"Und wo sollen wir dann parken?"

Deutliche Worte bei Bürgerinformation zum "Neubaugebiet Halde"

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Turbulent ging es zu bei der Fragerunde während der Bürgerinformation zum „Neubaugebiet Halde“. Die ohnehin problematische Parkplatzsituation Auf der Halde werde sich durch das Neubaugebiet zuspitzen, so die Befürchtung vieler Anwohner.

Kempten – Ein wenig verwirrend ist die Kulisse, vor der die Verantwortlichen der Bürgerinformationsveranstaltung „Neubaugebiet Halde“ im Pfarrsaal von St. Michael Platz genommen haben.

Es schaut aus, als ob Oberbürgermeister Thomas Kiechle, Baureferent der Stadt Kempten Tim Koemstedt, Christoph Bochmann vom Planungsbüro ­CVBD und Antje Schlüter vom Stadtplanungsamt aus einer Allgäuer Bauernstube auf die Anwohner der Halde schauen und über den derzeitigen Planungsstand informieren.

„Ich sehe kein Bauerntheater, sondern Schlimmeres“, sagt einer der Anwohner, als er ans Mikrofon tritt, um Luft abzulassen. Dabei hatte der Abend in St. Michael ruhig begonnen. Vor rund 200 Besuchern sprachen Koemstedt und Bochmann sachlich über die Dinge, die mit der Erschließung und Bebauung des zukünftigen Baugebietes „Halde-Nord“ mit rund 321 Wohneinheiten einhergehen werden.

Rund 30 Prozent der Neubauten werden Einfamilienhäuser an den Rändern sein, 43 Prozent verdichtete Einfamilienhäuser und 27 Prozent Geschosswohnungsbau im zentralen Bereich. Anschluss an die benachbarte Infrastruktur soll eine „Sammelstraße“ im Quartier bringen, die an zwei Stellen mit dem in den 1960er-Jahren entstandenen Wohngebiet „Alte Halde“ verzahnt sein wird und an ihrem Ende in den „Dachser Kreisel“ der Memminger Straße einmünden wird.

Um alle notwendigen Informationen zur weiteren Erschließung zu erhalten, hatte sich in jüngster Vergangenheit ein Team des Planungsbüros ­CVBD auf den Weg in das bestehende Wohngebiet Halde gemacht.

Was ist, was muss?

Auf Grundlage einer Bewertung der betroffenen Straßenräume untersuchten die Planer unter anderem die aktuelle Leistungsfähigkeit des Straßennetzes, die Parkplatzsituation Auf der Halde, die Bus-Anbindung und die gefahreren Geschindigkeiten des Individualverkehrs. Basierend auf den Ergebnissen kamen die Planer zu Konzepten, wie dort künftig der Verkehr und die Parkierung ausgestaltet werden sollten. Besonderes Augenmerk legte man seitens der Stadt auf eine verbesserte Leistungsfähigkeit des „Dachser-Kreisels“ (Turbo-Kreisel mit zwei Fahrspuren), einer zeitgemäßen Ausgestaltung der neuen Sammelstraße, auf der gegebenenfalls auch der öffentliche Nahverkehr unterwegs sein wird und der verkehrsberuhigenden Gestaltung der Straße „Auf der Halde“.

Lebhafte Diskussion

Dann sprach „Volkes Stimme“. Die Anwohner wurden aufgefordert, ihre Einwände an aufgestellten Mikrofonen im Saal auszusprechen. „Wir bekommen in unserem alten Wohnquartier Halde eine Verschlechterung zugunsten des neuen Wohnquartiers Halde-Nord“, so lässt sich der Tenor der rund 15 Wortmeldungen zusammenfassen. Einige schossen dabei in ihrer Tonalität über das Ziel hinaus, wenn sie Baurefent Koemstedt und Planer Bochmann als „ahnungslos“ und „inkompetent“ bezeichneten. Ein Anwohner forderte Koemstedt dazu auf, ihn unmittelbar nach der Veranstaltung auf eine Tour durch das Wohngebiet zu begleiten. Bochmannn wurde gedrängt, öffentlich bekannt zu machen, welches Honorar er für seine bisherige Arbeiten in der Stadt in Rechnung stellen werde. „Die bisherigen Maßnahmen haben 100.000 Euro gekostet und die Kosten der Arbeit von Herrn Bochmann belaufen sich in dieser Sache auf 10.000 Euro“, antwortet Antje Schlüter auf die Fragen aus dem Publikum.

Wo parken?

Dabei geht es um einen konkreten „Zankapfel“. Befürchtet wird seitens der Anwohner eine erhebliche Verschlechterung der Parkplatzsituation in ihrem Quartier. Schon jetzt sei Parkraum knapp und im Winter spitze sich bei Schneefall die Lage noch zu. „Warum kommen Sie tagsüber auf die Halde, um die Parkplatzsituation dort zu beurteilen? Kommen Sie lieber am Abend oder im Winter“, sagt eine erregte Anwohnerin an die Adresse des Planers Christoph Bochmann. Eine Hausfrau und Mutter fragt sich, wie sie die Rückkehr vom Einkauf mit Kindern parktechnisch bewältigen soll, da „schon heute kaum Parkmöglichkeiten vor der eigenen Haustür bestehen“. „Machen Sie den Leuten irgendwelche Angebote“, fordert jemand anderes.

Koemstedt erklärt, dass ein Bau einer Quartiersgarage auf dem steilen Gelände der Halde fast nicht möglich sei und hohe Kosten verursache, die auf die Mieter umgelegt werden müssten.

Die turbulente Diskussion im Anschluss an die Informationsveranstaltung zeigte, dass ein weiterer Dialog mit den Anwohnern der Halde nötig war, wobei der Baureferent zu verstehen gab: „Es wird keine neuen Parkflächen im Bereich Halde geben.“ Nachdem ein Anwesender äußerte, dass es schließlich die Stadt sei, die hier bauen wolle, nicht aber die Anwohner, glättete Oberbürgermeister Kiechle in seinem Schlusswort ein wenig die Wogen: „Es gibt keinen goldenen Weg. Seien wir froh, dass Kempten eine anziehende Stadt ist und dass an dieser Stelle auch Wohnraum für Kemptener Familien geschaffen wird.“

Jörg Spielberg

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