Verein aus Kempten hilft Kindern aus der Ukraine

Ort der Hoffung für Opfer von Supergau und Bürgerkrieg

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Mit den Besuchern der Veranstaltung sprachen (v.li.) Hans-Jürgen Thiemer vom Förderverein der Ostkirche, Viktor Simon, Generalsekretär der Caritas-Spes der Ukraine, Brigitte Römpp, 1. Vorsitzende von Mdantsane e.V., und Oleg Gelemej, leitender Arzt des Kinderdorfs Jablunitsa.

Kempten – Zu einer Präsentation seiner wohltätigen Aktivitäten hatte am vergangenen Donnerstagabend der Verein Mdantsane e.V. in das Haus International eingeladen. Neben der 1. Vorsitzenden Brigitte Römpp, die über die verschiedenen Einsatzfelder des Vereins in der Ukraine sprach, waren vom Kinderdorf Jablunitsa aus den Westkarparten auch der dortige Arzt und Leiter des Kinderdorfes, Oleg Gelemej, und der Generalsekretär der Caritas-Spes in der Ukraine und Kiew, Viktor Simon, gekommen. Gemeinsam sprachen alle über die schlimme Lage von Kindern in der Ukraine, die häufig unter Armut und Angst leiden.

Anlass für die Aktivitäten des Vereins war die Reaktorkatastrophe von 1986, als in Tschernobyl in der nördlichen Ukraine ein Kernreaktor havarierte und es zu einer folgenschweren nuklearen Katastrophe kam, bei der Menschen sowohl in der Ukraine als auch in Weißrussland massiv Schaden an ihrer Gesundheit nahmen. Durch die radioaktive Verstrahlung kam es in den Folgejahren zu unter anderem schweren Missbildungen bei Neugeborenen und Krebserkrankungen bei Erwachsenen.

Allgäu als Erholungsort für Betroffene

Noch heute, 31 Jahre nach der Katastrophe, sind Menschen, die vom Unglück betroffen waren, zeugungsunfähig oder wagen es nicht Kinder in die Welt zu setzen. Im Jahr 1995 begann Mdantsane e.V. sein caritatives Werk, indem Medikamente und Krankenhauseinrichtungen im Wert von 500.000 Euro in die betroffenen Gebiete gebracht wurden. Vor Ort erfuhren die Helfer das Leid der Kinder hautnah und so beschloss man Kinder aus dem Oblast Gomel zur Erholung nach Kempten ins Allgäu zu holen. Hier hatten die Kinder die Gelegenheit Abstand von den radioaktiv verseuchten Gebieten zu bekommen. So kamen bisher rund 500 Kinder ins Allgäu.

Rückzugsort für traumatisierte Kinder

Um noch mehr Hilfe vor Ort leisten zu können, nutzt der Verein unter der Rigide der katholischen Caritas-Spes seit drei Jahren auch ein Kinderdorf in der Ortschaft Jablunitsa in den Westkarparten. Ausgeweitet hat man die Arbeit nun auch auf die vom Bürgerkrieg betroffenen Kindern aus der Ostukraine. So kommen das Jahr über rund 400 Kinder in das Kinderdorf Jablunitsa. Während der Ferienzeit in den Sommermonaten ist das Kinderdorf belegt mit traumatisierten Kindern aus dem Donbass, während in den übrigen Monaten Kinder, die zum Teil unter Missbildungen in der Folge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl leiden, dort Ruhe und Erholung finden. „Bevor unsere Kinder sich zum Frühstück begeben, rennen alle zuerst zum Brunnen, um sich mit unserem Quellheilwasser zu stärken“, sagt Römpp. „Wir versuchen den Kindern die Möglichkeit zu geben, Abstand zu gewinnen von einem andauernden Bürgerkrieg in den Gebieten rund um Donetsk und Luhansk“, so Generalsekretär Simon. „Neben dem Kinderdorf Jablunitsa betreibt die katholische Wohlfahrtsorganisation Caritas-Spes in den Gebieten, die unter der Kontrolle der Regierung aus Kiew stehen, unter anderem Suppenküchen, Tafeln und kleine medizinische Zentren, die zum Teil nur aus Containern bestehen, aber bei der Bevölkerung sehr nachgefragt werden. Die Menschen vor Ort leiden nicht direkt an Hunger oder haben keine Kleidung am Leib, aber sie leiden massiv unter den Folgen des Krieges, wie einer permanenten Unsicherheit, Angstzuständen und einer hohen Arbeitslosigkeit. Daraus resultiert ein weiteres Problem der Ukraine: die zunehmende Drogenabhängigkeit junger Menschen“, weiß Simon weiter zu berichten. Wenn man den Mann der Caritas-Spes nach seiner Einschätzung des Bürgerkrieges in der Ukraine befragt, antwortet dieser: „Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit.“

Der Verein Mdantsane e.V. erhielt im vergangenen Jahr durch die Sozialbau ein Spende von 1000 Euro und war Begünstigter der Aktion „Sternstunden“ des Bayerischen Rundfunks. 

Jörg Spielberg

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