Kemptener Kripo bekommt neuen alten Chef

Erste Konsequenzen

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Nach der Verhaftung des obersten Kemptener Drogenfahnders bleiben auch zwei Wochen später viele Fragen in der Affäre zunächst ungeklärt.

Kempten – Die Vorwürfe gegen den seit zwei Wochen wegen Drogenbesitzes in Untersuchungshaft sitzenden Leiter der Kemptener Drogenfahndung wiegen offenbar noch weitaus schwerer als zunächst gedacht.

So sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann unter der Woche angesichts der Schwere der Verletzungen der anscheinend verprügelten Ehefrau: „Aktuell stellt sich die Frage, ob es sich um versuchten Totschlag handelt.“ Unterdessen zieht die Affäre bei der Polizei im Allgäu weitere personelle Konsequenzen nach sich. 

Am Montag gab das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West bekannt, dass der ehemalige Leiter der Kemptener Kripo, Albert Müller, mit sofortiger Wirkung wieder nach Kempten zurückkehrt. Müller hatte seit Frühjahr 2013 die Kripo Neu-Ulm geleitet. Die Leitung der Kemptener Drogenfahndung übernimmt nach Polizeiangaben „ein erfahrener Kriminalbeamter aus einer anderen Kriminalpolizeidienststelle“. Bei dieser handelt es sich offenbar um die Dienststelle in Lindau. 

Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Vorwürfe gegen den 52-jährigen Beamten, der vor zwei Wochen nach einem heftigen Ehestreit verhaftet worden war und in dessen Dienstspind später 1,6 Kilogramm Kokain gefunden wurden (der Kreisbote berichtete), heftiger sind als bislang bekannt. Angesichts der Schwere der Verletzungen der Ehefrau sprach Innenminister Joachim Herrmann unter der Woche davon, dass es sich möglicherweise um versuchten Totschlag handeln könnte. 

Die Frau sei „Opfer schwerer Körperverletzung“ geworden, zitiert der Münchner Merkur den Innenminister. 

Spitze des Eisbergs? 

Überhaupt hat die Affäre mittlerweile auch die bayerische Politik erreicht. Alle vier Fraktionen im Bayerischen Landtag forderten auf Antrag von Grünen und SPD am Donnerstag eine lückenlose Aufklärung des Falles und einen schnellstmöglichen Bericht über den Skandal in Kempten. Der Allgäuer SPD-Abgeordnete Dr. Paul Wengert sagte dem Merkur zufolge: „Man muss befürchten, dass es sich möglicherweise nur um die Spitze des Eisbergs handelt.“

 Tatsächlich wird seit Bekanntwerden des Drogenfundes in den Medien munter über mögliche Beziehungen des 52-jährigen Drogenfahnders zur italienischen Mafia im Allgäu spekuliert. Angeblich soll der Mann, der mit seiner Familie in einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Sulzberg lebt, demzufolge auch zwei Neu-Ulmer Drogenfahnder kaltgestellt haben, die Medienberichten zufolge offenbar dabei waren, ihm auf die Schliche zu kommen. Innenminister Herrmann sicherte im Landtag zu, dass sorgfältig ermittelt werde. Polizei und die zuständige Staatsanwaltschaft in München schweigen dagegen weiter und verweisen auf die laufenden Ermittlungen durch das Bayerische Landeskriminalamt. 

So bleibt in dem Fall zunächst weiterhin vieles unklar. Selbst zu den genauen Umständen der Verhaftung des 52-Jährigen wollten sich die Behörden mit Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren auch am Donnerstag auf Anfrage des Kreisboten nicht äußern.

Matthias Matz

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