Viel Diskussionsbedarf

Bewusst veranstaltete die Stadt Isny jetzt eine Informationsveranstaltung zu den derzeitigen Plänen zur Nutzung von Windkraft in Beuren. Beuren ist der Ort, der nach den vorliegenden Plänen es Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben, eventuell von einer Windkraftanlage auf dem Beurener Berg betroffen wäre.

Der Direktor des Regionalverbandes, Wilfried Franke, ergriff als Erster das Wort. Ob nun dafür oder dagegen: Er und seine Mitarbeiter hätten den gesetzlichen Auftrag, Standorte für Windkraftanlagenzu benennen, erläuterte er. Um die von der Landesregierung angestrebten zehn Prozent der Energieversorgung durch Windkraft zu regeln, sind 1220 neue Anlagen zu installieren. Baden-Württemberg sei derzeit zu rund 53 Prozent von Atomstrom abhängig, unterstrich Franke. Wenn der also reduziert bzw. abgeschafft werden soll, sieht es an dieser Stelle nicht gerade freundlich aus. „Wir müssen der Windkraft substantiell mehr Raum geben“. In Baden-Württemberg gibt es zurzeit 370 Windkraftanlagen, davon lediglich sieben südlich der Donau. Im Landkreis Ravensburg werden aber bereits 30 Prozent des Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien gewonnen. Energie- quellen sind dabei vor allem Biogasanlagen. „Welche Schwierigkeiten hier auftauchen ist ja wohl bekannt und auch die ‘Vermaisung’ unserer Landschaft ist eine Folge davon“, so Franke. Ende März kam der Windatlas heraus. Darin sind die Orte gekennzeichnet, bei denen sich auf Grund der Windgeschwindigkeit eine Aufstellung von Windrädern lohnen würde. Der Beurener Berg ist einer dieser Punkte. Das heißt jedoch nicht, dass in den nächsten Wochen, auch gegen den ausdrücklichen Willen der Bevölkerung, mit dem Bau begonnen wird. Dazu sind schon mehr Schritte notwendig. Die einzuleitenden Wege sind langwierig, bilden ein zweistufiges Verfahren und ohne die Einwilligung der Grundstückseigentümer geht am Ende gar nichts. Lediglich ein Prozent der Landesfläche von Baden-Württemberg ist für Windkraftanlagen nutzbar, ohne gegen irgendwelche Einschränkungen und gesetzliche Grundlagen zu verstoßen. Das ist eine Fläche von rund 3600 Hektar und würde für 280 Anlagen reichen – für 280 und nicht für 1220 wie notwendig. Nicht nur Beuren ist davon betroffen. Im Bereich der Donau sollen insgesamt 90 Anlagen aufgestellt werden. „Eine neue Dimension von Eingriffen in Landschaft und Natur tut sich auf und auch unsere Region wird davon nicht verschont werden“, meinte der Direktor. Bürgermeister Rainer Magenreuter betonte in seiner Ansprache, dass er sich weder für noch gegen Windkraftanlagen ausgesprochen habe. Das sei nicht seine Intention und auch nicht die des Gemeinderates. Wie die Entwicklung nun weiter geht, ist noch unklar. Magenreuter befürwortete allerdings die Tatsache, dass ein Umdenken notwendig wird. Noch nichts entschieden In der anschließenden, von Landtagsabgeordneten Paul Locherer (CDU) moderierten, Diskussion meldeten sich vor allem die Gegner der Windkraftanlage zu Wort und brachten ihre Meinung zum Ausdruck. Die Frage, ob alles schon entschieden sei, beantwortete Franke mit einem klaren „Nein“. Eben so klar war das auf der derzeitigen Rechtslage beruhende Nein bei der Frage, ob Grundstückeigentümer verpflichtet sind, solche Anlagen auf ihrem Grundstück zu dulden. Ob nun der Tourismus als Argument ausreicht, um eine Aufstellung der Anlagen zu verhindern scheint eher unwahr- scheinlich zu sein. Auch bei der Wasserkraft ist keine Alternative in Sicht und die Notwendigkeit von energetischer Versorgung wird noch ganz andere Dimensionen annehmen. Im Schlusswort betonte Paul Locherer, wie sehr er über die Art von gelebter Demokratie erfreut war, die in dieser Informationsveranstaltung und der anschließenden Diskussion prakti- ziert wurde. „Bleibt zu hoffen, dass diese Art des miteinander Umgehens auch weiterhin im Vordergrund stehen wird.“ Die Diskussion pro und kontra ist noch lange nicht beendet. Einsparen ist auch eine Sache über die noch nicht genug geredet wurde. Wer das Ganze finanzieren soll und wer am Ende den Gewinn abschöpft ist ebenfalls noch nicht beredet worden.

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Bauchtanz, Ballett und Bastelei
Bauchtanz, Ballett und Bastelei
Gewinnspiel: Wir verlosen Ferien-Freizeitpakete im Wert von 5.000 Euro
Gewinnspiel: Wir verlosen Ferien-Freizeitpakete im Wert von 5.000 Euro
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben

Kommentare