Kulturleben geprägt und bereichert

"Sie hat bewiesen, dass sie es kann"

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13 symbolträchtige Miniaturgeschenke hat Annemarie Simon (re.) zum Abschied der nun ehemaligen TIK-Direktorin Nikola Stadelmann (li.) zusammengesucht.

Kempten – Freitag, 31. August 2015 – der letzte Arbeitstag von Nikola Stadelmann als Künstlerische Direktorin des Theater in Kempten (TIK), die, wie berichtet, das Haus wegen der ihrer Ansicht nach „wenig theaterförderlichen Strukturen“ auf eigenen Wunsch nach fünf Jahren vorzeitig verlässt.

Mit einer von hoher Wertschätzung für die Person Stadelmann, wie für ihr Wirken geprägten Feier, wurde sie am Abend in der Schrannenhalle des Kemptener Rathauses verabschiedet.

Offizielle Vertreter des Stadtrates, des TIK-Aufsichtsrates, der Theater- und Musikgesellschaft (TUM), des KKU, Unterstützer des Theater, das TIK-Team – sie alle waren gekommen, um der TIK-Direktorin zu danken. Dafür zu danken, dass sie „mit ihrer Arbeit, ihren reichen Ideen, ihrer hohen Kompetenz und nicht zuletzt mit ihrer Persönlichkeit das Kulturleben in Kempten, speziell in der Theater- und Musikszene, in den letzten fünf, ja eigentlich schon acht Jahren, geprägt und überaus bereichert hat“, wie OB Thomas Kiechle würdigte. Denn bereits in den ersten drei Jahren als Dramaturgin am TIK habe sie von Anfang an „schon deutlich das eigene Profil“ gezeigt. Jährliche Spielzeitthemen, der rechte Kontakt zum Publikum, fruchtbare Partnerschaften mit renommierten Häusern im In- und Ausland, die inzwischen „legendären“ Einführungsgespräche zu den Meisterkonzerten zwischen deren Organisator Dr. Franz Tröger und Stadelmann, Kooperationen mit lokalen und regionalen Akteuren von Laientheatergruppen bis zum „Klecks e.V.“ — „Nikola Stadelmann erreichte ihr Publikum“ und sei „für jeden Interessenten, Fan oder Kritiker ansprechbare Person und Instanz im Kemptener Kulturleben“ gewesen. Dazu habe sie „das passende Angebot“ für die zum Teil recht unterschiedlichen Zielgruppen geboten, vom Theaterklassiker, Eigenproduktionen, speziellen Formaten wie „les-ART“, Kinder- und Jugendangeboten oder auch die Schultheatertage.

Acht Jahre hatte Thomas Siedersberger, der über ihren Weggang „schon etwas traurig“ zu sein bekannte, als Geschäftsführer der KKU und damit auch des TIK mit Stadelmann zusammengearbeitet. Das Zeug zur Intendantin habe er schon zu ihren TIK-Anfängen als Dramaturgin bei ihr gesehen. „Sie hat bewiesen, dass sie es kann“ und dem TIK zudem ihren Stempel „auf soliden finanziellen Beinen“ aufgedrückt, schmunzelte er.

Mit einem ganz besonderen Geschenk überraschte Annemarie Simon, großzügige Förderin des Theaters seit Anbeginn, eine sichtlich gerührte TIK-Direktorin, die mit ihrem Team „alle Höhen und Tiefen, die so ein Theaterleben eben mit sich bringt, mit Bravour gemeistert“ habe, „Garant für ein vertrauensvolles Miteinander“ und wenn sie gebraucht wurde, immer da gewesen sei. Für die „unvergessliche wertvolle Zeit“ mit ihr hatte sich Simon ein symbolträchtiges Geschenk ausgedacht und sich dafür auf „Spurensuche“ im Theater begeben. Dreizehn kleine, ganz unterschiedliche Symbole hatte sie in einem Netz zusammengetragen, die Stadelmann zur jeweiligen Erklärung in einer auch sehr besonders ausgestatteten „Schatzkiste“ deponierte. Unter dem „reichhaltigen Schatz an gemeinsamen Werten und Erfahrungen, die unser Theater so einzigartig machen“, waren zum Beispiel ein roter Teppich – Sinnbild dafür, dass Stadelmann „trotz allem Erfolg nie abgehoben, sondern immer auf dem Teppich geblieben“ sei; ein kleines Stethoskop, das „für die Kultur der Offenheit und des Miteinanders“ stehe und dafür, dass Stadelmann für die Sorgen der Mitarbeiter immer ein offenes Ohr gehabt habe; ein Lot soll daran erinnern, dass sie es verstanden habe „kritische Situationen und vielversprechende Chancen richtig auszuloten“; ein Paar Miniatur-Flossen, denn damit habe sie die richtige Schwimmtechnik gelernt, „um in stürmischen Zeiten auch mal gegen den Strom schwimmen zu können“; ein vergoldeter Rahmen, der vor dem geistigen Auge der Theaterförderin „Bilder von unvergesslichen Aufführungen, von Boulevard bis Tanztheater, von Schauspiel bis zur Gegenwartsdramatik, von Jugendtheater bis zur Schulaufführung“ entstehen lasse, für die „unser Theater den festlichen Rahmen gebildet hat“... Und für den Fall, dass Stadelmann „doch einmal ein wenig Heimweh an vergangene Zeiten“ habe, ist an der edlen, mit Erinnerungen gefüllten Holzschatulle, ein Knopf, der gedrückt werden kann und im Deckel eine goldene Verzierung wie eine Muschel aufspringen lässt, in der ein kleines Vögelchen zu singen beginnt... ein Gesang, den die Beschenkte sicher verstehe, war sich Annemarie Simon sicher.

Es sind „vor allem die guten Dinge“, an die sich auch Stadelmann zurückerinnern will, wie sie gegenüber dem Kreisboten betonte. Da sind die Menschen im TIK-Team – ihres Erachtens übrigens „der lebende Beweis dafür, dass nur Frauen nicht im- mer auch Zickenkrieg bedeutet“. Da ein Großteil des Teams „per se nicht aus dem Theater war“, sei es für sie eine echte Freude gewesen „sie infizieren zu können“. Gerne werde sie sich auch an die Menschen erinnern, „die sich mit großem Vertrauen in das was ich tue hinter mich gestellt haben“, namentlich zum Beispiel Dr. Franz Tröger, Annemarie Simon, Ulrike und Heinrich Baur, sowie die vielen „kleinen“ Unterstützer bei der Unterbringung, beim Catering für die Proben, die Requisite und vieles mehr. „Die Leute haben sich einfach ganz persönlich für ihr Thea- ter engagiert.“ Nicht vergessen will sie auch das Publikum nicht, mit dem ihr etwas gelungen sei, das ihr immer sehr wichtig gewesen sei: dass die Leute „im Positiven in die Auseinandersetzung mit den Stücken gegangen sind, ob durch Lob oder Kritik“. Diskussionen habe sie diesbezüglich an allen möglichen Orten geführt, von der Theatertheke bis zur Schlange an der Kasse im Drogeriemarkt, meinte sie lachend.

Christine Tröger

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