Viele Themen beschäftigen die Bürger

Viele Kemptener und Oberallgäuer Bürger sind am Dienstagabend zur Aufzeichnung der BR-Sendung „Jetzt red i“ ins Kornhaus gekommen. Fotos: Tröger

Kinderkrippen, Schulen, Ausgleichsflächen, Asylbewerber, Hubschrauberhangar und Windkraft: Das alles sind Themen, die die Kemptener und Oberallgäuer Bürger am Dienstagabend bei der Aufzeichnung der BR-Sendung „Jetzt red i“ im Kornhaus ansprachen. Moderator Tilmann Schöberl führte gekonnt durch die zweistündige Aufzeichnung und schaffte es, dass alle redewilligen Bürger zu Wort kamen. Außerdem verstand er es, eine lockere Atmosphäre in den Saal zu bringen. Einige der für die angesprochenen Probleme zuständigen Stellen bzw. Politiker werden im Rahmen der Ausstrahlung der Sendung aus Kempten am 17. Oktober um 20.15 Uhr vor dem Fernsehpublikum mit den Anliegen der Bürger konfrontiert.

Margit Neher, Leiterin der Kindertagesstätte „Im Wiesengrund“ sprach die derzeitige Situation in den Kinderkrippen an. Es sei zwar gut, dass die Krippenplätze für die ein- bis dreijährigen Kinder in Kempten stetig ausgebaut werden, allerdings müsste ihrer Meinung nach auch genügend Personal dafür zur Verfügung gestellt werden. Um die Problematik zu verdeutlichen, beschrieben die Erzieherinnen Judith Mair und Anita Beyrer eine tägliche Situation in der Krippe: Insgesamt sind die beiden für 12 Kinder zuständig. Hat jedoch ein Kind die Windeln voll, geht eine der Erzieherinnen mit diesem in den Wickelraum. Solange ist die andere mit den elf weiteren Knirpsen alleine. Sie muss die Sicherheit der Kinder gewährleisten und eventuell parallel Eltern noch Fragen beantworten. „Gleichzeitig kommt dann der kleine Anton, der ganz stolz darauf ist, dass er keine Windeln mehr braucht und möchte mit der zweiten Erzieherin aufs Klo gehen. Was mach ich dann?“, fragte Beyrer in die Runde. „Geh ich mit dem kleinen Anton aufs Klo, müsste ich die anderen zehn Kinder alleine lassen. Bleib ich hier und warte, bis meine Kollegin vom Wickeln kommt, riskier ich, dass der Anton in die Hose macht.“ Wenn eine der Erzieherinnen einmal krank ist, sei die andere den ganzen Tag mit den 12 Kindern alleine, unterstrichen die beiden abschließend. Neher forderte daher, dass der Betreuungsschlüssel für die Kinderkrippen angehoben wird. „Ein Mindestmaß sind drei Erzieherinnen für eine Gruppe mit 12 bis 15 Kinder.“. Das große Thema Schule sprach Stefan Keppeler, Vorsitzender des Stadtjugendrings (SJR), an. „Durch die 40- bis 50-Stunden Woche, die die Schüler an weiterführenden Schulen mittlerweile haben, fehlen uns die ehrenamtlichen Jugendlichen, wir kriegen keine Jugendleiter mehr“, so Keppeler. Dazu geführt habe neben dem G8 auch die Abschaffung des Zivildienstes und die Einführung des Bachelor-Studiensystems. „Dadurch fehlen uns drei Jahre.“ Der SJR-Vorsitzende schlug vor, das System zu überdenken. Landesschulsprecher Fabian Geyer forderte, dass der Übertrittsdruck in der dritten und vierten Klasse entschleunigt werden sollte und regte ein anderes Schulsystem an, wo die Kinder erst nach der sechsten Klasse entscheiden, auf welche weiterführende Schule sie gehen möchten. Ebenso wie Keppeler wies er darauf hin, dass die Bevölkerung immer mehr selber über das Schulsystem abstimme, indem sie ihre Kinder in das angrenzende Baden-Württem- berg auf die Schule schicken oder die Schüler den Weg zum Abitur über Realschule und FOS machen. Warum es immer mehr Schultouristen gibt, versuchten Eugen Hoh und Kerstin Hauke, Schulleiter und Elternbeiratsvorsitzende des Gymnasiums Leutkirch, zu erklären. Hauke zufolge sei das Lernen stressfreier, da es weitgehend angesagte Prüfungen gebe. „Lernen findet im Gehirn statt“, betonte Schulleiter Hoh und machte deutlich, dass die Schüler für den eigenen Lernprozess verantwortlich sind. Der Job der Lehrer sei es, den Schülern den Weg zu zeigen. Um von anderen Schulen etwas zu lernen, sei sein Kollegium im vergangenen Schuljahr von Hamburg bis in die Schweiz unterwegs gewesen und habe sich Schulen angesehen. Ein ganz anderes Thema sprach Stadtrat Richard Hiepp (CSU) an. Er bemängelte die aktuelle Regelung der Ausgeichsflächen. Für jede Fläche, die bebaut wird, muss an anderer Stelle eine Ausgleichsfläche ausgewiesen werden, auf der landschaftspflegerische und der Natur dienliche Maßnahmen erfolgen müssen. „Die Landwirte brauchen aber diese Flächen“, betonte Hiepp. Er forderte deshalb, dass diese Thematik gerade im Hinblick auf die Energiewende überdacht werden muss. Die Oberallgäuer Kreisbäuerin Monika Mayer pflichtete ihm bei und verdeutlichte: „Der Landkreis hat es sich zum Ziel gesetzt, dass bis ins Jahr 2022 ein Anteil von 70 Prozent des Stromverbrauchs aus regenerativen Energiequellen aus der Region gedeckt werden soll. Und egal wie das erreicht wird, es werden Ausgleichsflächen gebraucht. Wenn das so bleibt, entsteht massiver Druck auf die Landwirtschaftsflächen.“ Ihrer Meinung nach sind die Maßnahmen im Rahmen der Energiewende bereits ökologische und bräuchten daher keinen Ausgleich. Um die landwirtschaftlichen Flächen zu erhalten, lautet ihre Devise „Schützen durch Nützen“. SPD-Stadtrat und Integrationsbeauftragter Siegfried Oberdörfer sprach für die Asylbewerber. Er kritisierte das Asyl-Leistungsgesetz, das seiner Meinung nach kein Leistungsgesetz ist. „Diese Menschen suchen Freiheit und menschen- würdiges Verhalten, das kriegen sie aber nicht.“ Wie er erklärte, können die Asylbe- werber alle zwei Wochen aus einer Liste auswählen, was sie zu essen haben möchten. „Ich fordere, dass diese Sachleistung auf eine Geldleistung umgeschwenkt wird, damit die Menschen selber einkaufen gehen können. Nur weil sie Flüchtlinge sind, sollte man sie nicht behandeln als ob sie Menschen zweiter Klasse wären.“ Oberdörfer erntete für dieses Statement viel Applaus. Der richtige Standort? Nicht fehlen bei „Jetzt red i“ in Kempten durfte natürlich der neue geplante Hangar für den Rettungshubschrauber „Christoph 17“. Wie mehrfach berichtet, soll der neue Standort im Gewerbegebiet Ursulasried, also im Norden Kemptens, entstehen. „Ist das der bestmöglichste Standort?“, fragte Roland Wagner. Seinen Re-cherchen zufolge könnte man 16 000 Liter Kerosin pro Jahr sparen, wenn der Hangar zehn Kilometer weiter südlich gebaut werden würde. Denn über 50 Prozent der Flüge gehen in Richtung Süden. Er forderte die zuständigen Stellen auf zu prüfen, ob der Hangar-Standort unbedingt in Kempten sein muss oder ob es nicht sinnvoller sei, ihn weiter in Richtung Süden zu verlegen. Im Gespräch mit Moderator Tilmann Schöberl erklärte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU), dass es für jeden Hubschrauberstandort einen Radius gebe, und man deshalb nicht zu weit weg von der Mitte (Kempten) gehen sollte. Außerdem sei das Umland mit in die Standortsuche einbezogen gewesen, es sei am Ende aber nur der eine Standort übriggeblieben, der genehmigungsfähig ist. Eine sorgfältige Planung bei der Energiewende in Sachen Windkraftanlagen wünschte sich Reinhold Faulhaber. „Es geht nicht darum ob, sondern wie sie umgesetzt wird.“ Er habe den Eindruck, dass „im Schweinsgalopp“ möglichst schnell Windräder gebaut werden sollen. „Ich fordere eine lange Planung, um geeignete Standorte zu finden.“ Günther Eberle bezeichnete sich als Befürworter der Windkraft, ist aber für dezentrale Standorte und andere Technik, sodass keine 210 Meter hohen Windräder hingebaut werden. Stadtrat Thomas Hartmann mahnte, dass das „St.-Florian-Prinzip“: „Windkraft ja, aber nicht bei mir“ nicht funktioniere. Ausgestrahlt wird „Jetzt red i“ aus Kempten am 17. Oktober um 20.15 Uhr im BR.

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