Untergeschobene Verträge

Andreas Winkler, Leiter der Verbraucherzentrale Beratungsstelle Kempten. Foto: Tröger

Ungebetene Anrufe, aus der Luft gegriffene Forderungen angeblicher Inkassobüros und untergeschobene Verträge dominierten 2011 die Arbeit von Andreas Winkler, Leiter der Verbraucherzentrale Kempten. Abgesehen davon, dass schon die unlauteren Anrufe selbst zu beanstanden seien, würden sie für „Datenhandel, -missbrauch und um eigene Geschäfte zu machen“ benutzt, erklärte er. Die Firmen dahinter seien „relativ dreist unterwegs“ und würden sich sogar schon mal als „Verbraucherzentrale, Polizei oder ein Amt“ ausgeben.

Bei den meisten dieser Anrufe gehe es um Umstellungen von Telekommunikation oder Gewinnspiele, wobei immer der „Überraschungsmoment genutzt“ werde. Auch wenn die unlauteren Anrufe unter „hoher Strafe“ stünden, sei „die Rechtsprechung schwierig oder unmöglich“. Wille der Industrie? Bei unberechtigten Zahlungsaufforderung rät Winkler den Betroffenen von ihrem Widerspruchsrecht Gebrauch zu machen. Das gelte auch für die zunehmenden, willkürlich gestellten Rechnungen von unseriösen Inkassofirmen, die in der Regel „gar nicht registriert sind“ und damit kein Recht hätten, Forderungen zu stellen. Während seines Erachtens die Telefonwerbung – betroffen seien vor allem die ab 40-Jähigen – mit daraus folgenden Verträgen im vergangenen Jahr zugenommen habe, seien die Anfragen in der Verbraucherzentrale zum „Massenproblem“ Internet-Fallen eher zurückgegangen. Unter den im vergangenen Jahr insgesamt 6233 Kontakten zu allen möglichen Themenbereichen verzeichnete Winkler auch eine in Kempten „momentan stark verbreitete“ Masche: eine SMS auf dem Handy zeigt den Eingang einer MMS an. „Der Verbraucher wird verleitet die MMS anzuschauen“ und erhalte dann prompt eine Zahlungsaufforderung, „weil er eine Mitgliedschaft eingegangen“ sei. Insgesamt „zieht sich die Komplexität inzwischen in alle Bereiche“, hegte Winkler die Vermutung, dass „die Industrie das auch so will“. Mit einer noch bis zum 16. September laufenden Aktion will die bayerische Verbraucherzentrale den Betrügern am telefon jedenfalls endgültig Einhalt gebieten. Davon Betroffene sind deshalb dazu aufgerufen, ihre eigenen Erfahrungen in einem Fragebogen mitzuteilen, der in den Geschäftsstellen ausliegt oder im Internet unter der Adresse www.verbraucherzentrale-bayern.de aufgerufen werden kann.

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