Stände in der Innenstadt

"Stop TTIP"

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Der „campact“-Stand am Samstag in der Fußgängerzone.

Kempten – „Stop TTIP“ hieß es vergangenen Samstag an vielen Ecken der Kemptener Innenstadt. Hiesige Aktionsgruppen waren dem Aufruf der selbstorganisierten europäischen Bürgerinitiative (sEBI) – 250 Organisationen aus 22 EU-Mitgliedsstaaten gefolgt und sammelten Unterschriften gegen die umstrittenen Freihandelsabkommen TTIP mit den USA und CETA mit Kanada.

Zwar ist CETA für Kerstin Matthäus von der Kemptener Greenpeace-Gruppe „schon durch“, aber auch „TTIP bringt nichts Gutes“, wie sie meint. Am Stand vor dem Künstlerhaus herrscht reger Publikumsverkehr und man hat den Eindruck, dass es keine große Überredungskunst braucht, um die Menschen zur Unterschrift zu bewegen. Über mangelndes Interesse kann auch Janosch nicht klagen, der mit seinen Mitstreiterinnen Xenia, Steffi und Laura die campact-Gruppe Woringen vertritt. Da in Memmingen „schon ein paar angemeldet waren“, hätten sie in Kempten angefragt, um Aufklärungsarbeit zu leisten. „Das Bewusstsein fehlt noch“, stellt er fest. Viele Menschen „sehen die Gefahr noch nicht“, sieht er noch genug Bedarf zu sensibilisieren. Auch hier zeigen die Menschen quer durch die Altersklassen große Bereitschaft dazu. „Sehr viele sind schon informiert, aber man ist überrascht, dass auch viele noch nie etwas davon gehört haben“, meint Christian Fleschutz vom Bioring Allgäu e.V., der am Schwägelin-Brunnen vor der Galeria mit einem Stand vertreten ist. Dick bestückt mit Infoflyern, unter anderem vom Umweltinstitut München e.V., wird hier vor den „Agrar-Lügen“, den „Fracking-Lügen“, den „Strompreis-Lügen“ und den „Gen-Lügen“ ebenso gewarnt, wie vor „Konzernen auf Kaperfahrt“.

„Wir haben schon unterschrieben“ war ein Satz den Stadtrat Michael Hofer am ödp-Stand öfter gehört habe. Bei Nachfrage habe sich dann aber gezeigt, dass die Unterschrift schon vor Monaten für die als nicht zulässig abgewiesene Petition gewesen sei. Was er als positiv erachtet ist, dass es offensichtlich keine „Parteienangelegenheit“ mehr ist und am ödp-Stand beim Zumsteinhaus auch zwei Studenten sowie Julia Wehner, Geschäftsführerin von „Bund Natur“ Kempten-Oberallgäu, mitgemacht haben. Zwar konnte auch Hofer ein breites Altersspektrum bei den Interessierten feststellen, allerdings mit einem „Loch“ in der mittleren Altersklasse und auch die Schwerpunkte seien je nach Alter unterschiedlich gelagert: „Junge Studierende oder kurz danach interessieren sich im Zusammenhang mit den Freihandelsabkommen verstärkt für die Demokratiedefizite während sich die Generation ab 50 Jahren aufwärts schwerpunktmäßig für das Absenken von Qualitätsstandards und die Folgen für die Ernährung interessiert“, so Hofer. Anders als Matthäus von Greenpeace sieht Hofer CETA noch nicht als verloren, da es, zumindest seines Wissens, „noch nicht ratifiziert ist“.

Christine Tröger

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