Unterhaltsamer Streifzug

Einen stattlichen Grund zum Feiern hat die Gemeinde Sulzberg mit Moosbach in diesem Jahr. Wurden doch „Sulceberch“ und Mosebach“ anno 1059 n. Chr. in einer Urkunde des noch kindlichen, späteren Kaisers Heinrich IV. erstmals erwähnt. Zum Auftakt der über das ganze Jahr verteilten Veranstaltungen zum 950-jährigen Bestehen ließ die lokale Theatergruppe vergangenen Freitag den historischen Werdegang der beiden Jubilare im proppenvollen Saal des Gasthof Hirsch in Sulzberg Revue passieren.

Zwar fand nur Einlass, wer eine Eintrittskarte in Händen hielt. Aber die wurden dafür vorab kostenlos im Sulzberger Rathaus ausgegeben. Mit einer humorigen Ansprache in Versform und in mittelalterlichem Gewand wurden die Gäste von Bürgermeister Thomas Hartmann zum Festakt mit Stehempfang und Schnittchen begrüßt. Auch der Oberallgäuer Landrat Gebhard Kaiser (CSU) hatte es sich nicht nehmen lassen, sich lobend über die „frisch und jung gebliebene Gemeinde“ zu äußern, die sich immer weiter entwickelt habe, viele „intakte Vereine“ habe und eine „rege Kultur“ pflege. Da der Schirmherr, CSU-Staatssekretär Dr. Gerd Müller, wegen der „Grünen Woche“ in Berlin sein musste, wurde sein Grußwort kurzerhand als Videobotschaft eingespielt. Begleitet von der Musikkapelle Ottacker unter Leitung von Manfred Briechle erweckte die engagierte Theatergruppe zehn historische Meilensteine zum Leben. Für das nötige Hintergrundwissen sorgten kleine Zwischenspiele, die auf die jeweiligen Ereignisse hinführten. Erfrischendes Spiel So hatten Rainer Wagner und Inge Sommer als Großeltern immer wieder allerhand Fragen ihrer wissbegierigen Enkelin, gespielt von Melissa Schmid, zu beantworten, bevor sich der Vorhang für die nächste Episode lüftete. Erfrischend das ungekünstelte, natürliche Spiel der Darsteller, wodurch eine heiter-lebendige Atmosphäre entstand. Auch für durchaus aktuelle Spitzen und Anspielungen hatte der für die Textfassung verantwortliche Oskar Krug gesorgt. Die historischen Eckpfeiler begannen natürlich mit der Unterschrift des erst neunjährigen Königs Heinrich IV. auf besagter Urkunde im Jahr 1059. Viel Wissenswertes Darüber hinaus erfuhr das Publikum allerlei über den Bau der Sulzberger Burg, den Raub der Pulverfässer aus dem Schloss Sulzberg im Bauernkrieg 1525, die Aufgabe des Schlosses im Jahr 1648, das Markttreiben im Ort nachdem Martinszell das Marktrecht an Sulzberg verloren hatte, oder darüber, wie erste Bande zwischen Chailland und Sulzberg nach dem Gefecht bei Nägelried 1796 geknüpft wurden. Auch „piekfein“ wurde es auf der Bühne beim illustren Kurbetrieb im Jodbad um 1895, gefolgt vom „Weihwassermarsch“, mit dem der Sulzberger Pfarrer Wiedemann um 1900 seine Messe ausklingen ließ. Nicht ausgespart wurde der Versuch des Ortsbauernführers, sein Hakenkreuz zum Kriegsende 1945 loszuwerden. Und schließlich wurde der Bogen vom heutigen Sulzberg mit dem Heinrichsweg zu den historischen Wurzeln geschlagen. Mit großer Spielfreude hat die Theatergruppe 950 Jahre die heimische Geschichte präsentiert und mit dem durchweg amüsanten Abend den Startschuss für ein interessantes Jubiläumsprogramm gegeben.

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