Vorhaben geplatzt 

Veranstalter Johannes Palmer sagt »KulturPark« entnervt ab 

Das Tier, das von Zeugen im Stadtpark gesehen wurde, wurde als weißes Pferd mit markantem Branding beschrieben.
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Das Tier, das von Zeugen im Stadtpark gesehen wurde, wurde als weißes Pferd mit markantem Branding beschrieben.
  • VonJörg Spielberg
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Kempten – Geplant war die Aktion „KulturPark“ durch die Betreiber des Parktheaters rund um Geschäftsführer Johannes Palmer schon seit März dieses Jahres. Das nun am vergangenen Freitag durch Palmer die Absage eines „KulturParks mit Biergarten und kleiner Bühne für künstlerische Darbietungen auf dem Gelände des Stadtparks auf Höhe der Linggstraße“ erfolgte, dürfte nur noch wenige überrascht haben. In seinem Schreiben an die Stadtverwaltung Kempten, das dem Kreisboten vorliegt, schreibt Palmer, dass mehrere Umstände, die nicht in seiner Verantwortung lagen, nun zur Absage geführt hätten. 

Palmer wartet noch heute auf die finale schriftliche Zusage und die Konditionen für seine Idee vom „Stadtparksommer“ seitens der Stadt Kempten. Weiterhin würden durch die Vorgaben der Stadtverwaltung die Kosten des Kulturbiergartens komplett aus dem Ruder laufen. Obwohl Palmer schon im März einen Kulturförderantrag gestellt hatte, staunte er nicht schlecht, als ihn unlängst, nach der Absage seines Antrags auf Kulturförderung, eine Kostenaufstellung für sein geplantes Kulturprogramm erreichte. Da rechnet die Stadtverwaltung vor, dass er sich mit 11.000 Euro zzgl. Mehrwertsteuer für u.a. Miete, Baumbeschnitt und Wiederherstellung der Flächen zu beteiligen hätte und zusätzlich Kosten für Ver- und Entsorgung mit Wasser und Abwasser, Stromversorgung, Toilettennutzung am Königsplatz plus eventuell erhöhte Aufwendungen für den städtischen Betriebshof noch oben drauf kämen.

Zu viel, wie Palmer meint. „Wir wollten mit unserem Konzept eines „KulturParks“ jungen Menschen ein Angebot machen, sich friedlich zu entspannen und Künstlern aus der Jugendkultur die Möglichkeit geben, wieder aufzutreten. Wir wollten nicht am „KulturPark“ verdienen, aber natürlich auch nicht draufzahlen. Deshalb unser Antrag auf Kulturförderung, der seitens der Stadt abgelehnt wurde.“

Da kam dann auch die erst kürzlich ausgesprochene Erklärung von Oberbürgermeister Thomas Kiechle zu spät, diese Kosten bei Durchführung des Projekts nun doch nicht in Rechnung stellen zu wollen.

Unkalkulierbare Mehrkosten

Auch zum Thema Sicherheit meldet der Veranstalter nach den Erfahrungen anderer Gastronomen Bedenken an. Berichte vom Rathausplatz in Kempten und Vorfälle wie in Augsburg hätten gezeigt, dass noch mehr in Sicherheit hätte investiert werden müssen. Die eingeplanten Künstler hatten sich durch die schleppende Bearbeitung der amtlichen Stellen ohnehin für Auftritte bei anderen Events umentschieden. Die gewünschte Öffnung des Kulturbiergartens bis 23.30 Uhr wurde nicht gewährt, was zu weniger Einnahmen bei gestiegenen Kosten geführt hätte. In puncto Planungszeit lief den Verantwortlichen zum Schluss die Zeit davon. 

Man hätte nur noch an wenigen Wochenenden den südlichen Stadtpark bespielen können, was wiederum finanzielle Einbußen zur Folge gehabt hätte. Am Ende kommt Parktheater-Betreiber Johannes Palmer zu folgendem Fazit: „Wenn ich letztendlich Aufwand, Kosten, finanzielles Risiko, Stress und weitere Unabwägbarkeiten dem Nutzen und der Wirtschaftlichkeit gegenüber abwäge, bleibt mir leider nichts anderes übrig, als das Projekt abzusagen. Allerdings hat es mich gefreut, dass uns nach meinem Schreiben an einige amtliche Stellen und Politik schnelle Hilfe angeboten wurde. Wäre das schon etwas früher der Fall gewesen, dann hätten wir wahrscheinlich heute bereits geöffnet. So muss ich leider sagen, dass ich sehr enttäuscht bin und resigniert zur Kenntnis nehme: Wo ein Wille ist, sollte (eigentlich) immer auch ein Weg sein.“

Nach einer ersten, vor allem bezüglich der Verantwortlichkeiten scharfen Reaktion, liest sich die als Pressemitteilung verfasste Stellungnahme von Annette Hauer-Felberbaum (Freie Wähler), Kulturbeauftragte des Stadtrats, versöhnlicher: „Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie müssen manchmal neue Wege beschritten werden, muss flexibel reagiert werden. Nun hat sich bei der Absage des Veranstalters des geplanten Kulturbiergartens gezeigt, dass das Einschlagen dieser Wege und diese unbedingt zu fordernde Flexibilität leider noch immer nicht zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Johannes Palmer ist in der Stadt Kempten seit vielen Jahren als erfolgreicher Betreiber des Parktheaters bekannt. Hier bietet sich für viele Interessierte eine Club- und Musikszene, die weit über Kempten bekannt und beliebt ist.

Nach fast eineinhalb Jahren Schließung von Musikclubs wegen der Pandemie, wollte Johannes Palmer in den nächsten Sommerwochen einen Kulturbiergarten im Linggpark veranstalten, der auf diese Klientel abzielte. Die Kulturbeauftragte des Stadtrates, Annette Hauser-Felberbaum, hatte sich persönlich für dieses Projekt eingesetzt, da solch ein Musikangebot nach der langen Abstinenz wichtig für die Stadt Kempten ist und damit ca. 6.000 Studenten, viele junge Leute und sonstige Interessierte angesprochen worden wären. ‚Das ist einfach handwerklich versaubeutelt worden. Richtig ärgerlich! Schade, dass hier, verursacht durch völlig unnötige Verzögerungen bei den Verhandlungen, der Veranstalter nun enttäuscht wegen mangelnder Planungssicherheit abgesagt hat. Hier ist eine wertvolle Gelegenheit vertan worden. Das hätte nicht sein müssen. Ein richtiges Eigentor!“, äußert sich die tief enttäuschte Politikerin der Freien Wähler.‘“ 

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