Blick zurück

Neuer Altstadtbrief liegt auf

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Behält Kemptens Altstadt immer fest im Blick: Dietmar Markmiller, Vorsitzender der Altstadtfreunde.

Kempten – Beklagen kann sich Dietmar Markmiller, Vorsitzender der Kemptener Altstadtfreunde, über das zu- rückliegende Jahr auch im Namen seines Vereins sicher nicht. Es ist wieder viel geschehen in seinem „Revier“.

Davon zeugt der jährliche Altstadtbrief, der vor Kurzem für das Jahr 2014 erschienen ist und an vielen Orten in Kempten kostenlos zur Mitnahme ausliegt.

Eines der großen Themen war schon bei der letzten Jahreshauptversammlung das „Sorgenkind“ Burghalde, deren Umgestaltung die Altstadtfreunde mit einer ziemlich radikalen Vision ins Gespräch gebracht hatten (der Kreisbote berichtete) und die auch im Altstadtbrief thematisiert wird. „Es ist nur eine Vision von mehreren möglichen“, meinte Markmiller im Gespräch mit dem Kreisboten. Ab kommendem Frühjahr seien Infostände auf dem Wochenmarkt am Hildegardplatz geplant, „um die Ideen und Vorschläge der Bürger von Anfang an in den Prozess einzubinden“, denn es müsse einfach etwas gemacht werden, ist er entschlossen nicht locker zu lassen. Schließlich sei die Umgestaltung der Burghalde nicht nur im Wahlprogramm des jetzigen OB Thomas Kiechle ein Punkt gewesen, sondern ebenso beim SPD-Kandidaten, weshalb er auch dessen Partei in der Pflicht sieht. Neben einer städtischen Beteiligung hat Markmiller für das Projekt Partnerschaften aus allen Bereichen im Auge. Vorstellbar sind für ihn private Investoren ebenso wie Tochterunternehmen der Stadt, zum Beispiel die Sozialbau, oder Brauereien. Auch sei es wichtig, die bereits auf der Burghalde ansässigen und gut funktionierenden Institutionen Allgäuer Burgenmuseum und das Historische Handwerkerhaus in den Masterplan einzubinden.

Einen verstärkt ganzheitlichen Blick auf Bauvorhaben und mehr Einbindung der Bürger wünscht sich das architekturforum (af), das im Altstadt- brief einmal mehr für Baukultur und einen Gestaltungsbeirat wirbt – Anliegen, die sich auch die Altstadtfreunde auf die Fahnen geschrieben haben. Unter dem Titel „Kempten und die Baukultur“ kritisiert das af den Eindruck, dass in den letzten Jahren in Kempten „das Denken in größeren räumlichen und zeitlichen Zusammenhängen vernachlässigt wurde“ und stattdessen „häufig und viel zu schnell den vornehmlich monetären Kurzfrist-Interessen von Investoren stattgegeben“ worden sei. Als unrühmliche Beispiele werden das Brauhausgelände, XXXL Lutz, das Klosterumfeld in Lenzfried das Baugebiet Saarlandstraße oder das Weberei-Gelände an der Iller mit der historischen Shed-Halle genannt. Ein „Ansatz in die richtige Richtung“ stelle das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) dar, zeigen sie sich auch versöhnlich.

Bei der langjährigen Baureferentin Monika Beltinger sieht Markmiller die Schwachstelle aber eher nicht, zumal er bekennt, noch immer ein Problem mit deren Abwahl zu haben. Er habe sie „in den letzten Jahren als verlässliche, kompetente Ansprechpartnerin schätzen gelernt“, auch wenn sie „nicht immer einer Meinung“ gewesen seien. Als „Heuchelei in höchster Perfektion“ habe er den anerkennenden Applaus für Beltinger bei deren Verabschiedung empfunden, da er vermute, dass sich dabei auch Stadträte eingereiht hätten, die an ihrer Abwahl beteiligt gewesen seien.

Irritiert zeigte er sich darüber, dass die Altstadtfreunde zu einem Arbeitskreis eingeladen gewesen seien, um den Weihnachtsmarkt noch attraktiver zu machen, der dann doch nicht stattfand, „da das Thema erst einmal im zuständigen Stadtratsausschuss zu besprechen sei“. Seines Erachtens sollten allerdings unbedingt Organe in die Diskussion eingebunden werden, „die im öffentlichen Leben stehen“. Da die Kemptener Geschichte genügend Anknüpfungspunkte biete, könne er sich zum Beispiel gut einen historischen Weihnachtsmarkt als zusätzliches Angebot an ein oder zwei Wochenenden auf dem St. Mangplatz vorstellen, mit jährlich wechselnden Schwerpunkten.

Ihre Spuren hat auch die Sozialbau einmal mehr in Kemptens Altstadt hinterlassen, unter anderem mit der rundum erneuerten „alten, neuen Spinnerei“ an der Keselstraße, dem „Altstadt-Center“ oder dem aktuell laufenden Baulückenschluss zwischen Gerber-, Kronen-, Theaterstraße und Heinrichgasse. Weitere Themen des Altstadtbriefes sind beispielsweise der Skatepark, dessen Erneuerung dem Einsatz des Trockenschwimmer e.V. zu verdanken ist, die „Verjüngungs“-Pläne für das Haus der Senioren, der Bau des AÜW-Restwasserkraftwerks an der Kaufbeurer Straße, das in diesem Frühjahr fertig gestellt und im Rahmen von „Iller erleben“ zudem ein attraktiver Aufenthaltsort werden soll, oder auch das inzwischen fünfjährige Bestehen des Kunst- und Künstlervereins „artig“ mit seiner Galerie „kunstreich“ als Besuchermagnet.

Die Füße hochlegen werden die Altstadtfreunde trotz der positiven Bilanz 2014 jeden- falls sicher auch 2015 nicht. Schon stellt Markmiller im aktuellen Altstadtbrief die Frage, wie es mit dem Klecks weitergehen soll und bemerkt, dass man schon lange nichts mehr zur gesperrten König-Ludwig-Brücke gehört habe und auch die seines Erachtens dringend notwendige Neugestaltung des Illerufers durch das Kemptener Wasserwirtschaftsamt werde von Jahr zu Jahr verschoben. Und dann ist da ja auch noch das „Sorgenkind“ Burghalde.

Christine Tröger

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