Fröhlich mit Abstand

Vatertag an der längsten Biertheke des Allgäus

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Eine Biertheke mit Rekordmaßen gab es zum Vatertag.

Isny – Eigentlich hätte die längste Biertheke des Allgäus am Vatertag auf dem Gelände der Brauerei Stolz stehen sollen.

Eine Biertischreihe auf 100 Metern von der Getränkeausgabe, über den Hof, durch den Stadel, bis auf die angrenzende Wiese. „Das ging aber nicht“, sagt Christina Ryser vom Brauerei Gasthof Engel. Veranstaltungen sind noch bis 5. Juni verboten. Nur die Erweiterung der Außenflächen von Gaststätten ist erlaubt.

So startet die Reise zurück ins gesellige Leben an Christi Himmelfahrt eben auf der anderen Straßenseite. Hinter dem Sudhaus im Anschluss an das Gebäude des Brauerei Gasthofs steht dann doch die längste Biertheke des Allgäus – jetzt auf mehrere Reihen verteilt und einmal um die Ecke. Am Eingang gibt’s zur Begrüßung eine Portion Regeln: Wie in allen Gaststätten müssen auch hier Besucher ein Formblatt ausfüllen, eine Maske tragen bis zum Tisch und dürfen nur mit der Familie oder einer Bezugsperson Platz nehmen.

Abstand, Desinfektionsmittel und frische Luft gehören zu diesem Vatertag genauso wie das „Helle“ und das neuste Getränk der Brauerei Stolz: das naturtrübe Radler. Dazu sorgen 300 leere Kisten auf den Bierbänken verteilt für den nötigen Abstand von 1,5 Metern zwischen den Gästen. „Sicher ist sicher“, sagt Franz Stolz vom Team des Brauerei Gasthofs, der im Vorfeld ein heiteres Erklärvideo in den sozialen Netzwerken gepostete hatte. Über 4000 Mal klickten die User den Film – Rückmeldungen aus ganz Deutschland zeigen: Volltreffer. „Die Leute nehmen die Vorgaben ernst – aber mit Humor“, sagt Stolz. 

Auch in Isny ist die positive Stimmung an allen Biertischen zu spüren. „Für ein kühles Getränk machen wir viel“, hört man ganz hinten links des Geländes an einem extra Birkenstamm mit gefrästen Bierhalterungen – natürlich im Abstand von 1,5 Metern. Etwas über 70 Gäste meldeten sich im Vorfeld schriftlich in der Gaststätte an. Knapp 90 nehmen im Lauf des Tages an der etwas zerstückelten Tafel Platz: Radfreunde, Familien, ein Stammtisch, Kollegen. „Das ist ganz wunderbar zu händeln“, freut sich Engel-Chefin Christina Ryser, die pausenlos mit Maske über Mund und Nase und Tellern voll mit Krustenbraten oder Kässpätzle zwischen den Gästen pendelt. „Wir sind wirklich froh, dass wir das hier machen dürfen.“ Sorgen bereitete ihr die Erweiterung der Fläche nicht. „Auf unsere Gäste ist Verlass. Es halten sich eigentlich alle an die schon fast üblich gewor-denen Regeln.“ 

Auch an den Tischen sprechen die Menschen über Masken und Abstandsregeln. Über die Folgen des Lockdowns. Was man vermisst hat. Wie es weiter geht. Was Schweden macht und wann es valide Antikörpertests gibt. Wer zur Toilette muss, wurstelt den Gesichtsschutz aus der Hosentasche. Wer neu dazu kommt, winkt (mit Abstand) oder bietet dem Tischnachbarn den Ellenbogen zur Begrüßung an. Merkwürdig? „Vielleicht ein bisschen – am Anfang“, sagt Stefan Kreiner aus Leutkirch, der mit seinem Kumpel auf einer Radtour durchs Allgäu unterwegs ist. 

Bei seinem ersten Stopp in Isny an der langen Biertafel stellt er fest: „Man ist doch unheimlich dankbar, dass es überhaupt wieder so etwas gibt.“ Dem Team des Engels geht es ganz ähnlich: „Wir wollten unseren Gästen zeigen, dass wir für sie da sind. Im Rahmen der geltenden Vorschriften“, sagt Ryser. Mehrere Gespräche mit Bürgermeister Rainer Magenreuter und den Vertretern des Ordnungsamts waren nötig, um die Gegebenheiten vor Ort mit den aktuellen Bestimmungen abzugleichen. „Am Ende hat es dann aber doch noch geklappt.“ Zum Glück: „Wir sind wirklich froh nach so vielen Wochen Essen zum Mitnehmen, dass wir unsere Gäste wieder bewirten dürfen.“

kb

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