Aus geplanten drei Jahren wurden drei Jahrzehnte

»Urgestein« verabschiedet: Markus Heider prägte Kemptens Jugendarbeit 30 Jahre lang

Markus Heider war 30 Jahre lang im Jugendhaus Kempten beschäftigt.
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Markus Heider blickte kurz vor seinem Ruhestand auf über drei Jahrzehnte im Jugendhaus zurück.

Kempten – Seit 1989 war Markus Heider im Jugendhaus Kempten beschäftigt, nur ein Jahr später übernahm er dort die Leitung. Bis zuletzt war er außerdem als Abteilungsleiter der Jugendsozialarbeit tätig. Nun hat er sich am vergangenen Mittwoch in den Ruhestand verabschiedet. Zwei Tage zuvor blickte er beim Pressefrühstück zusammen mit seinen beiden Nachfolgern, Alexander Burggraf und Andreas Busse, auf die ereignisreiche Zeit in der Jugend(sozial)arbeit zurück.

Mit Oberbürgermeister Thomas Kiechle, Thomas Baier-Regnery, Leiter des Referats Jugend, Schule und Soziales und Oliver Huber, Leiter des Amts für Jugendarbeit, gab es von allen Seiten großes Lob für die jahrzehntelange Arbeit von Markus Heider. Als wertschätzenden, zurückhaltenden und loyalen Menschen, der die Jugendarbeit in Kempten auf „unvergleichliche Art und Weise“ geprägt und die Nähe zu den Jugendlichen bis zum Schluss gesucht habe, beschrieb ihn Kiechle. Weiter betonte der OB den Aufbau der Jugendsozialarbeit an Schulen, der eine direkte Nähe zu den Jugendlichen sicherstelle. Baier-Regnery bezeichnete Heider als „Urgestein der Jugendarbeit“, der die verschiedenen Epochen jugendlicher Empfindungen begleitet habe.

Oliver Huber sprach von „aufregenden Monaten“ und „schlaflosen Nächten“ auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Er hob hervor, dass Heider seiner Tätigkeit bis zum letzten Tag in Vollzeit nachgegangen sei und freue sich in Zukunft auf gemeinsame Abende, die inhaltlich nicht von der Arbeit bestimmt seien. Heider erzählte, dass er ursprünglich nur drei Jahre im Jugendhaus bleiben wollte. „Daraus sind über 30 Jahre geworden. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt.“ Ein Meilenstein sei für ihn das Jugendkulturspektakel gewesen, das 1991 aus der Taufe gehoben worden sei, um die verschiedenen kulturellen Jugendrichtungen zusammenzubringen.

„Jan Delay kam damals kurz nach seinem Abi zu uns und hat ein Konzert gegeben. Die Unterbringung nur im Schlafsack war vertraglich festgelegt gewesen. Jetzt ist er ein internationaler Star“, erinnerte sich Heider schmunzelnd zurück und sprach von „wilden Zeiten“, in denen die Jugendeinrichtung noch halb-professionell gearbeitet habe. Beim Jugendhaus-Open-Air im Jahr 2014 sei das 40-jährige Jubiläum der Einrichtung gefeiert worden. Viele Ehemalige, die ihre Jugend im Jugendhaus verbracht hätten, seien anwesend gewesen, meinte Heider, und nannte als Beispiel den Musiker Rainer von Vielen. Im Laufe der Jahrzehnte habe der Jugendhausleiter sich verändernde Bedarfe bei den Jugendlichen beobachten können. Damals sei die Einrichtung noch die einzige Anlaufstelle gewesen und habe eher 16-Jährige angesprochen, mittlerweile gebe es Angebote für Kinder ab 12 Jahren.

Die Angebote seien außerdem nicht mehr nur auf die Freizeit, sondern auf das gesamte jugendliche Leben ausgelegt. Durch die Zuwanderung sei die Arbeit noch anspruchsvoller geworden. Mittlerweile seien 28 verschiedene Ethnien im Jugendhaus vertreten. Es sei aber auch vieles gleich geblieben. So wollen sich Jugendliche nach wie vor an einem bestimmten Ort treffen und ein stückweit unter sich bleiben. Die Identität zum Haus sei sehr wichtig, die durch die langjährig tätigen Mitarbeiter gefördert werde. Jugendliche hätten so einen festen Ansprechpartner, dem sie sich anvertrauen könnten, so Heider. Nach 20 Jahren offener Jugendarbeit sei der Schritt Richtung Schulsozialarbeit groß gewesen, erzählte Heider weiter. Mit 18 Sozialpädagogen seien sie mittlerweile an fast allen Kemptener Schulen vertreten.

„Die Schüler sind immer länger in der Schule. Dadurch kommen auch andere Themen als nur die Bildung auf, beispielsweise die familiäre Situation.“ Auch der OB sprach von vielschichtigen Bedarfen, die die Schulen allein nicht leisten könnten. Durch die Jugendsozialarbeit werde vielen Problemen vorgebeugt, die sonst später entstehen könnten. Auch Busse, der von nun an die Leitung in der Jugendsozialarbeit übernimmt, betonte, dass in einer immer komplexer werdenden Welt alle Jugendlichen mitgenommen werden müssten. „Wir haben immer mehr mit Schulverweigerern zu tun. Hier muss man die Welten wieder zusammenführen.“ Busse lebt seit 2001 im Allgäu und hat über das Projekt „Zukunft bringt’s“ viel Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Schulen sammeln können. Mit Burggraf bringt auch der Nachfolger in der Jugendhausleitung einen großen Erfahrungshorizont mit sich. Bereits seit 20 Jahren ist Burggraf in der Einrichtung tätig.

Dominik Baum

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