Viel Lob für sich und die Vorgänger

Dr. Josef Höß (links) ist seit fast 50 Jahren CSU-Mitglied und kann auf eine lange politische Karriere zurückblicken. Das Foto auf der Leinwand zeigt ihn zusammen mit dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber. Foto: Kampfrath

Drei seiner ehemaligen Amtsvorgänger als (Ober)-Bürgermeister der Stadt Kempten genießen bei Dr. Josef Höß ein hohes Ansehen: Adolf Horchler, Otto Merkt und August Fischer. Das verdeutlichte der Alt-OB am Sonntag bei seinem Vortrag „Die Kemptener Stadtentwicklung im Wandel der Zeit“ im Restaurant „Waldhorn“. Dabei lobte der fast 80-jährige CSU-Politiker mehrfach sich und seine eigene Arbeit.

„Ich gebe auch einen Rechenschaftsbericht aus“, sagte Höß, der von 1970 bis 1990 Kemptener Oberbürgermeister war, am Beginn seines etwa einstündigen Vortrags. „In der Kommunalpolitik kann man nur auf dem aufbauen und daran anknüpfen, was der Vorgänger gemacht hat.“ Dabei erinnerte Höß an August Fischer, der von 1952 bis 1970 Chef des Kemptener Rathauses war. „August Fischer war ein ausgewiesener Kenner und Könner für Stadtentwicklung. Er hatte dafür die nötige Phantasie und andere wichtige Eigenschaften.“ Auf Dr. Otto Merkt, Bürgermeister von 1919 bis 1942, sang Höß ebenfalls ein Loblied. Merkt, den die Nationalsozialisten später während seiner Amtszeit als OB absetzten, habe es verstanden, „das Allgäu ins Bewusstsein zu rufen“. Höß bezeichnete Merkt als „blitzgescheiten und ungeheuer fleißigen Mann“. So habe Merkt beispielsweise erste Vorbereitungen für die Eingemeindungen von St.-Lorenz und St.- Mang in die Stadt Kempten getroffen. Auch die Planung für den mittleren Ring habe schon in den 1920er Jahren begonnen. Denn „vorausschauende Kommunalpolitik“ und „Visionen für die Stadtentwicklung“ seien unentbehrlich für die Arbeit in der Stadtverwaltung. Barrieren abgebrochen Diese wichtigen Eigenschaften hatte laut Höß auch Adolf Horchler, der von 1881 bis 1919 Erster Bürgermeister Kemptens war. Er habe die Industrialisierung der Stadt vorangetrieben, sodass besonders der Kemptener Süden wuchs. „Adolf Horchler brach die Barrieren zwischen der Stiftsstadt und der protestantischen Altstadt ab“, erklärte Andreas Kibler, Ortsvorsitzender der CSU Kempten-West, der Höß zu dieser Veranstaltung eingeladen hatte. Josef Höß, der 1931 in Aach bei Oberstaufen auf dem elterlichen Hof zur Welt kam, wagte gar einen Blick auf die Frühgeschichte Kemptens als gallo-römische Siedlung Cambodunum. „Cambo war wahrscheinlich ein hier ansässiger keltischer Anführer oder Fürst“, erläuterte er. ‚Dunum‘ hingegen bedeute nach der heutigen Forschermeinung Flussbiegung. Ohnehin begeistere er sich für die Anfänge Kemptens als älteste Stadt Deutschlands. „Beim Rasieren“ habe er damals die Idee gehabt, in Kempten eine archäologische Altertumsforschung entstehen zu lassen. „Schon mehrfach sagte ich zu Dr. Gerhard Weber ‚Bringen Sie mir endlich einen ausgestopften Kelten, dass wir einen Nachweis haben, die älteste Stadt Deutschlands zu sein.‘ Aber Weber hat bis heute nicht danach gegraben“, erzählte Höß mit feurigem Tonfall und Blick. Die meisten Zuhörer lachten und selbst der Stadtarchäologe und Kulturamtsleiter Gerhard Weber, der unter den Gästen war, amüsierte sich darüber. „Die Archäologie ist ein wesentliches Element des heutigen Kemptens“, meinte Höß und klopfte sich damit selbst auf die Schulter. Das tat Höß, der 1990 seinem Herausforderer Wolfgang Rossmann (SPD) unterlag, an mehreren Stellen. „Wir legten damals im Stadtrat fest, dass das Gebiet zwischen dem Schwabelsberger Weiher und Heiligkreuz nicht zuge-baut werden darf“, so Höß. „Damals erwarben wir den Schwabelsberger Weiher und machten ihn zu dem Juwel, der er heute ist“, betonte Höß, der vor seiner Zeit als Oberbürgermeister Stadtkämmerer von Kempten war. Eine der größten Leistungen Josef Hößs als OB war die Eingemeindung von St.-Lorenz und St.-Mang im Jahr 1972. Durch diese Gebietsreform vergrößerte sich die Fläche der Stadt Kempten von 24 auf 63 Quadratkilometer. Doch die Vorbereitungen für die Eingemeindung waren mit so manchen Kampf und Streit verbunden: „Die Widerstände in Sankt Mang waren damals so groß, dass der Bürgermeister der einst selbstständigen Gemeinde drohte, das Gebiet mit Mistwagen zu verrammeln“, erinnerte sich Höß. Zum Ehrenmitglied ernannt Der heute 79-Jährige war es auch, der damals zusammen mit Paul Diethei die Fachhochschule nach Kempten holte. „Es gab damals 17 Bewerber, aber Kempten machte das Rennen.“ Im Jahr 1978 konnten die Ersten dort mit dem Studium beginnen. Am Ende ernannten Andreas Kibler und Helmut Allgeier vom CSU-Kreisvorstand Kempten Josef Höß „überraschend“ zum Ehrenmitglied der CSU. Doch zuvor stahl Gertraud Schwarz, besser bekannt als Altstadt-Traudl, Höß und Kibler die Show. Nach dem Vortrag wies sie auf den Studenten hin, der das „Künstlercafé“ im ehemaligen Haus International betreibt, das Höß einst verwirklicht hatte. Gertraud Schwarz empörte sich darüber, dass im Stadtrat immer noch der Abriss des Gebäudes zur Diskussion stehe, obwohl das „Künstlercafé“ gerade bei Studenten sehr beliebt sei.

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