Corona und die Abfallwirtschaft

Verbandsversammlung des Zweckverbandes für Abfallwirtschaft Kempten

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Um in Corona-Zeiten Abstand halten zu können tagte die VErbandsversammlung des ZAK in Mäsers Alp.

Kempten/Landkreis – Unter Einhaltung von 1,5 Meter Mindestabstand zwischen den einzelnen Teilnehmern, bereitgestellter Handdesinfektionsmittel und Masken tagte letzte Woche der Aufsichtsrat der ZAK Holding GmbH und der Verbandsversammlung des Zweckverbandes für Abfallwirtschaft Kempten (ZAK) in der Mäsers Alp in Wiggensbach.

Es sei eine besondere Zeit, die besondere Maßnahmen erfordere, eröffnete Gebhard Kaiser, ZAK-Verbandsvorsitzender die Sitzung. Um den Sicherheitsund Hygienemaßnahmen gerecht zu werden, sei dieses Lokal gewählt worden. Es gebe viele Einschränkungen für die Bürger- Innen durch Corona, erklärte er. Doch die Diskussionen, wann, wo und wie eine Rückkehr in ein normales Leben wieder möglich sei, hätten in den letzten Tagen zugenommen. Auch damals vor 75 Jahren – Kriegsende – sei es für die Menschen schwierig gewesen, neu zu beginnen. Vermeiden, Verwerten und Entsorgen ist das Ziel der Abfallwirtschaft. 

Für die Landkreise Lindau und Oberallgäu, sowie die Stadt Kempten, die sich im Zweckverband für Abfallwirtschaft zusammen geschlossen haben, bedeutet dies, die Restmüllmengen zu minimieren, die Entsorgungssicherheit zu garantieren und abfallwirtschaftliche Anlagen bereitzustellen. Die sich ausbreitende Corona-Pandemie erforderte weitreichende Maßnahmen auch von der systemrelevanten Abfallwirtschaft. Ab Mitte März 2020, erklärte ZAK-Geschäftsführer Karl Heinz Lumer, wurde die Schichtstärke reduziert, es kamen neugebildete Ersatzschichten dazu, Hygienemaßnahmen und Abstandsgebote wurden eingeführt und Home Office für den Verwaltungsbereich angeordnet. Bis heute sei kein einziger Coronafall unter den Mitarbeiter- Innen aufgetreten, betonte Lumer. Zudem wurden zehn der 38 Wertstoffhöfe vorübergehend geschlossen, da einige Beschäftige zu den Risikogruppen zählten. Ein Weiterbetrieb der noch geöffneten Einrichtungen sei nur unter strengen Vorgaben möglich gewesen, wie etwa die Begrenzung auf maximal zehn Besucher, die sich zur gleichen Zeit auf den Wertstoffhöfen aufhalten durften, keine Hilfestellung beim Ausladen, Kinder mussten im Fahrzeug bleiben und auch ein Rückweisungsrecht von Großmengen bei starkem Andrang wurde erlassen. 

Anordnungen, die bis heute Gültigkeit haben, unterstrich der Geschäftsführer. Es habe auch diverse Apelle an die Bevölkerung gegeben, keine größeren Entrümpelungsaktionen durchzuführen, um Wartezeiten erträglich zu halten, doch ohne Erfolg. So gab es laut Lumer etwa am Wertstoffhof in Immenstadt einen Stau bis zur Bundesstraße, der erst durch die Bildung von Doppelreihen aufgelöst werden konnte. Doch die meisten Menschen auf den Wertstoffhöfen zeigten Verständnis, lobte der Geschäftsführer des ZAK. Die aktuelle Ausnahmesituation zeige sich, so Lumer weiter, auch in einer leichten Zunahme des Haus- und Sperrmülls und einem stärkeren Zuwachs des Abfalls aus Kleingewerbebetrieben. Gerade in diesem Segment hätten wohl viele Kleinstunternehmer weitergearbeitet, resümierte er. 

Doch nicht nur Corona habe Auswirkungen auf die Abfallwirtschaft, auch der milde Frühling mache sich bemerkbar. So sei der Fernwärmeabsatz für fossile Brennstoffe, wie Gas und Öl gesunken, was zu Preissenkungen führen könnte. Neben der Vorstellung der Jahresabschlüsse 2019 der Unternehmen, gab es einen Überblick zur Entwicklung der Müllmengen. Demnach stagnierten die Mengen beim Haus- und Sperrmüll in den letzten drei Jahren konstant bei 171 Kilogramm pro Einwohner bei einer durchschnittlichen Gesamtmenge von 51.938 Tonnen pro Jahr, erklärte Andreas Breuer, Technik, Abfallmanagement und Neue Technologien (ZAK). Im Segment „Altpapier“ zeichnete sich eine Zunahme bei den Kartonagen ab, bedingt durch den zunehmenden Online-Versandhandel bei insgesamt gleichbleibenden Mengen mit Schwankungen von etwa zwei Prozent. 

Marginal steigende Mengen seien auf den Bevölkerungszuwachs zurückzuführen, so Breuer. Bei Kunststoffen, Kartonverbunden und Dosen zeigte sich seit 2017 eine leicht steigende Tendenz von bisher insgesamt 5073 Tonnen hin zu 5509 Tonnen im letzten Jahr. Zudem entwickelten sich die Mengen von Biomüll und Grüngut in den letzten zehn Jahren kontinuierlich nach oben. Insgesamt sind im Jahr 2019 in den Haushaltungen 167.321 Tonnen Gesamtmüll angefallen, 1.627 Tonnen mehr als im Vorjahr. Einhergehend mit dem Konjunkturaufschwung falle auch mehr Müll an, sogenannter „Wohlstandsmüll“, der entsorgt werde, erklärte Christoph Lindermayr, Bereichsleiter Energiewirtschaft (ZAK). Dies sei zunehmend ein Problem, da die Kapazität der Ofenlinie K1 ausgenutzt ist. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Entsorgungsengpässen. Annahmemengen aus dem gewerblichen Bereich mussten reduziert werden oder Sperrmüll zwischengelagert. 

Auch die Möglichkeiten der Entsorgung über andere bayerische Müllheizkraftwerke seien aufgrund der extrem hohen Auslastung teilweise nicht mehr möglich gewesen, erklärte Lindermayr. Um dem Abhilfe zu schaffen, sei eine Kapazitätsoptimierung der Ofenlinie K1 um zehn Prozent geplant. Durch die zusätzlich erzeugte Energie könne mehr Strom ins öffentliche Netz und mehr Wärme ins Fernwärmenetz eingespeist werden, was zu Einsparungen bei den konventi onellen Energieträgern, wie Erdgas und Heizöl führe. Energetisch und CO2-einsparend, eine klimaschutzverträgliche Investition, unterstrich der Bereichsleiter für Energiewirtschaft. Auch ein neues Wasserstoffprojekt in Kempten war Thema in der Verbandssitzung. Darüber lesen Sie in der nächsten Samstagsausgabe des Kreisboten am 8. Mai. 

Christine Reder

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