"Wehr DICH, aber richtig!"

Selbstverteidigung für Seniorinnen und Senioren

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Ziehen mehrere kleine Personen an einem Strick, kommt auch ein Hüne ins Wanken – Zivilcourage zeigen, kann auch heißen, gezielt andere Menschen zur Hilfeleistung aufzufordern.

Kempten – „Was wir hier machen ist kein Spiel, sondern eine Übung“, gab Anton Klotz, der Gewaltschutztrainer und Karatemeister zu bedenken.

Das war den 25 älteren Frauen und fünf älteren Männern, die sich zu diesem Kurs im Altstadthaus angemeldet haben, sehr wohl bewusst. Alle waren hoch engagiert bei der Sache, nahmen die Informationen konzentriert auf, diskutierten lebhaft und ließen sich gern auf die Übungen ein, die der Dozent vorgab.

Klotz verstand es bestens, die Kursinhalte zielgruppengerecht und stets respektvoll zu vermitteln. Der ganze lange Nachmittag war vollgepackt mit wertvollen Tipps und grundsätzlichen Überlegungen, z.B. zum Thema Zivilcourage: Grundsätzlich eine gute Sache, die manchmal auch gefährlich sein kann. Direkt in eine Schlägerei einzugreifen, sollten sich nur durchtrainierte und mit den entsprechenden Kampftechniken vertraute Personen zumuten. Für alle anderen, besonders aber für ältere Menschen gilt: Nie alleine in die Nähe der Straßenkampfszene gehen! Ihre Aufgabe ist es, gezielt drei Leute anzusprechen („Sie mit der roten Jacke!“) und eine vierte aufzufordern, einen Notruf abzusetzen, also Öffentlichkeit herzustellen. Dann soll die Gruppe gemeinsam laut schreiend auf die oder den Angreifer zu rennen. „Gemeinsam sind wir stark“, diesen einfachen Grundsatz demonstrierte auch die Übung mit dem Seil. Zu dritt gelang es den Frauen durchaus, den großen starken Mann ins Wanken zu bringen.

Generell spielt im Alter die Prävention die wichtigste Rolle. Sicheres Auftreten schützt davor, Opfer zu werden. So vermittle ein aufrechter Gang bereits eine Ausstrahlung, die über 90 Prozent der Konfliktpunkte reguliere.

Ein einfaches Vier-Stufen-Programm ist, wie Klotz aus Erfahrung weiß, in vielen Gefahrensituationen hoch wirksam. Wenn einem jemand zu nahe kommt, also die persönliche Aura verletzt, spürt man die Gefahr. Dann gelte es „Halt“ zu sagen und zwar mit lauter Stimme und im zweiten Schritt eine abwehrende Geste mit der offenen Hand in Kopfhöhe zu machen. Tritt die andere Person nicht zurück, ist ein kräftiges Rütteln an der Schulter der dritte Schritt. Nun muss man auf einen Schlag gefasst sein, weiter die Hände als Schutzschilder oben lassen, den Schlag aufnehmen, zur Seite rausgehen und den Angreifer von hinten wegschieben.

Diese und weitere Übungen prägten sich ein, am stärksten jedoch der laut und entschieden hervorgestoßene Kernsatz „Lassen Sie mich in Ruhe!“

Im Laufe der Gesprächs- und Fragerunde wurde klar, dass es in bedrohlichen Situationen kein Patenzrezept für die richtige Reaktion gibt und dass es oft auf die eigene Stimmungslage und das eigene Bauchgefühl ankommt.

Reichlich Stoff zum Nachdenken und gute Anregungen gab Klotz den Teilnehmenden mit auf den Weg, Sätze, die im Kopf bleiben. Hier eine Auswahl:

„Muss ich wirklich bei Dunkelheit zum Geldautomaten gehen?“

„Ist es klug, im Urlaub mit Reichtum zu protzen, teure Kameras und kostbaren Schmuck herumzutragen?“

„Schulen Sie Ihre Aufmerksamkeit, um Gefahren rechtzeitig wahrzunehmen!“

„Direkter Blickkontakt wird im arabischen Kulturkreis als Provokation empfunden.“

„In Konfliktsituationen laut sein, präsent sein, aufrecht gehen, sich Gesichter merken.“

„Wird eine Waffe gezogen, geben Sie dem Angreifer alles was er will.“

„Lassen Sie Beschimpfungen an sich abprallen, nicht darauf reagieren!“

„Ich wünsche Ihnen eine stressfreie und gewaltfreie Zeit“, Klotz‘ Abschlussworte nach dreieinhalb intensiven Stunden konnten passender nicht sein.

Seriöse, ausführliche Infos zu „Wehr DICH, aber richtig!“ gibt es auch im Internet unter www.karateverein-laupheim.de

Elisabeth Brock

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