Viele Fragen bleiben offen

Oberstleutnant Andreas Steinert (links) stößt unter anderem mit Oberstleutnant Dr. Tobias Gamberger (2.v.l.), Wehrbereichsverwaltungspräsident Michael Brod und OB Dr. Ulrich Netzer an auf ein neues Jahr an.

Nein, er lässt sich nicht aus der Reserve locken. Mit nur einem Satz geht Oberstleutnant Andreas Steinert beim mit Spannung erwarteten Neujahrsempfang des Gebirgssanitätsregiment 42 „Allgäu“ auf die Zukunft des Standortes Kempten ein: „Ich werde mich hier und heute nicht an Spekulationen beteiligen“, entgegnet er den etwa 200 Gästen im Fürstensaal der Residenz. Damit ist das Thema für Steinert erledigt. Viel lieber spricht der stellvertretende Regimentskommandeur über die Strukturreform im Allgemeinen und darüber, wie wohl sich seine Soldaten im Allgäu fühlen. Gleichwohl drückte er seine Hoffnung aus, dass der Standort Kempten erhalten bleibt.

Seit bekannt wurde, dass die Bundeswehr sowohl Stellen als auch Standorte abbauen will und muss, bewegen sich Kommandeure bei jedem öffentlichen Auftritt auf dünnem Eis. Jede noch so kleine Bemerkung kann und wird in die eine oder andere Richtung interpretiert und gedeutet. Schließlich ist jede Kaserne auch ein Wirtschaftsfaktor für die jeweilige Garnisonsstadt. Steinert wischt das Thema deshalb lieber schnell vom Tisch. „Ein Blick in die Glaskugel ist wenig zielführend“, sagt er. Fest stehe nur, dass es ebenso wie in den anderen Teilstreitkräften auch im Sanitätsdienstwesen tiefgreifende Veränderungen geben werde. Aber alle weiteren Entscheidungen seien Sache der Politik. Allerdings warnt er davor, Standortentscheidungen nur aus betriebswirtschaftlicher Sicht zu treffen. Viemehr sollten auch „weiche Faktoren“ wie die Einbindung der Soldaten und ihrer Familien in das städtische Leben berücksichtigt werden. Kempten sei diesbezüglich vorbildlich. „Dieses Umfeld und diese Akzeptanz finden wir hier in Kempten in geradezu idealtypischer Weise vor“, so der Oberstleutnant. „Im Allgäu ist die Welt für uns Soldaten in Ordnung.“ Erleichtert zeigt sich der derzeitige Standortälteste von Kempten und stellvertretende Regimentskommandeur – Oberfeldarzt Dr. Frank Hengstermann ist momentan in Afghanistan im Einsatz – darüber, dass bislang kein Soldat des Regiments in Auslandseinsätzen getötet worden sei. „Sehr wohl sind aber Soldaten unter uns, die die Auswirkungen intensiver Gefechtshandlungen für Außenstehende weniger sichtbar an der eigenen Seele erfahren mussten.“ Lange Tradition Für die Soldaten-Familien zu Hause werde durch die zahlreichen Auslandseinsätze das Familienbetreuungszentrum Kempten und das Psychosoziale Netzwerk zunehmend wichtiger. „Insgesamt wurden 2010 im Raum Allgäu 8300 Soldatinnen und Soldaten und deren Angehörige betreut“, berichtet der Offizier. Kemptens OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) ging in seiner Ansprache ebenfalls auf die tiefe Verwurzelung der Soldaten in Kempten ein. „Kempten ist einer der ältesten und traditionsreichsten Standorte in Bayern“, sagte er. „Die Soldaten hier am Standort Kempten waren und sind immer willkommen.“ Deshalb hoffe er, „dass das Gebirgssanitätsregiment auch künftig fester Teil der Stadt, der Stadtgesellschaft, unserer Region ist.“

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