Wann wird getestet?

Unsicherheit um Covid-19 Tests: Dr. Matthias Sauter vom Klinikum Kempten klärt auf

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Kempten/Landkreis – Derzeit herrschen Unsicherheiten und Verwirrungen bezüglich den COVID-19 Tests. Was wird gestestet? Wann werden sie überhaupt vorgenommen?

Um einige dieser Unsicherheiten zu beseitigen, hat der Kreisbote bei Dr. Matthias Sauter, Ärztlicher Leiter der Abteilung Hygiene und Infektiologie im Klinikum Kempten, nachgefragt. Zu unseren Fragen hat er uns folgende Auskünfte gegeben:


1. Wer wird getestet? Was ist das Procedere im stationären und im ambulanten Bereich? Welche Vorgaben gibt es?

SauterWir richten uns nach den Empfehlungen des RKI zur Testdurchführung. Hier werden 4 Testindikationen formuliert:

• Akute Symptome einer Atemwegsinfektion und Kontakt zu einem bestätigen Fall bis max. 14 Tage vor Krankheitsbeginn.

• Hinweise für eine durch Viren hervorgerufene Lungenentzündung und Zusammenhang mit einer Häufung von derartigen Erkrankungen in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern.

• Hinweise für eine durch Viren hervorgerufene Lungenentzündung ohne andere plausible Erklärung.

• Akute Symptome einer Atemwegsinfektion bei Menschen, die entweder ein Risiko für einen schweren Verlauf haben (dazu zählen wir alle im Krankenhaus stationär aufzunehmenden Patienten) oder die in Pflegeeinrichtungen, Arztpraxen oder Krankenhäuser tätig sind.

Am häufigsten testen wir derzeit aus dem letztgenannten Grund; für die beiden erstgenannten Punkte gilt eine gesetzliche Melde- und Abklärungspflicht. Hier würden wir eine Diagnostik durchführen, auch wenn wir den Patienten ambulanten Testungen über die bekannten Strukturen der KVB bzw. des Gesundheitsamts statt.

2. Wie valide sind die PCR-Tests?

Sauter: Grundsätzlich handelt es sich bei PCR-Tests um sehr empfindliche Tests. Allerdings gibt es auch hier Fallstricke: Nachgewiesen werden ja Bruchstücke der Viren-Erbsubstanz, die nicht direkt Auskunft darüber geben, ob es sich um (noch) ansteckungsfähige Viren handelt. Darüber hinaus können in Situationen einer bereits eingetretenen Lungenentzündung aus dem Abstrich der oberen Atemwege unter Umständen keine Viren mehr nachgewiesen werden. In diesen Fällen wird eine Untersuchung von Sekreten aus den tiefen Atemwegen (Bronchien) empfohlen, die wir dann auch durchführen. Insgesamt gilt für diesen wie für alle anderen Tests: Das Gesamtbild muß stimmen; sich immer auf einen negativen Test zu verlassen, kann in die Irre führen.

3. Schlägt dieser Test nur an, wenn es sich um COVID-19-Viren handelt?

Sauter: Das hängt vom verwendeten Testsystem ab. Es gibt durchaus Screeningtests, die Kreuzreaktivitäten mit anderen Coronaviren aufweisen können.

4. Wie viele Influenza Patienten haben wir derzeit in den Kliniken?

Sauter: Derzeit befinden sich in den Häusern des „alten“ Klinikverbundes noch 2 Patienten mit nachgewiesener Influenza stationär. Erfreulicherweise zeichnet sich das Ende der diesjährigen Grippewelle ab. Im KV alt haben wir seit Jahresbeginn 167 Patienten mit Influenza (davon 25 im Monat März) versorgt. Im Moment gibt es in Mindelheim keinen Influenzapatienten. Von Januar bis März wurden in Mindelheim 17 positiv getestete Influenzapatienten behandelt. Im Moment gibt es in Ottobeuren 1 Influenzapatientin. Von Januar bis März waren 22 Patienten mit Influenza im Haus.

Aktuelle Zahlen zu Patienten mit Corona-Infektionen im Klinikverbund finden Sie hier.

kb


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