Viel erreicht, noch mehr zu tun

Kempten ist eine familienfreundliche Stadt – meint zumindest der Versicherer „Cosmos Direkt“, der auf dem Stadtfest im Juli 200 Mütter und Väter zum Thema Familienfreundlichkeit befragt hat. Über die Hälfte gaben der Allgäumetropole demzufolge die Schulnote eins oder zwei. Jeweils 44 Prozent forderten jedoch bessere Betreuungs- und Freizeitangebote. Das Ergebnis der Umfrage veröffentlichte die Versicherungsgesellschaft fast genau ein Jahr nachdem die Stadtverwaltung selbst ihren Entwurf einer Familienfreundlichkeitsprüfung vorstellte – und zum gleichen Ergebnis wie der Versicherer kam.

Die circa 45 Mann starke Lenkungsgruppe, die die Prüfung seinerzeit erstellt hat, sah ebenfalls Bedarf an einer besseren Kinderbetreuung. Das Ziel: Krippenplätze für 31 Prozent der Familien bis zum Jahr 2013. „Wir schaffen das 2012“, erklärte Stadträtin Claudia Dress (CSU), selbst Mitglied im Jugendhilfeausschuss und in der Lenkungsgruppe gegenüber dem KREISBOTE. Im vergangenen Jahr hatten Kindertagesstätten in der Tat keine Probleme, ihre Krippengruppen anerkennen zu lassen. Damit haben die Tagesstätten Anspruch auf Fördergelder von Staat und Kommune. Auch private Kitas wie der Bambini-Park in Sankt Mang bekamen die Anerkennung. Problematisch war jedoch, den Bedarf der Familien festzustellen, so Dress. Der Grund: Viele Mütter von kleinen Kindern nehmen kurzfristig die Chance wahr, wieder in den Beruf zurückzukehren und möchten dann ihr kleines Kind in eine Kinderkrippe geben, erklärte Jugend-, Schul- und Sozialreferent Benedikt Mayer dem KREISBOTE. Begehrte Kindergartenplätze Bei Kindergartenplätzen haben es die Eltern dafür umso eiliger. Manche wollen schon vor der Geburt den Kiga-Platz ihres Sprösslings gesichert wissen – viel zu früh, meint Mayer. Für jedes Kemptener Kind finde sich eine Kindergartengruppe. Am Sinken sei hingegen die Zahl der Hortplätze. Die Qualität der Schüler-Betreuung leide allerdings nicht darunter. Mayer spricht sogar von einer „deutlich besseren Betreuung“, denn die Schulen seien beim Thema Ganztagsklassen in der Offensive. Manche Schulen, wie die Wittelsbacher Schule, bieten bereits für jede Jahrgangsstufe Ganztagsklassen an, manche, wie die auf dem Lindenberg, fangen kommendes Schuljahr damit an. Rund 300 Kinder werden laut Mayer ab September nachmittags in der Lernstätte betreut. Beim Thema Freizeitangebote hat die Stadtverwaltung eines ihrer Ziele offenbar erreicht, nämlich mehr Spielplätze vor allem für Jugendliche zu schaffen. Der neue Bolzplatz in Sankt Mang und der frisch eingeweihte Jugendspielplatz am Hofgarten sind Beispiele dafür. Wie die Jüngeren künftig ihre Freizeit besser gestalten können, steht noch nicht fest. „Wir sind in der Entwicklungsphase“, erklärte Mayer. Ein Kinderhaus oder ein zweiter Spielmobil-Trupp sind Ideen, die im Entwurf vom vergangenen Juli vermerkt sind. Wie ein besseres Freizeitangebot für Kinder aber tatsächlich aussehen wird, könne er noch nicht sagen. Warten auf Lösungen Auch einige weitere Probleme, die die städtische Familienfreundlichkeitsprüfung erkannt hat, die „Cosmos Direkt“-Umfrage jedoch nicht anspricht, warten noch auf eine Lösung. Zum Beispiel eine bessere ÖPNV-Anbindung entlegener Wohngebiete. Einige nördliche Stadtteile, die nahe Altusried liegen, oder der Ortsteil Mariaberg seien aus wirtschaftlichen Gründen nicht angebunden, so Mayer. Das könne die Stadtverwaltung auch nicht direkt beeinflussen. Als „völlig unzureichend“ hatte Mayer den jährlichen Etat für Lehrerfortbildungen vergangenes Jahr im Jugendhilfeausschuss bezeichnet, der beträgt nämlich nur 1400 Euro für 300 Lehrer. Den zu erhöhen, sei jedoch Sache des Freistaats. „Ich kann nur Briefe schreiben“, erklärte er.

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