1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Kempten

Verwirrspiel um die Artilleriekaserne beendet

Erstellt:

Von: Helmut Hitscherich

Kommentare

Verwirrspiel um die Artilleriekaserne beendet
Das Verwirrspiel um die Artilleriekaserne hat nun ein Ende gefunden. © Hitscherich

Kempten - Mit Bekanntgabe der Auflösung des Bundeswehrstandortes Kempten wollte die Stadt die Artilleriekaserne erwerben und damit den Mangel an Gewerbegebieten lösen.

Man vertraute dem Erstzugriffsrecht, hat aber die Rechnung, wie sich jetzt herausstellt, ohne den Wirt gemacht. Falls nämlich der Bund Ansprüche erhebt, verfällt das Erstzugriffsrecht der Kommunen. Der Bund hat, wie bekannt, zwischenzeitlich die Unterbringung der Bundespolizei angeordnet. Das war der erste Sargnagel für das geplante Gewerbegebiet. Dann kamen der Zoll und die Interimslösung für die Bundespolizei hinzu. Somit ist klar geworden, dass sich die Restfläche der Artilleriekaserne nicht mehr für ein Gewerbegebiet eignet. Oberbürgermeister Thomas Kiechle hat zudem bezüglich der Dependancen einen Rückzieher gemacht und die Kaserne nun doch für die Unterbringung von 380 Flüchtlingen angeboten.

„Die Flüchtlingsunterbringung war nicht einfach, wie auch die finanzielle Seite“, so Kiechle auf Nachfrage des Kreisboten.

Die Überlegungen, sämtliche Dienststellen des Polizeipräsidiums Allgäu Süd/West am Pfeilergraben in einem Neubau unterzubringen, wurden seitens der Stadt aus denkmalschutzrechtlichen Gründen abgelehnt. Stattdessen wurde dem bayerischen Innenminister seitens des Oberbürgermeisters der Vorschlag unterbreitet, diese in der Artilleriekaserne unterzubringen. Verena Gros, Stellvertretende Pressesprecherin des Bayerischen Staatsministeriums des Inneren, für Sport und Integration, hat auf Anfrage mitgeteilt, dass die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben nach eingehender Prüfung zu dem Ergebnis komme, der gesamte Bedarf von Bund und Land könne auf dem Gelände der Artilleriekaserne in Kempten verwirklicht werden.

„Das umfasst nicht nur Liegenschaften von Zoll, Bundespolizei und THW. Auch der Flächenbedarf des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West am Standort Kempten und für eine Unterkunftsdependance des ANKER Schwaben kann dort gedeckt werden. Die Stadt Kempten ist damit einverstanden, da das ursprünglich angedachte Gewerbegebiet angesichts der Flächenanforderungen von Bund und Land dort nicht weiterverfolgt werden kann. Das staatliche Bauamt in Kempten wird nun die Planung für Bund und Land übernehmen und zunächst ein Grobkonzept entwerfen“, so die Pressestelle weiter. Die Planung aus einem Guss habe den Vorteil, dass die erforderliche Erschließung mit Straßen sowie das Ver- und Entsorgungsnetz optimal aufeinander abgestimmt werden können.

Das betrifft auch die notwendigen Sicherheitsaspekte. „Sobald eine erste Grobplanung vorliegt, kann der Freistaat die Vertragsverhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben angehen. Bis dahin können die Planungen für die alternativen Standorte der beiden Unterkunftsdependancen ruhen.“ Oberbürgermeister Thomas Kiechle bedauerte gegenüber dem Kreisboten mit einem weinenden Auge, dass sich die Idee des Gewerbegebietes in der Artilleriekaserne zerschlagen habe, denn der Bedarf an Gewerbegebieten sei groß. Andererseits öffne sich damit die Chance, dort einen Behördenstandort zu realisieren. „Der jetzige Schritt ist folgerichtig und muss konsequent weitergedacht werden im Hinblick auf Behördenstandort. Jetzt haben wir die Chance, das Ganze neu zu planen. Ich bin ganz guter Dinge, dass das was Gutes wird.“

Auch interessant

Kommentare