Unterführung soll bleiben

"Durchweg positiv"

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Wäre sie in einem besseren Zustand, würde die Unterführung auch häufiger genutzt – glaubt jedenfalls Thomas Wirth.

Kempten – Nach dem heftigen Streit um die Sanierung oder Schließung der Freudenbergpassage zwischen Investor Dennis Rossing und Immobilienmakler Thomas Wirth auf der einen und der Stadtverwaltung auf der anderen Seite von Anfang des Jahres blieb es lange ruhig um die schmuddelige Unterführung.

Jetzt bringt Wirth das Thema wieder auf den Tisch: Passantenbefragungen hätten ergeben, dass viel mehr Menschen die Unterführung nutzen würden, wenn diese denn wie von Wirth und Rossing gefordert auf Vordermann gebracht werden würde.

Der enorme Aufwand, mit dem Investor Dennis Rossing Zentralhaus und Illerkauf – Kemptens „neue Mitte” – saniert hat, scheint sich auszuzahlen. „Insgesamt wird das Angebot der südlichen Bahnhofstraße sehr gut angenommen und kann zu Recht als erfolgreich bezeichnet werden”, heißt es in der „Untersuchung zum Einkaufsverhalten und Meinungsumfrage zur Innenstadt in Kempten”, die dem Kreisboten vorliegt. Gleichzeitig macht sich das Papier für eine Sanierung der Freudenberg-Unterführung stark. Verantwortlich für die Untersuchung ist die Kemptener Wirth Immobilien und Marketing GbR.

Wie aus der Untersuchung hervor geht, haben die Verantwortlichen am 15. Mai (Mittwoch) und 8. Juni (Samstag) jeweils eine Passantenzählung im Bereich der Freudenberg-Unterführung vorgenommen. Darüber hinaus wurden drei Monate lang insgesamt 610 Besucher zu ihrem Einkaufsverhalten befragt. „Die erhaltenen Ergebnisse sind repräsentativ und geben einen möglichst adäquaten Querschnitt durch die Bevölkerung wieder”, heißt es dazu. Dem Papier zufolge waren am Samstag, 8. Juni, rund 33 000 Menschen im Bereich der Freudenberg-Kreuzung unterwegs. Nach Angaben von Thomas Wirth deutlich mehr, als noch 2008 durch die GMA gezählt wurden. Um die 90 Prozent bewegten sich dabei in Nord-Süd-Richtung, während die West-Ost-Passage kaum eine Rolle spielte. Über die Hälfte der Befragten war jünger als 30 Jahre. Ein Viertel der Interviewten gehörte zur kaufkraftstärksten Gruppe der 30- bis 49-Jährigen, während die übrigen Gruppen leicht bis stark unterrepräsentiert waren. Dabei kam etwas mehr als die Hälfte der Befragten aus Kempten und fast 40 Prozent aus dem Umland bzw. Allgäu. „Dieser hohe Anteil an Personen aus Kempten und dem Einzugsgebiet erhöht die Aussagekraft über Themen, die explizit Kempten betreffen”, schreiben die Verfasser der Untersuchung.

Untersucht haben diese auch die jeweilige Aufenthaltsdauer der Befragten. Demzufolge verbringt über die Hälfte etwa ein bis drei Stunden in der Innenstadt, knapp ein Drittel drei bis fünf Stunden, etwa neun Prozent den ganzen Tag. Weitere knapp zehn Prozent verweilen weniger als eine Stunde. „Derartige Ausprägungen sind typisch für einzelshandelslastige Stadtbereiche”, heißt es dazu. Das gelte auch für die Aufenthaltsgründe: Knapp die Hälfte besuchte die Stadt zum Einkaufen, fast 60 Prozent waren zum Bummeln gekommen.

Während „die Bewertung der Einkaufssituation durchweg positiv” ausfalle, gilt für die Parkplatzsituation genau das Gegenteil. So seien nur fünf Prozent der Befragten vollkommen zufrieden, knapp 20 Prozent bewerteten das Angebot mit ausreichend. Übrigens: Über die Hälfte fährt regelmäßig mit dem Auto in die Innenstadt, 37 Prozent gehen zu Fuß, 15 Prozent fahren mit dem Rad und 14 Prozent nutzen den ÖPNV.

Heftiger Disput

Darüber hinaus befragten die Verfasser der Untersuchung die Passanten zur umstrittenen Freudenbergunterführung. Deren Sanierung mit finanzieller Unterstützung der Stadt hatten Wirth und Rossing Anfang des Jahres gefordert und die Verwaltung für den Zustand des Tunnels öffentlich kritisiert. Daraufhin hatte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) damit gedroht, die Passage ganz zu schließen. Eine seinerzeit ebenfalls ins Spiel gebrachte Unterführung für Autos am Freudenberg ist technisch und aus Kostengründen nicht machbar.

Die nun veröffentlichte Untersuchung scheint Rossing und Wirth allerdings zu bestätigen: So gaben 80 Prozent der Befragten an, die Unterführung zu kennen. 55 Prozent sind für einen Erhalt, allerdings nicht im derzeitigen Zustand. Knapp 20 Prozent sprachen sich gegen die Passage aus. „Auffällig bei der Frage nach Wünschen ist, dass ein einladendes Design und Sauberkeit sowie der Zugang zu Toiletten von einem Großteil als wichtig bis sehr wichtig eingestuft wird”, schreiben die Verfasser. So hätten sich fast 94 Prozent für mehr Sauberkeit ausgesprochen. Gewünscht wird darüber hinaus mehr Sicherheit.

Sollte die Freudenberg-Unterführung saniert werden, könnten sich 75 Prozent der Probanden vorstellen, sie auch zu nutzen. Nur sieben Prozent sagen dazu kategorisch „Nein”. Über die Hälfte kann sich darüber hinaus vorstellen, dann die angeschlossenen Geschäfte häufiger zu besuchen. „Man kann also davon ausgehen, dass eine funktionierende Unterführung auch dem angeschlossenen Einzelhandel einen weiteren Impuls geben würde”, heißt es in der Untersuchung. „Derartige Verbesserungsmöglichkeiten für den Einzelhandel sind selten und sollten deswegen genau betrachtet werden”, so die Verfasser weiter.

Matthias Matz

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