Vier Stadtoberhäupter kommen zum Abschied

"Meine" Oberbürgermeister

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Zum Abschied in den Ruhestand ein Gruppenbild mit allen vier Chefs nebst Gattinen: (v.l.) Ursula Prestel-Höß mit Alt-OB Dr. Josef Höß, daneben die künftige Ruheständlerin Christa Eichhorst mit Ehemann Gerhard Eichhorst (l. dahinter), Ursula Roßmann mit (l. dahinter) Alt-OB Dr. Wolfgang Roßmann, Heidi Netzer und (l. dahinter) Dr. Ulrich Netzer sowie Ulrike Kiechle und OB Thomas Kiechle.

Ein Abschied nach 47 Dienstjahren, da ist es nur natürlich, dass die langjährige Leiterin des Oberbürgermeisterbüros Christa Eichhorst gelegentlich eine kleine Träne im Augenwinkel trocken tupfen musste.

Auch das Wort „Dienst“ hat bei Eichhorst eine besondere Bedeutung. Denn dass sie ihre Arbeit nach eigenen Worten immer als „Dienst für ‚meine’ Oberbürgermeister, für die Stadt, für die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger“, gesehen habe, wurde ihr bei der offiziellen Verabschiedung in der Schrannenhalle des Kemptener Rathauses vergangenen Freitag von allen Seiten mit großem Respekt bestätigt.

Nachdem sie dort über die Jahre unzählige Veranstaltungen organisiert, im Hintergrund für den reibungslosen Ablauf gesorgt und sich gekümmert hat, stand sie nun erstmals selbst im Mittelpunkt und konnte zahlreiche Weggefährten aus Politik, Verwaltung... begrüßen. Und was sie mit unverkennbarem Stolz erfüllte: alle vier Oberbürgermeister, denen sie gedient hat, waren gekommen: Alt-OB Dr. Josef Höß, der sie noch als Stadtkämmerer zu sich geholt, dann kurz darauf als frisch gewählter Oberbürgermeister (1970 – 1990) mit ins Rathaus genommen und ihr tiefere Einblicke in die kommunalpolitische Arbeit ermöglicht habe. Erst mit dem Umbau des Rathauses 1985 bis 1987 seien die Räume des Oberbürgermeisters vom 2. Stock, wo sich heute der kleine Sitzungssaal befindet, in den 1. Stock verlegt und die Schrannenhalle nicht mehr als Registratur genutzt worden. Ein großes Thema der Höß-Ära sei die Gebietsreform gewesen.

Unter Alt-OB Dr. Wolfgang Roßmann sei es unter anderem um die Förderung des ­ÖPNV und den Bau der ZUM gegangen. „16 intensive Jahre“, habe sie mit Alt-OB Dr. Ulrich Netzer erleben dürfen, der ein Chef gewesen sei, „der alles gab“, „viel gefordert, aber gleichzeitig auch gefördert“ und sie ermuntert habe, Büroleiterin zu werden. Es sei „unglaublich spannend gewesen“, wie sich die Stadt in diesen Jahren verändert habe, mit Innenstadtkonzept und Platzgestaltungen.

Und schließlich ab 2014 OB Thomas Kiechle, der es ihr „mit seiner den Menschen zugewandten Art“ leicht gemacht habe, noch drei Jahre aktiv im Berufsleben zu bleiben und für einige Projekte noch darüber hinaus, wie sie verriet. „Mir tut kein Tag leid, den ich seither im OB-Büro war“, denn auch in dieser Zeit habe sich viel getan, angefangen beim „frischen Wind für den Stadtpark“ über Lösungen für Rettungshubschrauber und „großes Loch“ bis zu neuen Möglichkeiten für Kultur und Sport. „Meine Arbeit hat mir immer Freude gemacht“, sah sie einen Grund dafür in ihren „Chefs“, den zweiten in Kolleginnen und Kollegen im Büro – „wir waren immer ein gut eingespieltes Team“ –, letztendlich aber auch in der Zusammenarbeit mit all den Menschen, mit denen sie durch ihre vielfältigen Aufgaben „Verknüpfungspunkte“ hatte.

Kiechle hob ihre immer zurückhaltende und wertschätzende Art hervor, ihr „unglaublich feines Gespür für politische Stimmungslagen“, das „unglaubliche Arbeitspensum“ und die „übergroße Fülle an Verantwortung“ sowie ihre unbedingte Loyalität – Attribute, denen nicht nur die versammelten Alt-Oberbürgermeister kräftigen Applaus spendeten. Netzer setzte eine „Zahlenreihe“ als Basis seiner Rede: 15 Jahre Leiterin OB-Büro, davor unter sieben Büroleitern gearbeitet und insgesamt unter vier Oberbürgermeistern, die ja „qua definitionem ‚nur’ Stärken haben“ und Eichhorst „unglaubliches Gespür“ im Umgang mit der jeweiligen Persönlichkeit bewiesen habe. Er erinnerte sich daran, dass er bei einem bestimmten Tonfall im täglichen „Grüß Gott Herr Oberbürgermeister“ wusste, „dass bei ihr der Seismograph ausgeschlagen hat“, und sie einem nahelegen wollte, etwas anders machen zu müssen. Da sie immer „für Jeden ein Ohr“ gehabt habe, habe sie zudem umfangreiches Wissen angesammelt, das sie ohne Vertrauensbruch zu begehen, „zum richtigen Zeitpunkt auch zum Wohle der Stadt eingesetzt hat“.

Vertrauen, wie sonst „vielleicht noch zu meiner Frau“, das bescheinigte ihr auch Benedikt Mayer, Referent für Jugend, Schule und Soziales, – „einer der sieben ehemaligen Büroleiter“, der „viele Jahre Schreibtisch an Schreibtisch“ mit Eichhorst verbracht hatte.

Mit einem „Wochenplan“, in der ihre Vorlieben für Eis, ein Paar Würstchen „mit viel Senf“ auf dem Kemptener Wochenmarkt und auch für Kultur eine Rolle spielten sowie einem als fiktive Radiosendung vorgetragenen Rückblick unter anderem auf die Autogrammjägerin bei einem Yehudi Menuhin Konzert anno 1989 bedankten sich das OB-Büroteam bei der 65-Jährigen.

Sie selbst sei einfach nur dankbar. Dankbar unter anderem dafür, dass sie „mit der Stadt Kempten immer einen guten Arbeitgeber hatte“, für ihre „vier Chefs“ und nicht zuletzt dankte sie ihrem Mann, mit dem sie sich jetzt auf ihr drittes Enkelkind freue.

Wie zu erfahren war, wurde mit einem „harten Kern“ noch bis in die Nacht gefeiert. Aber dieses eine Mal war es nicht wie so oft in den Jahren zuvor Eichhorst, die am Ende das Licht ausmachen musste.

Christine Tröger

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