Die Flüchtlinge können kommen

Kempten ist bereit

Kempten – „Die Zahl der Asylbewerber steigt“, und wie Benedikt Mayer, Referent für Jugend, Schule und Soziales, vor dem Stadtrat vortrug, müssen diese so lange untergebracht werden, bis in Kempten wieder eine Gemeinschaftsunterkunft entsteht. Denn die dezentrale Unterbringung soll „Ausnahme sein“.

Wie viele Flüchtlinge wann kommen, ist allerdings offen. Fest steht, dass laut Verteilungsschlüssel von 10.000 Asylbewerbern, die nach Bayern kommen, knapp 60 in Kempten untergebracht werden müssen. Für die bis Jahresende voraussichtlich erforderlichen 345 Plätze seien entsprechend Kapazitäten vorhanden. Zu den derzeit 193 Personen wird bis zum Jahresende von weiteren 152 Personen ausgegangen, die untergebracht werden müssen. Wie berichtet stehen dafür 60 Plätze in einer Gemeinschaftsunterkunft in der Dornstraße bereit, 58 Plätze in der ehemaligen Schule in der Duracher Straße, 16 Jugendwohnplätze in der Lotterbergstraße und 16 Plätze für Jugendliche in der Jugend-Wohngruppe Ohnesorg in der Tilsiterstraße. „Die Zahlen können sich tagesaktuell ändern“, wies Mayer auf die Unzuverlässigkeit von Prognosen in Bezug auf die Zahl von Ankömmlingen hin. Dennoch müsse in vielerlei Richtungen auch spontan reagiert werden, zum Beispiel bei der individuelleren Hilfe für Hochschwangere oder der raschen Integration von schulpflichtigen Kindern sowie solchen im Kindergartenalter. Deshalb sei man in engem Kontakt mit den relevanten Organisationen. Ein Problem seien, so Mayer, die minderjährigen Jugendlichen ohne Begleitung. Rund 20 seien in Kempten bislang aufgegriffen worden, weitere rund 70 sollen über die Verteilungsstelle noch kommen – „deshalb die Jugendeinrichtungen“, die natürlich pädagogisch begleitet würden.

Deutliches Missfallen äußerte Integrationsbeauftragter Siegfried Oberdörfer, dass in der Tageszeitung „mit anonymer Befragung etwas dargestellt wurde“, was die breite Bevölkerung nicht spiegelt. Es passe auch nicht damit zusammen, dass andererseits der Abdruck anonymer Leserbriefe generell abgelehnt werde. Den häufig gehörten Vorwurf, die Verantwortlichen hätten zu spät auf die vorhersehbare Flüchtlingswelle reagiert, wollte er so nicht stehen lassen. Niemand habe im Vorfeld wissen können „kommen fünf oder 100“ und niemand hätte am Ende Verständnis dafür gehabt, wenn im Vorfeld Dinge vorbereitet worden wären, die dann niemand gebraucht hätte. Er erlebe eine „große Bereitschaft in der Bevölkerung zu Helfen“, sei es mit Sachspenden oder als Ehrenamtlicher, was „gut koordiniert“ werden müsse, um „die gute Arbeit der Verwaltung“ zu unterstützen.

Auf Anregung der SPD-Fraktion wurde am Schluss eine Erklärung verlesen, der sich der Stadtrat einstimmig, auch im Namen der Kirchen und der freien Wohlfahrtsverbände, anschloss. Die Erklärung „Kempten pflegt und braucht eine Willkommenskultur für Flüchtlinge“ ist in voller Länge auf der Internetseite der Stadt Kempten unter www.kempten.de zu finden.

Christine Tröger

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