Unterschiedliche Empfindungen

Wie unterschiedlich die Menschen „Stadt“ empfinden, was ihnen darin markant oder vordergründig und wichtig erscheint, was sie damit verbinden oder auch verbindet – das wird derzeit im Kunstkabinett sichtbar. In der diesjährigen Themenausstellung „Die Stadt“ nehmen sich die vorwiegend in der Region ansässigen Künstler in abstrakter bis gegenständlicher Maltechnik, in Zeichnungen, Radierungen, Lithographien, Kupferstichen, Objekten, Fotoarbeiten und auch einem Video des vielgesichtigen Konstrukts und seiner Bewohner an.

Dominant bleibt jedoch das ästhetische, idyllische Motiv – vielleicht Ausdruck der Sehnsucht nach einem Mehr davon in Realiter – ,das Waltraut Janzen selbst ihrer „Baustelle“, fein säuberlich mit schwarzem Faden auf silbrigem Stoff gesteppt, noch einzuhauchen vermag. Unter den 58 Werken, über die Hälfte davon eigens für die Ausstellung angefertigt, befinden sich auch zwölf Bilder aus der hauseigenen Sammlung. Darunter eine „Flusslandschaft mit Stadt“ aus dem Frankreich des 17. Jahrhunderts, in der mit kräftigen Federstrichen der Natur mehr Gewicht gegeben wurde als dem skizzenhaft eingebetteten Städtchen. Starke Dynamik kommt in Gudrun Gmelchs Fotoarbeiten „In alle Richtungen“ zum Ausdruck, in denen sie der temporeichen Großstadthektik eine fließende Ästhetik verleiht. Humorvoll präsentiert Wolfgang Steinmeyer seine Spaziergänger an einem durchaus wörtlich zu nehmenden „Regentag – in der Stiftstadt“. Kritisch dagegen setzt sich Otto Jäger in seinem Objekt „Planquadrat“ mit den entpersonalisierten Zielen militärischer Luftangriffe auseinander. Ein eigener Raum ist den Werken der Künstlergruppe „La Cerchia“ aus Trient gewidmet, die mit zusätzlich 14 Arbeiten vertreten ist. Neben typisch italienischen Häusergassen und Plätzen fällt besonders der Chilene Pierluigi Negriolli auf, der sich in „Metropolis“ dem Blick auf das Schöne verweigert. Der Mensch in den Fängen von hässlichen Kabeln und Schläuchen dominiert seinen Blick auf die Segnungen der Zivilisation. Unbedingt sehenswert, lädt das zehnminütige Video „Relational Space“ der Münchner Künstlerin Johanna Gundula Eder ein, in die Rolle des heimlichen Beobachters zu schlüpfen. Gezeigt werden die Reaktionen oder auch Nicht-Reaktionen von Pariser Straßenpassanten auf eine am Boden liegende Topfblume. Ob die meist eilenden Großstadtmenschen gleichgültig darüber hinweg gelaufen sind, sie überhaupt bemerkt oder sich gar ihrer angenommen haben? Noch bis zum 8. November kann „Die Stadt“ im Kunstkabinett entdeckt werden. Die Öffnungszeiten sind donnerstags, freitags und samstags jeweils von 16 bis 18 Uhr sowie an Sonntagen von 11 bis 16 Uhr.

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