Bis zu 250 Flüchtlinge sollen dieses Wochenende zur Erstaufnahme im "Klecks" unterkommen

Kempten ist gut vorbereitet

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Das „Klecks“ ist bereit für die Ankunft von bis zu 250 Flüchtlingen zur Erstaufnahme dieses Wochenende.

Kempten – Vergangenen Montagabend wurde Claudia Faust, Leiterin des Amtes für Soziale Leistungen und Hilfen, von der Regierung von Schwaben darüber informiert, dass dieses Wochenende bis zu 250 Flüchtlinge zur Erstaufnahme in Kempten eintreffen würden.

„Regulär wäre Kempten zwar erst am 5. September dran gewesen“, wie sie gegenüber dem Kreisboten meinte. Aber dieses Wochenende müsse Schwaben so viele aufnehmen, dass Aichach-Friedberg, das jetzt regulär an der Reihe sei, „das allein nicht mehr stemmen kann“ und Kempten „den Überlauf“ abnehmen müsse.

Für Faust bedeutete das, den Notfallplan – Unterbringung von 200 Personen im Gebäude des ehemaligen „Klecks“ – vorzeitig zu aktivieren und „ein bisschen aufzustocken“. Unter anderem mussten die bis vor wenigen Tagen dort untergebrachten, „offiziell dezentral zugewiesenen“ 40 syrischen Flüchtlinge umquartiert werden. Sie hätten „WGs“ gebildet und seien in Wohnungen umgezogen.

Um wie viele Personen es sich bei den nun unplanmäßig aufzunehmenden Flüchtlingen genau handelt, wie viele Kranke, wie viele Familien oder Einzelpersonen darunter sind, ist ebenso offen wie der genaue Zeitpunkt ihrer Ankunft. Immerhin einen Vorteil gegenüber dezentral zugewiesenen Asylsuchenden gibt es: statt eigenständig irgendwann mit der Bahn, kommen die Flüchtlinge zur Erstaufnahme „grüppchenweise“ in Bussen. Wie Faust erklärte, werden sie direkt nach ihrer Ankunft im „Klecks“ durch ein von der Regierung von Schwaben abgestelltes Team registriert und dann im „Erst-Screening“ durch Dr. Ludwig Walters vom Gesundheitsamt Oberallgäu vor Ort auch ärztlich untersucht. Bis zur weiteren Verteilung der Flüchtlinge sind drei bis sieben Tage veranschlagt, „aber es können auch mehr werden“, weiß Faust um die Unwägbarkeiten in der Flüchtlingsthematik. Aber das ist beim Rundgang durch die schon weitgehend bezugsfertigen Räume vergangenen Mittwochmittag noch Zukunftsmusik. In vielerlei Hinsicht bieten das ehemalige Wirtshaus und die beiden Obergeschosse, in denen der lokale Radiosender vormals residierte, mehr Aufenthaltsqualität als andernorts genutzte Turnhallen. Hier gibt es neben den großen, ehemaligen Gasträumen auch die mit nur sieben bis zehn Betten bestückten Tonstudios. Auch an einen gegebenenfalls notwendigen, separierten Quarantänebereich sowie einen Bereich für sonstige Kranke ist gedacht. Die bereits vorhandenen sanitären Einrichtungen wurden mit zehn neuen Duschkabinen aufgestockt. Der noch möblierte Empfangsbereich des Radiosenders ist für Faust der ideale Standort für den Sicherheitsdienst. Das ehemalige Büro wird Registrierungsstelle und die noch eingerichtete ehemalige Küche mit Kantine vom Gesundheitsamt bezogen.

Matratzen in größeren Mengen seien derzeit nicht zu bekommen, zeigt Faust sich froh über den Einsatz der Johanniter. „Sie haben 200 Feldbetten aus Nürnberg kommen lassen.“ Da aber bis zu 250 Flüchtlinge kommen, können wurden für den „Notfall-im-Notfall“ auch „Bunkerbetten“ aus dem Bunker unter der Zulassungsstelle beim Hauptbahnhof aufgestellt – metallene Stockbetten mit LKW-Planen als Liegeflächen. „Das gefällt mir nicht“, hofft Faust, darauf nicht zurückgreifen zu müssen. Auf jedem der Betten liegt bereits ein Päckchen mit dünnem Einweg-Bettzeug, das, wie Faust einräumt, nur jetzt im Sommer eine Lösung ist. Die Verpflegung soll in Zusammenarbeit mit den Johannitern und dem Caterer MSA – auch zuständig für das Klinikum – erfolgen. Immer wieder notiert Faust neue Details, die noch bedacht oder optimiert werden sollen, bevor die Planung dieses Wochenende ihre Feuertaufe zu bestehen hat.

Derzeit „keine Zwischenstandsmeldung“ hat Faust bezüglich der noch immer im Umbau befindlichen, dennoch mit rund 75 Personen belegten Unterbringung in der Maler-Lochbihler-Straße. Und das ehemalig BKH-Gebäude? Das sei nach ihren Informationen „baulicherseits zwar ab September belegbar“, aber wie der Stand bei Ausstattung und Personal sei, wisse sie nicht. Da es sich bei den dort zurückgelassenen Betten nicht um normale, sondern um Krankenhausbetten gehandelt habe, hätten diese für die Flüchtlingsunterbringung nicht verwendet werden können, erklärte sie auf Nachfrage. Beide Gemeinschaftsunterkünfte liegen in der Zuständigkeit der Regierung von Schwaben.

Christine Tröger

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