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Vergärungsanlage Kempten-Schlatt erhält eine neue Sortiertechnik

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Seit 1992 gibt es eine vom ZAK betriebene Vergärungsanlage in Kempten-Schlatt. Die Anlage liefert jährlich Strom für 2400 Haushalte und Wärme für 1222 Haushalte.

Kempten – Kempten verfügt seit 1992 über eine Vergärungsanlage. Diese produziert derzeit für rund 2400 Haushalte Strom und liefert für 1222 Haushalte Wärme.

24.000 Tonnen Bioabfälle werden jährlich zu 8500 Tonnen Komposterde verarbeitet und liefern dadurch die Basis für die Erzeugung von Strom und Wärme. Dabei erhält der Zweckverband für Abfallwirtschaft ZAK als Betreiber der Vergärungsanlage über das 1992 eingeführte Sammelsystem der braunen Biotonnen den begehrten Rohstoff Biomüll. 2008 wurde die Anlage für 5,8 Millionen Euro zur hochmodernen Vergärungsanlage für Grüngut und Bioabfälle umgerüstet. 

27 Jahre nach der Erstinbetriebnahme gab es nun wieder die Gelegenheit, eine Neuinvestition zu feiern. Die Vergärungsanlage erhielt für rund 2,8 Mio. Euro eine neue Sotieranlage. „Wir haben seit Bekanntgabe unserer Investition schon rund 1000 Anrufe von ähnlichen Einrichtungen erhalten, die unsere wohl modernste Kompostanlage Deutschlands in Augenschein nehmen wollen“, sagte der Geschäftsführer des ZAK Karl Heinz Lumer nicht ohne Stolz. Ein wesentliche Voraussetzung, um aus Biomüll und Grüngut am Ende hochwertigen Kompost zu erhalten, liegt in der Befreiung von Störstoffen. Störstoffe sind vor allem Kunsstoffe, aber auch Metalle und anderer Restmüll. Diese müssen in einem automatisierten Verfahren aus dem kompostierbaren Material maschinell herausgefiltert werden.

Die neue Sortiertechnik

Zuvorderst müssen die Teile des Biomülls und Grünguts grob vorfraktioniert werden, bevor sie dann durch die neue Sotiertechnik in drei Größen vorsortiert werden. Als Sortierergebnis entstehen drei Fraktionsgrößen, kleine Teile von 0 bis 40 Millimeter Größe, mittlere Teile von 40 bis 150 Millimeter und Teile, die größer als 150 Millimeter sind. Letztere werden sofort separiert und zum Müllheizkraftwerk transportiert, bei den anderen erkennt Infrarottechnik die enthaltenen Störstoffe, die im Anschluss mit Hilfe von gezielten Luftstößen aus der Masse „herausgeschossen“ werden. Nur Teile der ersten und zweiten Fraktion gelangen dann zur Weiterverarbeitung in den Kompostierturm. 

Dort entsteht in rund 20 Tagen ein Sediment aus Kompost und zusätzlich Methan, das auch als Biogas bekannt ist. Das erzeugte Biogas wird in drei modernen Blockheizkraftwerken, mit je 340 Kilowatt Leistung, in Strom und Wärme umgewandelt. Andreas Breuer, Leiter für Technik, Abfallmanagement und neue Energien beim ZAK führte eine rund 50 Kopf große Gruppe von Besuchern durch die Anlage und betonte noch einmal, wie wichtig es ist, dass möglichst keine Störstoffe wie Kunststoff in den Biomüll geraten. 

Immer noch Plastik im Biomüll 

Auch ZAK-Aufsichtsratsvorsitzender Gebhard Kaiser sprach in seiner Rede zur Einweihung der neuen Sortieranlage deutliche Worte: „Das Thema Kunststoff, Mikroplastik und Vermüllung der Weltmeere ist zurzeit in aller Munde. Leider gibt es in unserer Gesellschaft immer noch viele Menschen, die sich keine Gedanken zum Thema Müll machen und gedankenlos Kunststofftüten in den Biomüll werfen. Wir werden hier noch Aufklärungsarbeit leisten müssen.“ 

Eine Erfolgsgeschichte

In seinen Ausführungen vor den zahlreichen Gästen betonte Kaiser, dass der Gedanke der Werthaltig- und Nachhaltigkeit das Abfallkonzept des ZAK von Beginn an wie ein roter Faden durchzogen hat. „Ökologie und Ökonomie haben sich für den ZAK stets ergänzt und nicht ausgeschlossen“, so der Vorsitzende. 260 Millionen wurden seit 1992 in eine moderne und umweltschonende Abfallwirtschaft investiert und die Abfallmenge konnte seither um die Hälfte reduziert werden. Mit besonderem Stolz erfüllt es Kaiser und die Verantwortlichen des ZAK, dass sich der ZAK zum größten CO2-Entlaster der Region entwickelt habe. Insgesamt wird die Umwelt um 70.000 Tonnen CO2 entlastet, was zu einem Rückgang der Ausstöße in Kempten von neun Prozent geführt hat. 

Jörg Spielberg

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