Jazz an allen Ecken und Enden

Furioser Endspurt

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Sorgten für einen großartigen Abend in der Tradition des großen Duke Ellington: „The Duke Ellington Orchestra“ aus den USA.

Kempten – „Wir hatten einen super Jazzfrühling, tolle Konzerte und alle haben einen guten Job gemacht“, lautete das klare Resümee von Gerhard Zipperlen, 1. Vorsitzender des Kleinkunstverein Klecks, zum Abschluss des 29. Kemptener Jazzfrühlings.

Am Sonntag konnte das Team des Arbeitskreises Jazzfrühling nach neun Tagen mit rund 70 Konzerten feststellen, dass die Feuerprobe bestanden war: Schließlich war es der erste Jazzfrühling ohne den langjährigen „Kopf“ des Festivals, der verstorbene Hansjürg Hensler. Zipperlen kündete bereits von „vielen Ideen“ für das kommende Jubiläumsjahr, in dem der Jugend mehr Raum gegeben, aber auch manches „wiederbelebt“ werden soll. Natürlich „gibt es Dinge, über die wir reden müssen“, blickte er auf die nicht so prickelnden Besucherzahlen vor allem der Hauptkonzerte. 

 Profis auf allen Ebenen 

Ausnahme war hier das Konzert des „Duke Ellington Orchestra“ am Samstagabend im fast ausverkauften Stadttheater. Es war das einzige Konzert, das das Orchester aus den USA auf seiner Tour in Deutschland gab. Es war nicht nur eine Zeitreise zurück in die Ära von Duke Ellington. Es war nonchalente Professionalität auf allen Ebenen. Kurz gesagt: Konzertgenuss auf höchstem Niveau. 

Laut Tommy James, der sich neben seinen Qualitäten als Pianist und Bandleader auch als Conférencier erwies, mussten die hinteren Reihen des Orchesters deshalb ohne Jacketts spielen, weil ein Teil des Gepäcks auf dem Flug nach Deutschland verloren gegangen sei. „True story“, wie er auch bei anderen Gelegenheiten nicht zu beteuern vergaß? Wie auch immer: das Gesamtkonzept, bei dem jeder Ton, jedes Wort und jede Geste saßen und dennoch lässige Spontanität ausstrahlten, veranlassten das Publikum am Ende zu stehenden Ovationen. Weniger mit satten Bläsersounds als mit energiegeladenem Klavierspiel dominierte am Vorabend die gebürtige Brasilianerin Eliane Elias die Bühne. Ihr südamerikanisches Temperament durchdrang nicht nur die Musik sondern fuhr ihr ebenso in Mark und Bein, das unter dem Flügel zur Musik immer wieder heftigst „tanzte“. Nur gelegentlich durfte sich der Bass von Marc Johnson in den Vordergrund drängen, während der Gitarrist Steve Cardenas im Hintergrund blieb. 

 Ein weiterer Abend zurück am selben Ort: Mike Stern, der wirkte wie von einem anderen Stern, während er seine Gitarre durch eine faszinierende Welt des Fusion-Jazz spielte. Sein Partner: der zumindest scheinbar erdverbundenere, ebenso geniale Saxophonist Bill Evans. Nicht nur ein brillanter Musiker, entpuppte sich Stern auch als Top-Verkäufer. Sichtbar Spaß hatte er nach dem Konzert dabei, seine CDs wie ein Markthändler anzupreisen. Echte Club-Atmosphäre gab es am Freitagabend im Künstlerhaus, wo die junge Saxophonistin und Sängerin Stephanie Lottermoser in vollem Haus für Stimmung sorgte. Hoch her ging es unter anderem auch beim Konzert auf der Alpe Sonnenhalde, wo sich rund 600 Menschen für die „Kerber-brothers Alpenfusion” und das „Fillippa Gojo Quartett” begeisterten. Christine Tröger

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