Alles anders als geplant

Verspätete Frühjahrsvollversammlung des SJR blickt trotz unruhiger Zeiten zuversichtlich in die Zukunft

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Stefan Keppeler, Vorsitzender Stadtjugendring Kempten, blickt zuversichtlich nach vorne.

Kempten – Das Jahr 2020 verläuft bekanntlich alles andere als normal.

Aus diesem Grund hat auch die Frühjahrsvollversammlung des Stadtjugendrings (SJR) Kempten mit deutlicher Verspätung stattgefunden. „Seit 19. März steht unsere tägliche Arbeit, wie wir sie kennen, still. Alle Seminare und Veranstaltungen wie etwa 25 Jahre Thingers oder unser wunderbares Jugendkulturfest Fraisuti sind für dieses Jahr abgesagt“, stellte Stefan Keppeler, der Vorsitzende des SJR Kempten, mit Bedauern fest. 

Ein herzliches Dankeschön ging gleich zu Beginn der Veranstaltung an den Gastgeber, die Evangelisch- Freikirchliche Gemeinde (EFG) in Kempten, die ihr geräumiges Gemeindezentrum für das Treffen der 31 Jugendverbände und Initiativen zur Verfügung gestellt hatte. „Wir haben acht Wochen an dem Konzept gefeilt, damit wir unsere Frühjahrsvollversammlung unter Einhaltung aller Hygienevorschriften doch noch stattfinden lassen können. Da kann ich nur ein riesiges Dankeschön an unser Team sagen, die uns das ermöglicht haben.“ 

38 Delegierte der verschiedenen Organisationen waren anwesend, und somit war die Versammlung beschlussfähig. Entscheidend, denn die Genehmigung eines Nachtragshaushaltes lag den Verantwortlichen sehr am Herzen. Dabei ging es unter anderem um die Summe von rund 71.000 Euro für die Übernahme der offenen Ganztagsbetreuung der Mittelschule bei der Hofmühle. Außerdem wird der SJR dieses Jahr deutlich mehr Geld für die aktuellen Hygienemaßnahmen ausgegeben müssen als geplant. „Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie teuer Desinfektionsmittel sein kann“, offenbarte Geschäftsführer Alexander Haag bei seiner Vorstellung des Haushaltsberichts. 

Auch dieses Mal musste der Haushalt ausgeglichen werden. 0,27 Prozent der Haushaltssumme wurde aus Rücklagen eingespeist. „Einen großen Dank“ richtete Haag außerdem ausdrücklich an die Stadt Kempten, „unseren wichtigsten und verlässlichsten Partner“. 

Jugendarbeit vor und mit Corona

Stolz blickte Keppeler auf die zahlreichen Aktionen im vergangenen Jahr zurück: „Wir hatten viele kleine Veranstaltungen, die bewusst nicht in der Presse gelandet sind. Ich denke da etwa an unser Programm „Jugend stärken im Quartier“, bei dem wir rund 16 Projekte gefördert haben. Da waren wir gezielt im Kemptener Osten unterwegs.“ 

Das Escape Game im Jugendzentrum Thingers, die Teilnahme am Liebherr-Race mit „selbstgebauten Seifenkisten“, das Zeitzeugengespräch mit Ernst Grube zur Reichspogromnacht im November oder auch der Stadtnikolaus, um nur ein paar der vielen Veranstaltungen des vergangenen Jahres zu nennen, seien alles äußerst „erfolgreiche und für die Jugendlichen wichtige und lehrreiche Events“ gewesen, so Keppeler. Wie die Arbeit des Stadtjugendrings nach dem Break durch die Corona-Krise weitergeht? 

„Wir fahren gerade stufenweise wieder hoch, natürlich mit einem Sicherheitskonzept. Seit dem 3. Juni sind die Jugendzentren wieder offen und unsere Geschäftsstelle war eh nie geschlossen. Das war uns ganz wichtig. Coronabedingt hat sich allerdings einiges verändert. Wir haben gleich nach dem Shutdown einen Planungsstab eingerichtet. Das heißt, wir haben uns drei Mal die Woche digital getroffen und alles Relevante besprochen. Außerdem haben wir die Zeit zum Renovieren genutzt und versucht, Prozesse zu optimieren“, fasste Keppeler rückblickend zusammen. 

Um für alle Jugendlichen und Jugendleiter weiterhin als Ansprechpartner da sein zu können, arbeitet der SJR seit der Krise mit der App 365 Microsoft Office. Darüber hinaus ist mit 8743x.de ein digitales Jugendzentrum entstanden. „Was uns für die nächsten Wochen natürlich besonders am Herzen liegt, ist die kommende Ferienzeit. Die wollen wir so gut es geht überbrücken, da viele Eltern keinen Urlaub mehr haben, um die Ferienbespaßung zu übernehmen.“ 

Stadt Kempten als starker Partner des SJR

Dass der Stadtjugendring in der Stadt Kempten einen verlässlichen Partner an seiner Seite hat, wurde auch beim Grußwort des 2. Bürgermeisters Klaus Knoll (FW) deutlich. Er zeigte sich beeindruckt davon, wie „schnell der SJR in der Corona-Krise reagiert und damit eindrucksvoll Verantwortung übernommen“ habe. Er wiederholte mehrmals, dass ihm die Anliegen von Kindern und Jugendlichen sehr am Herzen lägen und er immer ein „offenes Ohr“ habe. 

„Einen solchen Partner wie Euch braucht die Stadt“, appellierte er an alle Anwesenden im Saal. Der neue Jugendbeauftragte der Stadt Kempten, Dominik Tartler von der Wählergemeinschaft „Future for Kempten“, machte klar, dass er sich „als Bindeglied“ sehe. „Ich will der Jugend auf kommunaler Ebene Gehör verschaffen. Das ist mir wichtig. Deshalb heißt es reden, reden, reden. Und zwar miteinander. Sprecht mich an und kommt auf mich zu“, ließ der Student der Wirtschaftsinformatik und frisch gewählte Stadtrat seine Altersgenossen wissen. Was steht in diesem Jahr beim SJR noch auf dem Programm? 

„Wir haben einige schöne Termine geplant, die wir hoffentlich auch durchführen können. Im September wollen wir erstmals einen Stammtisch für Jugendverbände einführen. Die Präventionskampagne „Leben statt schweben“ wird vom 16. bis 20. November stattfinden. Unser Weihnachtsmarkt ist dann für den 28. November geplant und natürlich das Highlight am Ende des Jahres, der Stadtnikolaus. Der wird am 5. Dezember durch die Straßen ziehen.“ Dies sei übrigens die besucherstärkste Veranstaltung jedes Jahr. Über 2000 Menschen waren alleine 2019 an der ersten Station am Hildegardplatz zusammengekommen. 

„Um diese Aktion durchführen zu können, sind über 100 Ehrenamtliche nötig. Vom THW über die Feuerwehr bis hin zu den Freiwilligen, die die Päckchen packen. Es ist wunderbar, dass sich so viele für unsere Kinder und Jugendlichen engagieren“, lobte der Vorsitzende des Stadtjugendrings. Er machte während der Versammlung auch deutlich, dass sich das Virus sicherlich auch „wirtschaftlich“ auf den Stadtjugendring auswirke. Trotz allem wolle der SJR aber zuversichtlich in die Zukunft blicken. 

Kathrin Dorsch

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