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Vernissage eröffnet dritte Runde in den Kunstarkaden

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Affen auf einer Schubkarre zum Abtransport bereit – Torsten Mühlbach kritisiert damit die teils illegale Rodung des Regenwaldes für den Palmölanbau und macht auf die Folgen für Tier- und Pflanzenwelt aufmerksam. © Baum

Kempten – Einmal mehr warten die Kunstarkaden mit den beiden Münchner Bildhauern Andreea Faciu und Torsten Mühlbach sowie dem Schweizer Reto Steiner als neuen „Artist in Residence“ mit renommierten Künstlern auf. Die Vernissage am vergangenen Samstagabend läutete bereits die dritte Runde in den Kemptener Kunstarkaden ein und lockte dabei zahlreiche Kunstinteressierte in den 25 Meter langen Ausstellungsraum.

Kunsthistorikerin Elisa Ludwig stellte dem Publikum einige der bis zum 13. April ausgestellten Werke und deren Schöpfer vor. Zuvor fand sie lobende Worte für Kunstarkaden-Initiator Guido Weggenmann, der besonders den Austausch zwischen den Künstlern untereinander sowie mit den Gästen fördere. 

Die in der rumänischen Hauptstadt Bukarest geborene Andreea Faciu studierte – ebenso wie Mühlbach – an der Akademie der Bildenden Künste in München Bildhauerei. Während Mühlbach mit seinen Werken bewusst provoziere, verstecke sich die Bedeutung Facius Kunst „eher zwischen den Zeilen“, so die Kunsthistorikerin, wobei sie ein Land – die Vereinigten Staaten von Amerika – besonders beschäftige. Die so genannte Amerikanisierung Deutschlands seit Ende des Zweiten Weltkriegs, die die Kultur und das Werteverständnis der USA mit sich brachten, wurde von der Gesellschaft lange Zeit sehr positiv wahrgenommen. Vor allem in den letzten Jahren büßte das Land aufgrund der sich gewandelten Politiklandschaft mit umstrittenen Entscheidungen an internationalem Ansehen ein. Doch bereits vor diesem Wandel, nämlich im Jahre 2008, interessierte sich die Bildhauerin für das Land, wodurch die Installation „Unique Security Area“ entstand. 

Hierbei wurde die zweidimensionale Flagge des Landes in ein dreidimensionales Kunstwerk transformiert, das an einen fragilen Unterschlupf erinnere. „Die Frage nach der Bedeutung von Heimat und Geborgenheit können als zentrale Themen dieser Arbeit ausgemacht werden“, erklärte Elisa Ludwig, wobei sie ergänzte, dass es bei Facius Werken immer um existenzielle Fragen ginge. 

Auch der Arbeitsprozess selbst ist für die Bildhauerin elementar. „Die Kunstwerke sind nie wirklich fertig. Es kann sich immer noch etwas ändern“, verriet Faciu vor einem ihrer Werke, das an eine aus dem Boden ragende und bis in den Himmel reichende Säule erinnert, die von ineinander verknoteten Industrierohren umgeben ist. „Über drei Tage hinweg habe ich immer wieder daran gearbeitet. Kurz vor Beginn der Vernissage stand ich für den letzten Feinschliff noch auf der Leiter“, so Faciu. 

Bei Torsten Mühlbach ist die Mülltüte ein beliebtes Material, das er in seinen Werken verarbeitet. Er erzählte, wie es dazu kam: „Während des Studiums habe ich in Mülltonnen nach geeignetem Arbeitsmaterial gesucht und dieses nach Farben sortiert“, so der Bildhauer, der dabei letztlich an den Mülltüten selbst hängengeblieben war und feststellte, dass es diese neben der typischen blauen Farbe in Deutschland international in den verschiedensten Farben zu finden gab. „Für Torsten Mühlbach sind Mülltüten ein mit Farbe angereichertes Chemieprodukt, das den Müll und den Dreck der Gesellschaft verdecken soll“, offenbarte die Kunsthistorikerin die bereits dem Arbeitsmaterial innewohnende Kritik Mühlbachs. Doch auch die Werke selbst sollen den Betrachter zum Nachdenken und Reflektieren anregen. „Trotzdem muss jeder für sich entscheiden, in welcher Welt er leben möchte“, stellte Mühlbach heraus, dass er niemanden zum Handeln zwingen will. Thematisch greife er all das auf, was ihn im Alltag inspiriere, so der Künstler weiter. Wie vielfältig diese Inspiration ausfallen kann, zeigen die ausgestellten Kunstwerke, darunter die Installationen „Welcome to the Jungle“ und „Monkey Business“, die auf die Folgen des zunehmenden Palmölkonsums aufmerksam machen sollen. Erstere zeigt teils umgeknickte Plastikpalmen mit Totenköpfen als Sockel, die auf einer Europalette befindlich bereit für den Abtransport mit dem Handhubwagen stehen. Mühlbach spielt hierbei auf die teils illegale Rodung des Regenwaldes an, um für die Palmölplantagen Platz zu schaffen. Letztgenannte Installation präsentiert auf eine Schubkarre geladene Plastikaffen – ebenfalls bereit zum Abtransport. Dieses Werk zeigt auf, dass neben der Pflanzen- auch die Tierwelt vom unmenschlichen Vorgehen unmittelbar betroffen sei. 

Ein besonders auffälliges Werk des Bildhauers stellt ein riesiges, mitten im Raum stehendes Kreuz dar, das die Logos zahlreicher Großkonzerne aufweist. „Wir beten diese Marken geradezu an. Dabei wäre es sinnvoll, ab und an das eigene Konsumbewusstsein zu hinterfragen“, erklärte Mühlbach dazu. Mit dem Kunstwerk „&$!%“ möchte der Künstler darauf aufmerksam machen, wie die als Emojis bekannten Pikto- und Ideogramme unsere Sprache beeinflussen und zum Teil ersetzen, wodurch beim Kommunizieren vermehrt Missverständnisse entstehen. 

Eine weitere Thematik, die Torsten Mühlbach verarbeitet, ist die Kriegsverherrlichung der Menschen und kritisiert Deutschland als Rüstungsexportweltmeister. Der aus Frutigen in der Schweiz stammende Steinbildhauer Reto Steiner wird für vier Wochen als „Artist in Residence“ die Räumlichkeiten vor Ort nutzen, um neue Kunst entstehen zu lassen. „Ich bin jetzt seit drei Tagen hier und momentan noch mit der Bestandsaufnahme des Raumes beschäftigt. Ich denke, dass ich viel mit den Wänden arbeiten werde“, gab Steiner einen Ausblick. Das fertige Ergebnis kann dann am Sonntag, 5. Mai um 19 Uhr begutachtet werden. 

Für alle, die sich nicht so lange gedulden wollen, bietet der Steinbildhauer jeden Sonntag zwischen 11 und 14 Uhr ein „Open Studio“ an, währenddessen er Einblicke in den Entstehungsprozess gibt. Ebenfalls im Kalender vormerken kann man sich den Freitag, 29. März, um 15 Uhr, wenn Andreea Faciu und Torsten Mühlbach eine Führung durch den Ausstellungsraum der Kunstarkaden (Königstraße 18-20) geben.

Dominik Baum

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