Besondere Auszeichnung

Der Wettermann

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Dr. Harald Maier (rechts), Referatsleiter der Außenstelle Weihenstephan des Deutschen Wetterdienstes, überreicht Hans-Joachim Misch die Urkunde des Bundespräsidenten und die Bundesverdienstmedaille.

Kempten – Das Wetter ist für Hans-Joachim Misch mehr als ein Hobby. Seit 49 Jahren arbeitet er ehrenamtlich als phänologischer Beobachter für den Deutschen Wetterdienst. Das heißt, er erforscht den Entwicklungsstand von Pflanzen, der Aufschluss über die Witterungsbedingungen an einem Standort gibt.

Für sein Engagement erhielt Hans-Joachim Misch am Mittwochvormittag in der Schrannenhalle die Bundesverdienstmedaille.

Bürgermeister Josef Mayr (CSU) deutete in seiner Ansprache das derzeitige Hochwasser in Teilen Deutschlands an: „Das Wettergeschehen hat gerade in diesen Tagen hohe Aktualität.“ Der Frühling sei heuer im wahrsten Sinne des Wortes den Bach heruntergegangen. „Herr Misch, Sie sammeln Daten und gleichen diese mit anderen Beobachtungen ab“, sagte Mayr. Der 66-Jährige sei ein gesuchter Gesprächspartner der Medien, Schulen und Bürger gewesen. „Sie brachten Licht ins Dunkel beim komplexen Geschehen des Wetters“, meinte der Bürgermeister. Auch für die künftige Wettervorhersage werde eine fundierte und wissenschaftliche Beobachtung notwendig sein.

Die Laudatio auf Hans-Joachim Misch hielt Dr. Harald Maier, Referatsleiter der Außenstelle Weihenstephan des Deutschen Wetterdienstes. Er verkündete zunächst positive Aussichten: „Die nächste Woche wird von Sonne geprägt sein.“ Maier erklärte die Bedeutung des Begriffs Phänologie als die Lehre vom Einfluss der Witterung und des Klimas auf den jahreszeitlichen Entwicklungsgang der Pflanzen. „Sie ist die Wissenschaft, die sich mit den regelmäßigen Beobachtungen der Entwicklung von wild wachsenden und landwirtschaftlichen Kulturpflanzen befasst.“

Besonderes Engagement

Von 1964 bis 1978 habe Hans-Joachim Misch an der phänologischen Station München-Ludwigs-Vorstadt Veränderungen in der Pflanzenwelt erfasst und notiert, seit 1979 tue er dies im Raum Kempten. „Phänologische Beobachter wie Sie zeichnen zwei bis sieben Mal in der Woche Daten auf“, erklärte Maier. Der Phänologe müsse für seine Tätigkeit besonderes Engagement mitbringen. „Urlaub, Feiertage – das sind keine Begriffe für Phänologen“, verdeutlichte der Agrarmeteorologe.

Zur Erfassung der Daten würden sie mit einer Mappe ausgestattet. „Die Pflanzen selbst werden gefragt, sie sind natürliche Sensoren.“ Denn die Gewächse würden vor allem die Witterungsbedingungen an einem Standort widerspiegeln. „In diesem Jahr gab es eine Verzögerung von drei Wochen bei der pflanzlichen Entwicklung, da drei Monate deutlich kälter waren als die monatliche Durchschnittstemperatur“, so Maier. Das heutige Datennetz würde überwiegend von Ehrenamtlichen betrieben und vom Deutschen Wetterdienst betreut. „Wenn der Obstbauer wissen will, wann Spätfrost auftritt und er seine Bäume schützen muss, dann wendet er sich an den Wetterdienst.“ Die Pollenflugvorhersage sei ohne phänologische Daten nicht möglich. Dr. Harald Maier sprach Ergebnisse der langjährigen Wetterbeobachtung an: „Der Frühling im Allgäu kommt durchschnittlich früher als noch vor ein paar Jahrzehnten. Es ist eine Verfrühung vom 8. März auf den 25. Februar.“ Deswegen müsse sich die Pflanzenzüchtung klimatisch anpassen.

Maier übergab Hans-Joachim Misch einen Präsentkorb, las ihm die Urkunde des Bundespräsidenten Joachim Gauck vor und heftete ihm die Bundesverdienstmedaille an.

Franziska Kampfrath


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