fertig“, freute sich 3. Bürgermeister Josef Mayr, Vorsitzender des Hospizvereins Kempten-Oberallgäu, bei dessen feierlicher Eröffnungsfeier vergangenen Donnerstagabend im Stadttheater über den „sehr bewegenden Anlass“. Unermüdlich hatte Mayr für dieses Ziel Sponsoren gewonnen und Spenden generiert, wofür er von allen Seiten mehr als großen Respekt erhielt.

So wie Prof. Dr. Volker Hiemeyer, Geschäftsführer Allgäu Hospiz, dessen Einsatz seit 2003 das stationäre Hospiz ermöglicht hatte, „viele Menschen für dieses Thema sensibilisiert“ und in seinem Amt als Vorsitzender des Hospizvereins „viele Impulse gesetzt hat“, habe Mayr im festen Glauben hier einer guten Sache zu dienen, „unendliche Mühen“ auf sich genommen, richtete OB Thomas Kiechle seinen „besonderen Dank“ an beide Akteure. Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, sah es in seinem Grußwort als seinen „vielleicht größten Beitrag“ zum Bau des neuen Allgäu Hospizes an, „Josef Mayr überredet zu haben, „den Vorsitz zu übernehmen“, was nicht lange gedauert habe, wie er schmunzelnd anmerkte. Als einen zentralen Punkt der Hospizeinrichtung nannte Müller: „Das Sterben verliert seinen Schrecken.“ 

Über 3500 Spender

Bereits 2011 sei klar gewesen, dass das Hospiz mit damals acht Gästezimmern (respektive Patienten-) zu klein sei, rief Mayr den Ablauf nochmals in Erinnerung. Da für die ursprünglich geplante Erweiterung des Bestandsgebäudes „die Hürden immer höher“ geworden seien, habe man sich für einen Neubau entschieden – aber wo und wie finanzieren? Erste Kalkulationen hätten ergeben, „dass der Verein vier Millionen Euro beisteuern muss“, laut Mayr eine Summe, wie sie noch nie zuvor von einem ehrenamtlichen Verein dieser Größe gestemmt worden sei. Aber getreu dem Motto, „wen Gott auf steinige Wege schickt, denen gibt er auch ein kräftiges Schuhwerk“, habe man das Projekt angepackt. 

Als „Initialzündung“ habe der damalige OB Ulrich Netzer ein großes Fest veranstaltet, das gleich viel Geld gebracht habe und viele Pfarrgemeinden, Service-Clubs, Banken u.v.m. „folgten seinem Beispiel“. Nach vier Jahren sei man zwar bei drei Millionen Euro angekommen, „aber langsam ging den Spendern die Geduld aus“, erinnerte sich Mayr – „sie wollten Bagger rollen sehen.“ Also habe man einfach mit dem Bau begonnen und die restlichen Millionen währenddessen gesammelt. Insgesamt seien mittlerweile 4,2 Millionen Euro zusammengekommen, von über 3500 Spendern, wobei die ganz kleinen Beträge ebenso lieb gewesen seien wie die großen, wie er versicherte. 

Tag des offenen Allgäu-Hospiz: Einblick für die Öffentlichkeit

Am Wochenende hatte das Allgäu-Hospiz seine Pforten geöffnet. Interessierte konnten durch die neuen Räume zum Leben und Sterben hindurchwandeln und Eindrücke sammeln. © Spielberg
Am Wochenende hatte das Allgäu-Hospiz seine Pforten geöffnet. Interessierte konnten durch die neuen Räume zum Leben und Sterben hindurchwandeln und Eindrücke sammeln. © Spielberg
Am Wochenende hatte das Allgäu-Hospiz seine Pforten geöffnet. Interessierte konnten durch die neuen Räume zum Leben und Sterben hindurchwandeln und Eindrücke sammeln. © Spielberg
Am Wochenende hatte das Allgäu-Hospiz seine Pforten geöffnet. Interessierte konnten durch die neuen Räume zum Leben und Sterben hindurchwandeln und Eindrücke sammeln. © Spielberg
Am Wochenende hatte das Allgäu-Hospiz seine Pforten geöffnet. Interessierte konnten durch die neuen Räume zum Leben und Sterben hindurchwandeln und Eindrücke sammeln. © Spielberg
Am Wochenende hatte das Allgäu-Hospiz seine Pforten geöffnet. Interessierte konnten durch die neuen Räume zum Leben und Sterben hindurchwandeln und Eindrücke sammeln. © Spielberg
Am Wochenende hatte das Allgäu-Hospiz seine Pforten geöffnet. Interessierte konnten durch die neuen Räume zum Leben und Sterben hindurchwandeln und Eindrücke sammeln. © Spielberg
Am Wochenende hatte das Allgäu-Hospiz seine Pforten geöffnet. Interessierte konnten durch die neuen Räume zum Leben und Sterben hindurchwandeln und Eindrücke sammeln. © Spielberg
Am Wochenende hatte das Allgäu-Hospiz seine Pforten geöffnet. Interessierte konnten durch die neuen Räume zum Leben und Sterben hindurchwandeln und Eindrücke sammeln. © Spielberg
Am Wochenende hatte das Allgäu-Hospiz seine Pforten geöffnet. Interessierte konnten durch die neuen Räume zum Leben und Sterben hindurchwandeln und Eindrücke sammeln. © Spielberg
Am Wochenende hatte das Allgäu-Hospiz seine Pforten geöffnet. Interessierte konnten durch die neuen Räume zum Leben und Sterben hindurchwandeln und Eindrücke sammeln. © Spielberg
Am Wochenende hatte das Allgäu-Hospiz seine Pforten geöffnet. Interessierte konnten durch die neuen Räume zum Leben und Sterben hindurchwandeln und Eindrücke sammeln. © Spielberg
Am Wochenende hatte das Allgäu-Hospiz seine Pforten geöffnet. Interessierte konnten durch die neuen Räume zum Leben und Sterben hindurchwandeln und Eindrücke sammeln. © Spielberg
Am Wochenende hatte das Allgäu-Hospiz seine Pforten geöffnet. Interessierte konnten durch die neuen Räume zum Leben und Sterben hindurchwandeln und Eindrücke sammeln. © Spielberg
Am Wochenende hatte das Allgäu-Hospiz seine Pforten geöffnet. Interessierte konnten durch die neuen Räume zum Leben und Sterben hindurchwandeln und Eindrücke sammeln. © Spielberg
Am Wochenende hatte das Allgäu-Hospiz seine Pforten geöffnet. Interessierte konnten durch die neuen Räume zum Leben und Sterben hindurchwandeln und Eindrücke sammeln. © Spielberg
Am Wochenende hatte das Allgäu-Hospiz seine Pforten geöffnet. Interessierte konnten durch die neuen Räume zum Leben und Sterben hindurchwandeln und Eindrücke sammeln. © Spielberg
Am Wochenende hatte das Allgäu-Hospiz seine Pforten geöffnet. Interessierte konnten durch die neuen Räume zum Leben und Sterben hindurchwandeln und Eindrücke sammeln. © Spielberg
Am Wochenende hatte das Allgäu-Hospiz seine Pforten geöffnet. Interessierte konnten durch die neuen Räume zum Leben und Sterben hindurchwandeln und Eindrücke sammeln. © Spielberg
Endlich geschafft! Auch durch den Spendenkauf vieler dieser kleinen Hospizbausteine konnte vergangene Woche das Allgäu-Hospiz neu eröffnet werden. © Spielberg
Am Wochenende hatte das Allgäu-Hospiz seine Pforten geöffnet. Interessierte konnten durch die neuen Räume zum Leben und Sterben hindurchwandeln und Eindrücke sammeln. © Spielberg
Am Wochenende hatte das Allgäu-Hospiz seine Pforten geöffnet. Interessierte konnten durch die neuen Räume zum Leben und Sterben hindurchwandeln und Eindrücke sammeln. © Spielberg

„Die Zweifler haben eines erreicht“, freute er sich im Nachhinein: Denn sie hätten „die letzten Reserven mobilisiert“. Und „so wie wir wachsen“ werden laut Mayr auch die derzeit 125 ausgebildeten, ehrenamtlichen Hospizbegleiter aufgestockt werden müssen, was ihm keine Sorgen bereitete, denn die Ausbildungskurse seien immer gut besucht. 

„Ich habe ein Gefühl von Happy End, bevor der Vorhang gefallen ist“, eröffnete Moderator Markus Raffler die Gesprächsrunde mit Regionalbischof des Kirchenkreises Augsburg und Schwaben Axel Pieper, dem Augsburger Domkapitular Armin Zürn, Hospizleiterin Susanne Hofmann, der stellvertretende Bezirkstagspräsident Schwaben Alfons Weber – er habe sich intensiv für eine hohe Förderung durch den Bezirk eingesetzt – sowie Hans Bauer, der vom „würdevollen Abschied“ berichtete, den er mit seiner vor wenigen Monaten im Hospiz verstorbenen Partnerin (mit)erlebt hatte. 

Einig waren sich die Diskutanten darüber, dass eine Einrichtung wie das Hospiz in unserer Gesellschaft unverzichtbar sei, u.a. deshalb, weil es viel Angst vor dem Tod gebe, die durch Verdrängung noch verschlimmert werde. Deshalb bleibe Öffentlichkeitsarbeit ein Dauerthema, auch um das Thema zu enttabuisieren. 

Hervorgehoben wurde zudem die hohe Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements in der Hospizarbeit, da diese sonst gar nicht bezahlbar wäre. Sozialbau-Chef Herbert Singer freute sich besonders über den heute nicht selbstverständlichen Umstand, dass sowohl Baukosten als auch Zeitplan „eingehalten wurden“. Aber auch, dass es gelungen sei, „heimelige Wohnzimmer“ zu schaffen, „denen man die Pflegeeinrichtung nicht ansieht“. Damit unterstrich er den Anspruch von Stefan Walter, Architekt f64, den „’Gästen’ einen würdevollen Rahmen zu schaffen“. Aber bevor die Steine aufeinander gesetzt werden konnten, „mussten viele Steine aus dem Weg geräumt werden“, blieb Alexander Schwägerl, Geschäftsführer AllgäuHospiz, am Ende nur noch allen seinen Dank auszusprechen und den Festakt mit einem weiteren Ohrenschmaus von „Wellblech“ ausklingen zu lassen.

Untertags hatten die neuen Räume bereits kirchlichen Segen erhalten. 

Am Wochenende konnte sich die Öffentlichkeit beim Tag der offenen Tür umsehen.

Christine Tröger

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