Die Verkehrsexperten sagen ja

Die Verkehrsbelastung im Bereich Berliner Platz/ Kaufbeurer Straße hat zugenommen. Das ergibt sich aus einem Verkehrsgutachten, das Reiner Neumann von der Firma Modus Consult vergangene Woche dem Verkehrsausschuss präsentiert hat. Neumanns Zahlen scheinen denjenigen Recht zu geben, die schon lange die so genannte Nordspange fordern, denn diese Straße würde einen Teil des Verkehrs zur Memminger Straße leiten, so der Experte.

Vergangen November hat das Ulmer Büro zum zweiten Mal nach 2002 eine Verkehrszählung an Verkehrsknotenpunkten in Kemptens Norden und Osten vorgenommen. Das Ergebnis: Während an den Messpunkten in der Memminger und der Dieselstraße südlich der Porschestraße weniger Fahrzeuge vorbeikamen als vor sechs Jahren, nahm der Verkehr an zwei Knotenpunkten in der Kaufbeurer Straße und in der Stephanstraße zu. In Zahlen: Rund 15000 Fahrzeuge zählte Modus Consult binnen 14 Stunden in der Memminger Straße, 2002 waren es noch 16000 In der Dieselstraße waren es mit rund 6000 etwa 200 weniger als vor sechs Jahren. Prognose trat früher ein In der Kaufbeurer Straße südlich der Anschlussstelle Leubas passierten rund 23000 Kfz den Messpunkt, 21000 waren es 2002. Südlich der Dieselstraße, die zum Kaufmarkt führt, zählten die Verkehrsexperten rund 31500 Fahrzeuge, gut 3500 mehr als bei der früheren Zählung. Prozentual nahm der Verkehr in der Stephanstraße, der beginnenden B12, am stärksten zu. Mit rund 27000 Fahrzeugen zählte Modus Consult knapp 4000 Kfz oder 17 Prozent mehr. „Wir sind mit der Ist-Situation sehr dicht an den Prognosezahlen dran“, erklärte Neumann. In anderen Worten: Die Verkehrsbelastung, die Modus Consult vor sechs Jahren für das Jahr 2015 voraus gesagt hat, ist im Prinzip jetzt schon eingetreten. Die neue Prognose des Instituts sagt noch einmal mehr Fahrzeuge für 2020 bis 2025 voraus. Für OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) ein Signal für die Notwendigkeit der Nordspange. Die, so Neumann, könne 10200 Fahrzeuge pro Tag zur Memminger Straße leiten und so Kaufbeurer Straße und Adenauerring entlasten. Kritik kam von Seiten der Grünen und der UB/ödp. Grünen-Fraktionschef Thomas Hartmann wollte von Neumann wissen, ob es auch eine Untersuchung über andere mögliche Lösungen als die Nordspange gebe. Er stieß auf Unverständnis im Gremium, denn es gebe nur eine Untersuchung der Verkehrssituation. „Wie kann man dieses Bauwerk vermeiden?“, konkretisierte Hartmann. Offenbar gar nicht, so das Fazit. Denn ein Umbau des Berliner Platzes, wie vom Grünen-Fraktionschef angeregt, würde laut Neumann nicht die zahlreichen anderen Knotenpunkte in der Kaufbeurer Straße entlasten und sei kaum billiger als das zehn Millionen Euro teure Großprojekt Nordspange. "Brauchen Nordspange nicht" Ideologische Befangenheit warf UB/ödp/FDP-Vertreter Michael Hofer dem OB vor. „Sie wollen nur Wachstum, Wachstum, Wachstum. Sie wollen die Nordspange, wir brauchen sie aber nicht“, so Hofer an die Adresse von Netzer. Nach seiner Ansicht blase der Bau der Straße mehr CO2 in die Luft, als man durch die bessere Verkehrsführung einsparen könne. Als bloße Gemeindeverbindungsstraße tat der CSU-Fraktionsvorsitzende Erwin Hagenmaier das Bauwerk ab. „Das einzig spektakuläre ist die Brücke“, erklärte er. Aber eben wegen des vierten Wegs über die Iller sei die Nordspange wichtig, um die Gewerbegebiete im Norden, etwa in Ursulasried, zu erschließen, so die Meinung von OB und CSU-Fraktion. Denn: „Wir stellen im Norden mehr und mehr Wohn- und Gewerbeflächen zur Verfügung“, so Hagenmaier. Generelle Kritik an der Vorgehensweise kam vom Grünen Stadtrat Eduard Bühler. „Wir doktern nur an Prognosen herum“, erklärte er. Die Prognose für 2015 habe Modus Consult bereits vergangenes Jahr revidieren müssen. Ihm fehle ein Gesamtkonzept.

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