Zurück im Tal

Ein heimeliger Alpabtrieb

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Nach ein paar Minuten ist alles vorbei. Wer den Zug der Herde durchs Dorf nicht verpassen will, sollte daher beim Haldenwanger Viehscheid pünktlich sein.

Haldenwang – Der traditionelle Alpabtrieb in Haldenwang ist nicht nur der wohl nördlichste im Oberallgäu, sondern auch einer der kleinsten und letzten des Jahres.

Während beispielsweise in Gunzesried über 1000 Stück Vieh ins Tal getrieben werden, war es heuer in Haldenwang eine einzige Herde mit gerade mal 80 Rindern. Dem Charme der Veranstaltung tut das aber ganz und gar keinen Abbruch. Zwischen 1500 und 2000 Besucher aus Nah und Fern waren in diesem Jahr nach Bürgermeister Anton Klotz´ Schätzung gekommen.

Was den Viehscheid angeht, ticken in Haldenwang die Uhren ein wenig anders als in anderen Gemeinden. Hier ist der Alpabtrieb keine kommerzielle Großveranstaltung, sondern eine ganz heimelige Angelegenheit, mit Musik, Speis´ und Trank und nur einem Verkaufsstand, an dem man kleine Kuhschellen, Spielzeugtraktoren und –kühe, Kälberstricke, Trachtenhüte und dergleichen Kitschfreies erstehen kann.

Dennoch (oder gerade deswegen) war am vergangenen Samstag die Hauptstraße wieder dicht gesäumt mit Menschen die sich über den Anblick der einen Herde freuten, die hier unter lautem Glockengetöse von Alpmeister Josef Karg, dem Hirtenehepaar Jutta und Robert Hartmann und ihren Helfern zum Scheidplatz am südlichen Ortsausgang getrieben wurde. Zwei prächtig geschmückte Kranzkühe führten die 80 teils aufgeregt rennenden Schumpen an, die die Zeit seit Ende Mai auf der Alpe Berg verbracht haben. 113 waren es ursprünglich gewesen, doch weil in diesem durchwachsenen Sommer das Futter knapp wurde, wurden mehr als 30 bereits vorzeitig zu Tal gebracht. Einen allzu weiten Weg mussten sie dazu nicht bewältigen. Schließlich liegt die denkmalgeschützte Alpe, die sich seit 100 Jahren im Besitz der Raiffeisenbank Haldenwang – sie ist Sponsor und Veranstalter des Viehscheids – befindet, nur auf rund 860 Metern Höhe über Haldenwang.

Eine gute halbe Stunde dauert der Abstieg mit der Herde, verriet Robert Hartmann, der mit seiner Familie ganzjährig hier oben wohnt und seit 15 Jahren für das sommerliche Wohlergehen des Viehs sorgt. Auch wenn unter diesen Bedingungen kaum Unfallgefahr herrscht, ist er doch froh, wenn dann alle Tiere wieder wohlbehalten in ihre heimischen Ställe zurückgekehrt sind.

Sabine Stodal

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