Wie viele Windparks verträgt das Allgäu?

Vor allem bei der ILKA sorgen die Windkraftanlagen rund um Kempten (hier die Anlagen bei Wildpoldsried) für Verärgerung. Trotzdem könnten in Zukunft mehr WKAs im Oberallgäu aufgestellt werden. Foto: Matz

Für die Gegner von Windkraftanlagen (WKA) in der Region Allgäu ist die Sache klar: Schon jetzt verunstalten ihrer Ansicht nach zu viele „Stromspargel“ die Landschaft. Im Ober- und Ostallgäu sind es derzeit 30. Die „Initiative Landschaftschutz Kemptener Wald und Allgäu“ (ILKA) machte dies mit Plakaten vor dem Kaufbeurer Rathaus deutlich. Hintergrund war die Sitzung des Planungsausschusses des Regionalen Planungsverbandes der Region Allgäu, der über den Zubau weiterer WKA beriet. Im Verlauf der Sitzung wurde klar, dass mit einer Überarbeitung des Kapitels „Nutzung der Windenergie“ zukünftig durchaus mehr WKA entstehen können.

Mehr WKA könnten durch Vergrößerung von Vorrang- und Vorbehaltsflächen zu Lasten von bisher ausgewiesenen Ausschlussgebieten entstehen. Das Gremium (siehe Infokasten) unter derzeitigem Vorsitz von Kaufbeurens OB Stefan Bosse (CSU) will mit eigenen Planungen den angekündigten Vorgaben der Staatsregierung über das Landesentwicklungsprogramm (LEP) zuvor kommen und das Heft des Handels in der Hand behalten. Auslöser ist das am 24. Mai beschlossene Bayerische Energiekonzept „Energie innovativ“ für den Umbau der Energieversorgung in Bayern bis 2021, in dem Wind und Gas eine stärkere Bedeutung zukommen sollen. Energiemix gefordert Durch die Allgäu GmbH wird derzeit ein regionales Energiekonzept erarbeitet. Auf der Grundlage der Auswirkungen des Klimawandels in der Region werden Handlungsfelder definiert und unter anderem auch eine detaillierte Potenzialstudie zur Windhöffigkeit in der Region erstellt. Daraus könnten interessante Standorte abgeleitet werden. Der Regionale Planungsausschuss beschloss, auf der Basis dieses Ergebnisses weitere Untersuchungen hinsichtlich Naturschutz, Landschaftsbild und anderen weiteren Ausschlussgründen vorzunehmen. Vorsitzender Bosse warb für eine Fortschreibung des regionalen Energiekonzeptes mit Überarbeitung des Kapitels „Nutzung der Windenergie“ im Regionalplan. Allerdings müsse im großen Konsens mit allen Akteuren genau geprüft werden, wo Veränderungen erfolgen sollen. Außerdem sei zwingend eine Datenbasis erforderlich, da bisherige Quellen wie der Windatlas Bayern und diverse Studien Diskrepanzen aufzeigten. Der Oberallgäuer Landrat Gebhard Kaiser (CSU) stützte diesen Vorschlag. Der Ostallgäuer Landrat Johann Fleschhut (FW) ergänzte, die höhere Dynamik dürfe jedoch nicht in Aktionismus ausarten und sprach sich für einen intelligenten Energiemix aus. Auch Kemptens OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) meinte: „Wir sollten das Heft des Handelns in der Hand behalten und nicht investorengetrieben handeln.“ Gemeinde als Investor Kreisrat Dr. Leopold Herz wies darauf hin, dass auch energetische Sanierungen und Fotovoltaik Alternativen darstellten und warnte davor, die Bürger über den Tisch zu ziehen. Auch Bürgermeister Josef Schweinberger sah dies ähnlich und möchte den Bürger als Investor mitnehmen, damit die Wertschöpfung in der Region bleibt. Deutlich wurde dies durch ein Modell der Gemeinde Bidingen. Deren Bürgermeister Franz Martin erläuterte dem Ausschuss, dass die Gemeinde selbst sich mittels Bürgerentscheid für den Bau und Betrieb einer WKA entschieden habe, nachdem externe Investoren dies zuvor geplant hatten. Nach Abzug aller Kosten bleiben der Gemeindekasse nach jetzigen Prognosen jährlich etwa 150 000 Euro. Neben den Gegnern von WKA hörten die ebenfalls anwesenden Befürworter von WKA dies gerne.

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