Apotheken sind bevorratet

Ein verstärktes Interesse besteht derzeit nach der Grippeschutzimpfung

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Petrischale mit wachsenden Viren und Bakterien.

Seltmans/Allgäu – „Ja“, sagt Dr.med. Michael Müller, „ich habe etwa ein Drittel mehr Nachfragen zur Grippeschutzimpfung als vor einem Jahr!“

Der Allgemeinmediziner und Notarzt sieht ein gesteigertes Interesse als Folge der Corona-Pandemie. Er hat deshalb deutlich mehr Impfdosen bestellt als 2019. Ob man sich die Spritze gegen die Influenza geben lassen möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden, meint Dr. med. Müller. 

Die ersten Patienten hat er bereits geimpft, in erster Linie solche mit gutem Allgemeinzustand und intakter Immunabwehr. Für Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem sieht Müller den Oktober als sinnvollen Zeitpunkt : „Die Spritze entfaltet ihre volle Wirkung rund vier Monate lang – also von November bis Ende Februar“, erklärt Müller, „somit erreichen wir bei einer Impfung im Oktober eine ausreichende Immunisierung bis über eine mögliche zweite Grippewelle hinaus.“ Wie stark und wann Grippeviren das Allgäu heimsuchen werden, bleibt abzuwarten, das hängt unter anderem auch vom Wetter ab. Das betont auch Apothekerin Martina Müller-Faßbender aus Weitnau, die den Allgemeinarzt aus Seltmans beliefert: „Wir können nur vorsorgen und abwarten, was kommt. Unsere Kühlschränke sind gut gefüllt.“ 

Tote Viren helfen

Eine Dosis des rezeptpflichtigen Impfstoffes kostet in der Apotheke 22,48 Euro, die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten. Die arzneilich wirksamen Bestandteile sind Teile von Grippeviren, die inaktiviert wurden. Sie sind also nicht mehr infektiös. Auf diese Viren reagiert unser Immunsystem und produziert Antikörper. Werden wir später mit einem der vier akut vorhandenen Virenstämme infiziert, ist unser Immunsystem darauf vorbereitet und kann die Krankheit abwehren. Die vier Stämme werden aufgrund aktueller wissenschaftlicher Daten ausgesucht. Heuer sind es Stämme aus China, Hongkong, den USA und Thailand. 

Mögliche Nebenwirkung

Zu der möglichen Nebenwirkung einer Allergie auf das zur Produktion nötige Hühnereiweiß sagt Dr. Müller: „Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt darüber, was zu tun ist.“ Studienergebnisse aus den USA beziffern das Nebenwirkungsrisiko auf 0,2 Fälle bei einer Million Impfungen. Wer Menschen gegen Influenza impft, der sollte in der Lage sein, einen etwaigen allergischen Schock sofort behandeln zu können. Außer den Ärzten sollen in naher Zukunft auch Apotheker die Spritze setzen dürfen. Hierzu laufen gerade Vorbereitungen auf politischer Ebene und erste Pilotversuche. 

Patienten müssen selbst entscheiden

Während in Berlin gerade die Forderung nach einer „Influenza-Schutzimpfung für alle Deutschen“ (Lauterbach, SPD) erhoben worden ist, gibt es vom Allgemeinmediziner in Seltmans keine aktive Empfehlung für die Impfung gegen die Influenza. Die Leute sollten selbst entscheiden, betont Dr. Müller, „nachdem sie sachlich aufgeklärt worden sind.“ Für ihn liegt der Vorteil der Grippeschutzimpfung im Herbst des Corona-Jahres 2020 aber auf der Hand: „Man verhindert mit großer Wahrscheinlichkeit eine doppelte Infektion mit Influenza-und Covid-19-Viren – beides zusammen, das packt kaum ein Immunsystem!“ Außerdem verursachen weniger Grippe-Kranke weniger Kosten und weniger Ansturm im Gesundheitssystem und in der Wirtschaft, ganz zu schweigen von der geringeren Ansteckungsgefahr im Alltag. 

Masken auch gegen Grippe 

Die erhofft sich Dr. Müller übrigens auch von der Corona-bedingten Einführung der Nase-Mund-Masken: „Deren schützender Effekt gegen die typischen Tröpfchen-und Aerosol-Infektionen ist ja inzwischen klar bewiesen, da gibt’s keine Diskussionen mehr!“ Auch Hände zu desinfizieren und Abstand zu halten dürfte gegen Influenza-Viren ebenso hilfreich sein wie gegen das Virus, das im Jahr 2020 unser Leben bestimmt. 

Lutz Bäucker

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