Veränderte Strukturen

Über die Zukunft unserer Gesellschaft diskutieren am Freitag Universitätsprofessor Dr. Jörg Althammer (v.l.), Jurastudent Julian Monschke und Dr. Markus Günther, Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen Zeitung. Foto: Ferder

Anlässlich aktueller Wirtschafts- und Gesellschaftsprobleme in Deutschland veranstaltete die Pfarrei St. Lorenz gemeinsam mit Caritas und Diakonie Kempten vergangenen Freitag ein Podiumsgespräch über die Zukunft der Gesellschaft „Deutschland 2030“. Hierzu fanden sich neben dem Jurastudenten Julian Monschke auch der Universitätsprofessor Dr. Jörg Althammer sowie der Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen Zeitung, Dr. Markus Günther, zur Diskussion im St. Lorenz Pfarrzentrum in Kempten ein.

Als Gesprächsgrundlage präsentierte Moderator Andreas Kasper zu Beginn der Veranstaltung prognostizierte Bevölkerungsentwicklungen für das Jahr 2030. „Hierbei werden sich laut dem statistischen Bundesamt vor allem die Gesellschaftsstrukturen in Deutschland verändern“, so der Jurist. Er lenkte das Augenmerk besonders auf die bevorstehende umgedrehte Alterspyramide: „Aufgrund steigender Lebenserwartung wird es immer mehr ältere Menschen und aufgrund der sinkenden Geburtenrate immer weniger junge Menschen geben.“ Dr. Jörg Althammer sah in diesem demographischen Wandel viele Probleme auf Gesellschaft und Politik zukommen, „denn der Wandel im Altersaufbau stellt eine große Herausforderung, vor allem an die sozialen Sicherungssyteme.“ „Zusätzlich muss neben einem wirtschaftlichen Umdenken, beispielsweise durch stärkere Förderung von älteren Mitarbeitern, auch die Familienpolitik sich an den demographischen Wandel anpassen“, so Althammer weiter. Jurastudent Julian Monschke ergänzte diesen Ansatz und bewertete vor allem die Arbeitszeiten als problematisch: „Es gibt genügend Branchen, die aufgrund ihrer Arbeitszeiten keinen Raum für Familie bieten, denn Arbeitszeiten von 9 bis 22 Uhr sind sicherlich nicht familienfreundlich.“ Dr. Markus Günther beurteilt dagegen die Veränderungen in der Gesellschaft nicht vorwiegend als ökonomisches Problem, sondern vielmehr als mentale, emotionale Problematik. Dabei spielte der Journalist gezielt auf die mittlere Oberschicht der deutschen Bevölkerung an. „Trotz genügend flexibler Möglichkeiten für Eltern entscheiden sich besonders Akademiker bewusst gegen Kinder. Es ist die Mutlosigkeit, mangelndes Selbstvertrauen und Verunsicherung, die zur Kinderlosigkeit führt.“ Schelte an Politik Neben den sozialen Problemen, die der demographische Wandel mit sich bringt, werden auch große finanzielle Schwierigkeiten für die deutsche Bevölkerung erwartet. „Zu der aktuellen Verschuldung werden große Kosten vor allem im Bereich von Renten, Gesundheitswesen und Pflegeversicherungen zu tragen sein“, erläuterte Dr. Althammer. Starke Kritik äußerte auch Dr. Günther, „denn jede Regierung macht noch mehr Schulden als die zuvor.“ Außerdem sehe der Journalist auch eine stetig verquere Debattenführung: „Jeder von uns muss am Küchentisch mit seinem Geld haushalten. Die Politik muss auch lernen, dass man nicht mehr ausgibt, als man einnimmt.“ Als zusätzlichen Kostenfaktor erwähnte der Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen den Ausstieg aus der Atomenergie. Überleitend dazu sprach Dekan Dr. Michael Lechner auch die aktuellen Ereignisse in Japan an. Hierbei waren sich die Diskussionsteilnehmer schnell einig: Deutschland muss aus der Atomenergie aussteigen. Dennoch beschäftigen jeden einzelnen Gesprächsteilnehmer die sich überschlagenden Ereignisse im Katastrophengebiet. „Die Lage ist momentan schwer einzuschätzen, in dieser Situation heißt es hoffen und beten. Dennoch führte es zu einer Wendung in der deutschen Atompolitik“, so Dr. Markus Günther und wies auf die Abschaltung von sieben Atomkraftwerken in Deutschland hin. Auch Stadtpfarrer Lechner betonte, dass die Ereignisse uns über die Grenzen und das Handeln der Menschen nachdenklich machen sollten. Trotz aller problematischen Prognosen blicken die Diskussionsteilnehmer optimistisch auf die kommenden Jahre. „Ich freue mich auf die Zukunft und wir werden in diese Zeit hineinwachsen und sie mitgestalten“, betonte Julian Monschke. Auch Dr. Althammer sah die künftigen Probleme als lösbar: „Der demographische Wandel bietet Chancen, er ist sicherlich zu bewältigen.“ Dr. Günther, der sich selbst als „Berufsskeptiker“ bezeichnete, ist zuversichtlich was die bevorstehenden Problematiken angeht und setzt schließlich auch auf Gottvertrauen.

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