Ein Verband, zwei Kulturen

Dachverband Türkischer Vereine in Kempten feiert Jubiläum

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Den kulturellen Austausch sieht der Dachverband als wichtige Aufgabe an. Dies zeigte sich auch bei der Jubiläumsveranstaltung, bei der auch der Trachtenverein Edelweiß auftrat.

Kempten – Schon das Logo des Dachverbandes Türkischer Vereine in Kempten spiegelt es wider: Der Sichelmond und der Stern der türkischen Flagge kombiniert mit den schwarz-rot-goldenen Farben der deutschen Flagge – es geht um zwei Kulturen, deren Austausch gefördert werden soll. Und auch die Jubiläumsveranstaltung am vergangenen Freitagabend im Kolpingsaal der Kolping Akademie in Kempten sollte thematisch genau diesen Kulturaustausch aufgreifen und zeigte damit deutliche Parallelen zur Gründung vor zehn Jahren.

Schon damals hielt Josef Mayr eine Rede und auch eine Dekade später durfte der Dachverband den dritten Bürgermeister Kemptens ans Rednerpult bitten. Von einer wertvollen Arbeit in und für die Stadt, sprach er, die der Verband vor Ort leiste und so zur Gestaltung des Miteinanders beitrage. „2200 Bürgerinnen und Bürger in Kempten haben die türkische Staatsangehörigkeit. Rund weitere 2000 haben türkische Wurzeln. Ich habe selbst miterlebt, was türkische Mitbürger nach dem Zweiten Weltkrieg beim Wiederaufbau Deutschlands geleistet haben. Damals wurden sie als Gastarbeiter bezeichnet, da von beiden Seiten nur ein vorübergehender Wohnsitz in Deutschland angestrebt wurde. Doch bereits in den 1970er Jahren änderte sich diese Ansicht und viele Familien zogen hinterher“, gab Mayr einen kurzen historischen Rückblick und begrüßte anschließend den Einsatz in den neun unter dem Dachverband zusammengeschlossenen Vereinen, die ein Engagement im Heimatland und eine Verbundenheit zum Herkunftsland vereinten. 

Und ebenfalls damals wie heute gab es musikalische Darbietungen beider Kulturen. Bei der Gründungsversammlung durch eine Folkloretanzgruppe und Schülerinnen und Schüler der örtlichen Musikschule und zehn Jahre später durch die Türkische Folkloregruppe Kara-Yel aus Ulm und dem Trachtenverein Edelweiß aus Kempten. Norbert Fleschhut, dem ersten Vorstand des Trachtenvereins, war es ein Anliegen, einige Worte an die rund 80 Gäste zu richten. „Unseren Verein gibt es seit über 100 Jahren. Er wurde gegründet, um die Heimatliebe, unsere Kultur und das Brauchtum zu erhalten. Was mir wichtig ist zu sagen: Wir haben eine Welt, sind alle Menschen und jeder ist irgendwo Ausländer. Haltet eure Traditionen hoch.“ 

Ilknur Altan, die Vorstandsvorsitzende des Dachverbandes, betonte in ihrer Rede ebenfalls das Ziel eines in beide Richtungen gehenden, von Wertschätzung und Achtung geprägten Kulturaustauschs. Weiter forderte sie, die Schieflage im Bildungssystem zu korrigieren, damit alle Kinder die Chance auf einen guten Bildungsabschluss in Deutschland haben. „Der Anteil der Hauptschulabschlüsse von Kindern mit Migrationshintergrund ist immer noch sehr hoch.“ Neben dem Kulturaustausch und der Bildung sei der Humanismus das dritte Leitthema, das der Dachverband vorantreibe. Dieser stelle den Menschen unabhängig von seiner Herkunft und Hautfarbe in den Mittelpunkt und baue dadurch Grenzen ab. 

Als besondere Ehrengäste des Abends konnten Dr. Mustafa Cakir, Attaché für Bildungswesen des türkischen Generalkonsulats, und der türkische Generalkonsul Mehmet Günay begrüßt werden. Letzterer zeigte sich stolz über das Engagement und die Verantwortung, die die türkischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in Deutschland übernähmen und so in verschiedenen Funktionen einen wichtigen Beitrag zur deutschen Wirtschaft leisteten. Es folgte ein Rückblick auf das bisher Geleistete. Mitunter ist ein Sportangebot für Frauen geschaffen worden, es fanden viele interreligiöse Veranstaltungen im Haus International statt und die Allgäuer Festwoche wurde miteröffnet. Dem Dachverband gehören der Verein Türkischer Arbeitnehmer, der Integrations- und Bildungsverein, der Islamische Kulturverein, Türksport Kempten, der Türkische Kultur- und Sportverein, die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs, der Türkische Unternehmerverein, der Motorradclub Residenz und der Türkische Elternbeirat an.

Dominik Baum

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