Sind die Befreiungen vom Mund-Nasen-Schutz gerechtfertigt?

Polizei durchsucht drei Arztpraxen in Kempten und im Oberallgäu

Ein Arzt hält ein Stethoskop in der Hand.
+
Sind die nötigen Untersuchung durchgeführt worden und liegt eine ausreichende Indikation vor? Dieser Frage gehen Polizei und Staatsanwaltschaft nun nach.

Kempten/Oberallgäu - Beamte der Polizeiinspektion Kempten und der Kriminalpolizei Kempten durchsuchten am heutigen Dienstag drei Arztpraxen. Vier Ärzte werden verdächtigt, ungerechtfertigt Befreiungen vom Mund-Nasen-Schutz ausgestellt zu haben.

Etwa 20 Beamte durchsuchten mit richterlichen Beschlüssen des Amtsgerichts Kempten zwei Praxen in Kempten und eine im Landkreis Oberallgäu. Das melden die Polizeiinspektion Kempten und die Staatsanwaltschaft Kempten in einer Pressemitteilung.

Die Staatsanwaltschaft Kempten führt ein Ermittlungsverfahren gegen insgesamt vier Ärztinnen und Ärzte im Alter zwischen 40 und 66 Jahren. Dabei geht es um den Verdacht, dass die Mediziner unrichtige Gesundheitszeugnisse ausgestellt haben sollen. Konkret geht es um Befreiungen von der Verpflichtung, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, die eine der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie darstellt. Im Zentrum der Ermittlungen stehe die Frage, ob die Befreiungen ohne entsprechende ärztliche Untersuchungen ausgestellt worden sind.

Pressesprecher Holger Stabik erklärt, dass Bürger bei Kontrollen den Polizeibeamten immer wieder Atteste ausgehändigt hätten, wonach sie von der allgemeinen Maskenpflicht befreit seien. „Diese Atteste stammten nicht aus der ganzen Breite der Ärzteschaft, sondern nur von einigen wenigen“, erklärt Stabik. So sei der Verdacht zu Stande gekommen.

Die Beamten stellten bei der heutigen Durchsuchung eine Vielzahl an Dokumenten sicher. Mit ihrer Hilfe werde nun überprüft, ob tatsächlich eine medizinische Indikation vorliegt beziehungsweise Untersuchungen durchgeführt wurden, die eine Befreiung vom Mund-Nasen-Schutz rechtfertigen. „Wir agieren vorsichtig, weil die Atteste ja durchaus ihre Berechtigung haben könnten“, so Stabik, „aber wir nehmen den Verdacht ernst.“

Bei den Durchsuchungen waren auch Vertreter der Staatsanwaltschaft Kempten vor Ort.
Von den Ermittlungen hänge auch ab, wie die Staatsanwaltschaft über die Verfahren gegen die Patienten entscheidet, die die Gesundheitszeugnisse gebraucht hatten.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Serie: Kneippen macht Laune - Der kalte Halswickel
Serie: Kneippen macht Laune - Der kalte Halswickel
ARD-Filme komplett im Allgäu gedreht
ARD-Filme komplett im Allgäu gedreht
Corona-Ticker Kempten: Aktuelle Regeln für Schulen und KiTas – Klinikverbund Allgäu verhängt Besuchsverbot
Corona-Ticker Kempten: Aktuelle Regeln für Schulen und KiTas – Klinikverbund Allgäu verhängt Besuchsverbot
Corona-Ticker: Notbremse im Oberallgäu - Deutschlandweit ruhige Ostern
Corona-Ticker: Notbremse im Oberallgäu - Deutschlandweit ruhige Ostern

Kommentare