"Es wird schon nicht mich treffen"

Verbraucherzentrale informiert über Identitätsdiebstahl im Internet

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Andreas Winkler, Leiter der Kemptener Verbraucherzentrale und Uwe Walter, Leiter des Kommissariats „Cybercrime“, sind sich einig: „Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nie. Deshalb ist es umso wichtiger, sich bestmöglich zu schützen.“

Kempten – Wer auf seinen Namen Verträge abgeschlossen hat, von denen er nichts weiß, Zahlungsaufforderungen für angeblich gekaufte Produkte oder in Anspruch genommene Dienstleistungen erhält oder bei Online-Dating-Portalen angemeldet ist, obwohl er eine solche Seite noch nie zuvor besucht hat, reagiert oft schockiert.

Wie konnte das passieren? Um diese und viele weitere Fragen zum Thema „Identitätsdiebstahl im Internet“ zu beantworten, hatte Andreas Winkler, Leiter der Kemptener Verbraucherzentrale, am vergangenen Dienstagvormittag zum Pressegespräch geladen. Unterstützt wurde er dabei von Uwe Walter, Leiter des Kommissariats „Cybercrime“ in Kempten. „Es wird schon nicht mich treffen“, beschrieb Winkler das Motto, nach dem auch heutzutage noch viele Verbraucher im Internet unterwegs seien. Damit das Bewusstsein für die reale Gefahr im virtuellen Raum weiter geschärft wird, nutzt die Verbraucherzentrale Bayern den diesjährigen Weltverbrauchertag, um über die Thematik aufzuklären. Simple Maßnahmen können dabei helfen, dass es erst gar nicht zum Klau der eigenen Daten kommt. 

„Das beliebteste Passwort in Deutschland ist 123456“, zeigte Andreas Winkler einen beunruhigenden Fakt auf, der von Forschern der Universität Potsdam festgestellt wurde. Der Verbraucherschützer riet dazu, auf Passwörter mit einer Länge von mindestens zehn Zeichen zurückzugreifen sowie nie das gleiche Passwort bei verschiedenen Nutzerkonten zu verwenden. Dabei verwies er auf so genannte Kryptonizer, mittels derer sichere kryptische Passwörter erzeugt werden können. In der Beratungsstelle in Kempten (Vogtstraße 17) kann jeder Interessierte einen solchen Kryptonizer in Kartenform unentgeltlich erhalten. Gefahr durch "Phishing" Eine weitere Gefahr stelle das Phishing dar, wodurch Kriminelle an die Passwörter ihrer Opfer gelangten. „Wer via E-Mail aufgefordert wird, sensible Daten wie PINs oder Kreditkartennummern preiszugeben, sollte misstrauisch werden“, so Winkler, der dazu anhielt, im Zweifelsfall beim vermeintlichen Absender anzurufen und sich die Echtheit der E-Mail bestätigen zu lassen. 

„Außerdem niemals unüberlegt Anhänge öffnen“, ergänzte Cybercrime-Experte Uwe Walter, der darauf verwies, dass dadurch Schadprogramme heruntergeladen werden könnten, die es einem Täter im schlimmsten Fall ermöglichten, einen PC uneingeschränkt aus der Ferne zu steuern. Neben dem richtigen Umgang mit fragwürdigen E-Mails, müssten Verbraucher im Identifizieren unsicherer Webseiten geschult werden, meinte Walter. „Beginnt die Internetadresse mit https, deutet dies auf eine sichere Verbindung hin. Und auch das Schloss-Symbol im Browser verifiziert eine Seite, die durch Dritte viel schwieriger zu manipulieren ist.“ Über den Phishing-Radar der Verbraucherzentrale können derzeit in Umlauf befindliche Betrügereien eingesehen und gemeldet werden. Kriminalpolizist Uwe Walter, bei dessen Kommissariat nach eigenen Angaben jede Woche mehrere Fälle zur Anzeige gebracht werden, hat neben dem Menschen auch die genutzte Technik selbst als Schwachstelle ausgemacht. 

„Es sollte immer ein aktuelles Betriebssystem sowie ein Antivirenproramm mit Spyware-Schutz verwendet werden. Beides muss regelmäßigen Updates unterzogen werden, um erkannte Sicherheitslücken zu schließen“, erklärte Walter. Ist man trotz aller Vorsichtsmaßnahmen Opfer eines Identitätsmissbrauchs geworden, gilt es richtig und schnell zu handeln, so Andreas Winkler, der empfahl, betroffene Konten und Karten umgehend sperren zu lassen. „Sobald eine Straftat begangen worden ist, sollte immer Strafanzeige erstattet werden. Das ist auch als Nachweis bei der Abwehr unberechtigter Zahlungsaufforderungen nützlich“, betonte Walter. Wer sich im World Wide Web künftig besser schützen möchte, kann den kostenfreien Vortrag „Phishing, Fake und Abofallen“ nutzen, bei dem die Kemptener Verbraucherzentrale in Kooperation mit der Stadt am Donnerstag, 21. März im Altstadthaus (Schützenstraße 2) zum Thema referiert. Beginn ist um 15.30 Uhr. 

Dominik Baum

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